Aktuelle Neurologie 2017; 44(10): 761-786
DOI: 10.1055/s-0043-123190
Forum neurologicum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Forum neurologicum der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

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Prof. Dr. Gereon Nelles
Schriftführer der DGN
Neuromed-Campus Hohenlind
Neurologische Gemeinschaftspraxis
Werthmannstr. 1c
50935 Köln

Publication History

Publication Date:
11 December 2017 (online)

 

Neuroborreliose: S3-Leitlinie gibt Ärzten und Patienten endlich Sicherheit

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die Leitlinie „Neuroborreliose“ von einer S1- zur S3-Leitlinie weiterentwickelt. Die Publikation nimmt dem Streit um das Krankheitsbild, in dem teilweise Weltanschauungen aufeinanderprallen, den Wind aus den Segeln. Die Langzeittherapie mit Antibiotika ist nach Auswertung der Studienlage nicht haltbar. Professor Sebastian Rauer, Freiburg, der den Evidenz- und Konsensprozess gemeinsam mit PD Dr. Stephan Kastenbauer koordiniert hat, erklärt, welche neuen Erkenntnisse in die Leitlinie eingeflossen sind und worüber besonders kontrovers diskutiert wurde.


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Prof. Dr. Sebastian Rauer, Leitender Oberarzt der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg, beim DGN-Kongress. © DGN/Rosenthal

Die Leitliniengruppe hat fast vier Jahre an der S3-Leitlinie Neuroborreliose gearbeitet. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Das entscheidende Ergebnis ist, dass wir einen strukturierten Evidenzprozess durchgeführt haben, in dem die wissenschaftliche Literatur zur Neuroborreliose systematisch ausgewertet wurde. Ein Mitarbeiter des unabhängigen Cochrane-Instituts war damit über ein Jahr lang befasst. Aus dieser Arbeit sind mehrere systematische Reviews hervorgegangen, die in großen internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurden. Diese Arbeiten bilden die Grundlage der neuen Leitlinie.

Was ändert sich mit der S3-Leitlinie?

An den Empfehlungen der S1-Leitlinie zur Art der eingesetzten Antibiotika und zur Dauer der Antibiotikatherapie ändert sich inhaltlich nichts. Sie basierten ja bereits auf der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur. Der Evidenzprozess hat sie bestätigt.

Zum Verlauf der Neuroborreliose gibt es allerdings neue Erkenntnisse. Die Review-Arbeit hat klar belegt, dass die so häufig beschriebenen schlechten Langzeitverläufe – mit persistierenden unspezifischen Symptomen – zum erheblichen Teil auf Studienartefakte zurückzuführen sind. Es gab in diesen Fällen keine Liquordiagnostik, die Diagnose wurde lediglich vermutet. Bei liquordiagnostisch gesicherter Neuroborreliose ist der Krankheitsverlauf dagegen überwiegend gutartig. Das Nichtansprechen auf die Therapie liegt also eindeutig nicht daran, dass die Borrelien überleben. Der Grund ist vielmehr, dass die Patienten keine Neuroborreliose haben, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf Antibiotika anspricht.

Neu ist außerdem, dass die S3-Leitlinie auch für die Neuroborreliose im Kindes- und Jugendalter gilt. Das ist eine Besonderheit für eine DGN-Leitlinie. Wir haben den gesamten Evidenz- und Konsensprozess auf die Situation bei Kindern ausgeweitet – haben parallel ausgewertet und parallel publiziert. Deshalb waren auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie an der Leitlinienarbeit beteiligt.

Welche Auswirkungen wird die Leitlinie auf die Behandlung von Patienten haben?

Der Evidenzprozess hat die Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie formal auf ein stabiles Fundament gestellt. Die S1-Leitlinie basierte auf Expertenmeinungen, jetzt haben Ärzte und Patienten durch den strukturierten Evidenz- und Konsensprozess ein hohes Maß an Sicherheit gewonnen. Das ist vor dem Hintergrund der öffentlichen kontroversen Diskussion unter Laien, aber auch unter vielen Ärzten sehr wichtig.

