Zusammenfassung
Hintergrund: In der Diskussion um die Ergebnisqualität in der Neonatologie werden bisweilen Daten
der deutschen Neonatalerhebung herangezogen. Da die Neonatalerhebung nicht alle Lebendgeborenen
erfasst, enthalten vergleichende Analysen einen möglichen systematischen Fehler. Ziel
dieser Untersuchung war es, die Anzahl der in der Neonatalerhebung nicht erfassten
Todesfälle und damit die Größe dieses systematischen Fehlers zu ermitteln.
Methodik: Die Zahl der Lebendgeborenen und der Sterbefälle von Frühgeborenen <1 500 g aus den
Landesstatistiken der Neonatalerhebungen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen
und Nordrhein-Westfalen der Jahre 2007–2009 wurde mit der Geburten- und Sterbestatistik
des Statistischen Bundesamtes verglichen.
Ergebnisse: Unsere Analyse erfasst 68% der deutschen Geburtskohorte 2007–2009. In der Neonatalerhebung
wurden 1 151 (67,1%) der 1 716 vom statistischen Bundesamt registrierten Todesfälle
(<28. Lebenstag) mit einem Geburtsgewicht <1 000 g erfasst; insgesamt 565 Verstorbene
aus dieser Gruppe wurden nicht dokumentiert. 277 (91,4%) der 303 Todesfälle mit einem
Geburtsgewicht 1 000–1 499 g wurden erfasst; insgesamt 26 Verstorbene aus dieser Gruppe
dagegen nicht. Unter den Frühgeborenen <1 000 g war die Zahl der Behandlungsfälle/Jahr
in der Neonatalerhebung Baden-Württemberg um bis zu 11% höher als die Zahl der vom
Statistischen Bundesamt registrierten Lebendgeburten. Die absolute Anzahl/Jahr verstorbener
Kinder war hingegen im Mittel um 36 niedriger (Dokumentationsgrad 63,4%).
Schlussfolgerung: Diese Untersuchung zeigt, dass in der Neonatalerhebung bei extrem kleinen Frühgeborenen
mindestens 1/3 der Todesfälle nicht erfasst werden. Verlegungen zwischen den Kliniken
führen zur Mehrfacherfassung in der Neonatalerhebung, was ebenfalls ein falsches Bild
über die Mortalität vermittelt. Vergleichende Untersuchungen basierend auf Daten der
Neonatalerhebung sind daher methodisch bedingt mit einem hohen Fehlerrisiko behaftet.
Ein Abgleich von Qualitätssicherungsdaten mit dem Geburtenregister und/oder eine Zusammenführung
mit der Perinatalerhebung ist dringend erforderlich.
Abstract
Background: To evaluate neonatal outcome, the German neonatal quality assurance dataset is often
used. However, a systematic bias may occur, as not all live births are registered
in this dataset. The aim of our study was to evaluate the magnitude of this systematic
error by comparing this dataset to the national birth/death registry.
Methods: The summary statistics of live births and deaths with a birthweight <1 500 g from
the quality assurance datasets 2007–2009 of 5 German States (Baden-Württemberg, Bavaria,
Hesse, Lower-Saxony and North Rhine-Westfalia) were compared with the dataset from
the national birth/death registry.
Results: Our analysis included 68% of the German birth cohort 2007–2009. The quality assurance
dataset included 1 151 of 1 716 neonatal deaths (67.1%) in infants with a birthweight
<1 000 g registered within the national birth/death registry; 565 deaths were missing.
A total of 277 of 303 deaths (94.1%) with a birthweight 1 000–1 499 g were registered;
26 deaths were missing. In the state of Baden-Württemberg up to 11% more infants were
registered in the quality assurance dataset than in the national registry, but an
average of 36 neonatal deaths/year with a birthweight <1 000 g were missing (63.4%
registration rate).
Conclusion: This analysis shows that the quality assurance data miss more than 1/3 of deaths
in extremely low birthweight infants. Transfers between hospitals may result in multiple
data entries and additional bias. Comparing outcome statistics based on the neonatal
quality assurance dataset may lead to a substantial systematic error. Linkage to national
birth and death certificates and/or to the perinatal dataset is urgently needed.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung - neonatale Mortalität - perinatale Mortalität
Key words
quality assurance - neonatal mortality - perinatal mortality