Der Streit um die chronische Borreliose zwischen wissenschaftlicher Medizin und Borreliose-Aktivisten, die sich teilweise selbst als „Borrelianer“ bezeichnen, besitzt ja eine weltanschauliche, hochemotionale Komponente. Als die DGN 2012 einen Journalisten für seine hervorragende Reportage über die Kontroverse mit dem Deutschen Journalistenpreis Neurologie geehrt hatte, erreichten den Autor und die DGN unangenehme und bisweilen aggressive Briefe. Der Druck der Borrelianer war so groß, dass der Autor seine Recherchen vor dem Rundfunkrat rechtfertigen musste. Warum ist das Thema derart vermint?

Nun, das Nervensystem ist ein zentraler Bereich des menschlichen Körpers. Die Vorstellung, dass eine chronische Schädigung des Nervensystems das Gesamtbefinden des Menschen nachhaltig beeinträchtigt, ist weit verbreitet und wahrscheinlich auch richtig. Ob das immer etwas mit chronischer Borreliose zu tun hat, ist eine andere Frage. Es gibt aber Menschen, die davon überzeugt sind. Sie glauben, dass die chronische Neuroborreliose schwer oder nicht behandelbar sei und dass eine vermeintliche chronische Infektion das Gehirn, das Rückenmark oder auch das Muskuloskelettsystem krankmacht, was sich in Konzentrationsstörungen, chronischer Müdigkeit, wandernden Schmerzen, Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen und vielen anderen schwer greifbaren Beschwerden äußert. Was ist also der Grund für die Vermutung? Offenbar haben wir beim Thema Gehirn einen gefilterten Fokus. Das heißt, die Aufmerksamkeit richtet sich hier besonders stark auf bestimmte, einzelne Phänomene. In anderen Fachgebieten ist das offenbar weniger ausgeprägt: Die Dermatologen haben kürzlich die Leitlinie „Kutane Lyme Borreliose“ verabschiedet. Interessanterweise gab es da auch eine kontroverse Diskussion, aber nicht annähernd so aufgeheizt wie bei der Neuroborreliose.

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Zeckenbiss mit Spätfolgen? © fotolia/sasel77

Dem Glauben setzen Sie nun wissenschaftliche Fakten entgegen?

Richtig. Die Arbeit an der Leitlinie begann im Frühjahr 2014. Unsere erste Idee war, eine interdisziplinäre S3-Leitlinie Lyme-Borreliose zu entwickeln. Sie sollte alle Bereiche umfassen – also neben der Haut das Nervensystem, die Gelenke und das Herz. Dafür haben wir uns mit Mandatsträgern von sieben Fachgesellschaften zusammengeschlossen. Leider mussten wir feststellen, dass wir für dieses große Vorhaben keine Finanzierung finden. Jetzt ist der Stand, dass wir modulartig vorgehen und die einzelnen Abschnitte, nicht zuletzt aufgrund ihrer Komplexität, bei den jeweiligen Fachgesellschaften belassen. Als Erstes war die S2k-Leitlinie der Dermatologie fertig, diese wird jetzt zur S3-Leitlinie weiterentwickelt. Später soll ein übergeordneter Text die Module verlinken.

Sie haben Finanzierungsschwierigkeiten angesprochen. Woher kam das Geld für die Neurologie-Leitlinie?

Die Finanzierung erfolgte aus Drittmitteln der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg, die für wissenschaftliche Zwecke zur freien Verfügung standen. Damit konnte die Arbeit des wissenschaftlichen Mitarbeiters am Cochrane-Institut finanziert werden. Außerdem hat sich die DGN mit 10.000 Euro an der Finanzierung beteiligt. Dieses Geld wurde für Raummiete, Catering und Moderationshonorar sowie Reisekosten von DGN-Mandatsträgern bei den sechs Konsensustreffen eingesetzt.

Nach welchen Kriterien wurde die Leitliniengruppe zusammengesetzt?

Für den strukturierten Konsensprozess einer S3-Leitlinie brauchen Sie eine schlagkräftige Konsensgruppe, in der alle Fachrichtungen vertreten sind, die mit dem Krankheitsbild zu tun haben. Zusätzlich fordert das AWMF-Regelwerk die Beteiligung von Patientenvertretern. Bei der Leitlinie Neuroborreliose waren Mandatsträger von 20 AWMF-Mitgliedsgesellschaften, dem Robert Koch-Institut, drei Patientenorganisationen und der Deutschen Borreliose-Gesellschaft einbezogen. Mit 22 stimmberechtigten Mandatsträgern und insgesamt 34 Mitgliedern war unsere Leitliniengruppe sehr groß. Sie repräsentiert die wissenschaftliche und die klinische Kompetenz über das gesamte Gebiet der Borreliose.

Wie verlief die Zusammenarbeit?

Hinsichtlich der Diagnostik und Behandlung der akuten Neuroborreliose gab es viele Annäherungen und erheblichen Konsens. Im Hinblick auf die späte Neuroborreliose und vermeintliche latente Langzeitinfektionen gab es zwischen den wissenschaftlichen Fachgesellschaften einerseits und den Patientenorganisationen bzw. der Deutschen Borreliose-Gesellschaft andererseits eine große Kontroverse und großen Diskussionsbedarf. Diese Diskussionen wurden sehr ernsthaft und in der notwendigen Ausführlichkeit geführt. Eine inhaltliche Annäherung konnte bei den meisten Fragen allerdings nicht erzielt werden.

Um welche Punkte drehten sich die Auseinandersetzungen?

Vor allem um die Diagnostik und die Dauer der Behandlung. Am schwierigsten war es bei Krankheitsbildern, bei denen die Wissenschaftler überzeugt sind, dass es sich nicht um chronische Borreliosen handelt, aber die Patientenorganisationen und die Deutsche Borreliose-Gesellschaft sagen: Das sind chronische Borreliosen, und die müssen behandelt werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Große Kontroversen gab es zum Beispiel bei Spätmanifestationen, die nach unserer Einschätzung Raritäten sind, weil die meisten Neuroborreliosen frühzeitig erkannt und fachgerecht behandelt werden. Auch bei latenten Krankheitsbildern mit ganz vielgestaltigen unspezifischen Symptomen, die man gar nicht richtig fassen kann, gehen die Meinungen weit auseinander. Auch halten die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften den sogenannten Lymphozyten-Transformationstest, der bei diffusen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, muskuloskelettalen Schmerzen, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen etc. eine chronische Borreliose nachweisen soll, für nicht aussagekräftig, weil es keine zuverlässige Studie gibt, die zeigt, dass der was bringt. Ein weiterer Punkt ist, dass es chronische Borreliosen geben soll – da werden Inzidenzzahlen genannt von 30 Prozent aller Borreliose-Manifestationen –, die zum Teil keine Antikörper im Blut haben, die seronegativ sind. Das ist mit der Lehre der Infektions-Pathophysiologie nicht vereinbar. Für einen Wissenschaftler entzieht sich diese Argumentation jeglicher Rationale.

Welchen Mehrwert kann es haben, Evidenz zu negieren?

Einerseits gibt es die Gruppe von Betroffenen, die bei den Patientenvertretern ein persönliches Umfeld finden, in dem sie sich aufgehoben und verstanden fühlen. Und vielen geht es vorübergehend durch Antibiotika besser. Die andere treibende Kraft ist, dass es eine ganze Reihe von Ärzten gibt, die sich mit der Borreliose-Diagnostik profilieren können und auch damit Geld verdienen. Manche Borreliose-Spezialpraxen sollen für einen mehrmonatigen Antibiotika-Zyklus bis zu 10.000 Euro verlangen.

Ich will niemandem unterstellen, von dem, was er tut, nicht überzeugt zu sein. Aber wenn diese Überzeugung dazu führt, dass Menschen teilweise wiederholt über mehrere Wochen bis Monate Antibiotika bekommen, wird es gefährlich. Kürzlich ist in den USA – dort gibt es das Problem eventuell noch stärker – eine 30-jährige Frau, die keine Borreliose hatte, durch Antibiotika-Langzeitgabe an einer Katheter-Sepsis verstorben. Auch schwerste Wirbelsäulen- und Knochenentzündungen sind dokumentiert. Solche Beispiele zeigen, wo das hinführen kann.

Die Langzeitantibiose ist nach Auswertung der Studienlage definitiv nicht haltbar. Für diese Sichtweise kann man keine plausible Literatur nachweisen. Auch die Evidenzlage zum Verlauf der Neuroborreliose spricht eine andere Sprache.

Wie haben Sie trotz der Auseinandersetzungen in der Leitliniengruppe einen Konsens gefunden?

Die Auseinandersetzungen sind nicht gelöst. Wir haben Dissensberichte der Patientenvertreter und der Deutschen Borreliose-Gesellschaft in den Leitlinienreport aufgenommen.

Um den S3-Status für die Leitlinie zu erreichen, mussten die Diskussionen mit Vertretern kontroverser Sichtweisen ausführlich geführt werden. Diesem Prozess haben wir uns gestellt. Wir haben zum Beispiel eine ganztägige Konsenskonferenz in der Steuergruppe ausschließlich den Patientenorganisationen und der Deutschen Borreliose-Gesellschaft gewidmet, haben versucht, zu erklären, wo wir stehen, und uns alle Gegenargumente angehört. Vorangekommen sind wir allenfalls minimal. Obwohl die Evidenz erdrückend ist.

Ich persönlich habe gelernt: Es ist notwendig, auch wenn am Schluss nicht die Einigung steht, dass man den ernsthaften Versuch macht, die Auseinandersetzung zu führen und irgendwie zusammenzukommen. Schade finde ich, dass einige uns dennoch absprechen, ernsthaft diskutiert zu haben. Aber wir können die ganzen Abläufe jetzt zumindest formal belegen.

Die Leitlinie soll international publiziert werden. Denken Sie, sie wird in andere Länder ausstrahlen?

Als Leitlinie besitzt die Publikation nur in Deutschland und im deutschsprachigen Raum Gültigkeit. Vor einem deutschsprachigen Gericht hat eine S3-Leitlinie einen sehr hohen Stellenwert. Das bedeutet, dass den Gerichtsgutachtern nun eine fundierte Argumentationshilfe zur Verfügung steht, die einer sachlichen Urteilsfindung dienen soll. Nichtsdestotrotz können sich Ärzte und Patienten weltweit an den Empfehlungen orientieren, denn sie basieren ja auf internationalen wissenschaftlichen Daten.

Interview: Nina Buschek

„Wir sind Neurologie.“: OSKAR – das Bild

Nachwuchsförderung ist der DGN eine Herzensangelegenheit – offensichtlich fröhlich vermitteln die beiden Protagonisten Oskar und DGN-Geschäftsführer Dr. Thomas Thiekötter diese Botschaft auf dem Foto der Kampagne Wir sind Neurologie. Thomas Thiekötter hat mit einem Augenzwinkern aufgeschrieben, warum das Fotoshooting mit dem noch etwas verschlafenen Kleinkind sich zeitweise nah am Abgrund bewegte, weshalb Oskar auf dem Kampagnenfoto wirklich so strahlt und wieso der DGN-Geschäftsführer mit Bananenbreispuren auf dem Anzugrevers nach Hause gehen durfte.

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Neurologie macht Spaß – daran lassen die beiden Kampagnenbotschafter Oskar und DGN-Geschäftsführer Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter keinen Zweifel! © DGN/M. Tedeskino

Berlin, 28. April 2017.

… und Oskar schläft. .… Wie kann man nur so tief schlafen? Aber Kleinkinder können das ja, komplett entrückt, im Moment keine Verbindung zu dieser Welt. Das Ganze im Kindersitz, umhüllt von einem etwas betagten Alfa Romeo, der augenscheinlich Teile des Kinderzimmers und zwei Begleitpersonen fassen kann.

Adresse: WE Studio, Josef-Orlopp-Straße 54–56, Hinterhof, 4. OG, Berlin-Lichtenberg.

Personal: Oskar, schlafend; Mutter desselben nebst weiblicher Begleitperson sowie der Unterzeichner.

Vorhaben: sog. Fotoshooting für die DGN-Kampagne Wir sind Neurologie., mit Fotograf Markus Tedeskino nebst Crew.

Schön, dass Oskar & Co. gekommen sind, da stehe ich nicht so alleine vor einem großen hohen Maschendraht-Tor, welches mittig, beide Torflügel unauflöslich verbindend, ein massives Kettenschloss ziert; ein großer verrosteter Briefkasten hängt auch noch daneben und bestätigt uns die Korrektheit der Adresse. Hinter dem Tor etwas, was man wohl Industriebrache nennt, aber immerhin alte Lagerhäuser – eher die Szenerie für einen Krimi oder die Freilichtaufführung einer modernen Oper. Die Mutter des Knaben, Neurologin in Weiterbildung, ist wohl kritische Einsätze gewöhnt: Anruf in München bei unserer Pressestelle, Telefonnummer des Fotografen, danke, Telefonat mit dieser Nummer, Mitteilung, dass Zugang zum Gelände nur einen Block weiter bei Hausnummer 23 möglich, dort bitte per Handy die Schranke anwählen, wieder eine Telefonnummer, Auto abstellen, zu Fuß weiter. Das klappt alles, und wir befinden uns selbviert auf einem großen alten Industriegelände – vorwiegend roter Backstein – mit vielen Eingangstüren oder Toren. Über sehr altes Kopfsteinpflaster zu Fuß – gleiches Personal wie oben – Oskar, schlafend im Schalensitz, welcher von der Frau Mutter getragen wird. In weiter Ferne Mann auf Treppe, winkend; der Fotograf. Es tut ihm alles sehr leid mit der komischen Adresse; er hat selbst suchen und überdies dann feststellen müssen, dass es im alten Lagerhaus keinen Aufzug gibt; sie haben die ganze Studioausrüstung in den vierten Stock geschleppt. Nun also auch Oskar nebst Begleitmaterialien wie Flasche, Bananen, Windeln (Danke!) und was man eben als Vollversorger so bieten sollte. Vier sehr hohe Stockwerke mit steiler Treppe können lang werden, zumal mit ungünstig verteiltem Marschgepäck von locker über 20 Kilo Gesamtgewicht. Da schnauft die ansonsten gut trainierte Dr. F. doch ein wenig und wuchtet Oskar endlich in einem etwas dunklen Vorraum zum Studio mit seinem Sitz auf ein dort stehendes Sofa.

Im Studio wird verstärkt aufgebaut; Scheinwerfer, Reflektorschirme, verschiedene Sitzgelegenheiten für unterschiedliche Persönlichkeiten und Körpermaße, Teppichboden; PC und Kamera werden justiert und fertiggemacht, unterdessen macht sich die Visagistin über ihr erstes Opfer her, welches noch von den Strapazen des Aufstiegs gezeichnet ist.

Und Oskar schläft … draußen vor der Tür im Halbdunkel unter den Augen von Begleitperson 2. Kurze Lagebesprechung mit Herrn Tedeskino: „Machen wir erst einmal ein paar Einzelaufnahmen zum Aufwärmen“; ein paar zarte Pinselstriche der Visagistin in meinem Gesicht – der anschließende Blick in den Spiegel ergibt nichts Auffälliges. Die nun folgende Sitzung zeigt mir, dass hier gearbeitet wird, auf beiden Seiten, mit Kopf und mit Körper. Lächeln auf Kommando kann ich einfach nicht. „Zeigen Sie doch einfach mal Ihr sardonisches Pariser Lächeln“, sagt das „Off“. Mein was? Ich muss wirklich lachen; Blitzlichtgewitter, Klicken der Blende wie schneller Pulsschlag – na bitte, geht doch.

Jetzt wird es aber ernst, und wir beschließen, Oskar so langsam in diese Welt herüberzuholen. Dies geschieht denn auch sehr behutsam, aber nachdrücklich, und man kann sehen, wie er sprichwörtlich „nach oben“ auftaucht, aus einer Tiefe, die uns Alten kaum noch erinnerlich ist, und das kann, wie beim richtigen Tauchen, durchaus etwas dauern.

Die Augen sind auf, fixieren, erkennen, kleine Arme strecken sich aus; Gurte lösen, da ist er: freundlich wie immer, wenn wir uns begegnen, denn Oskar und ich, wir schätzen einander, von Anfang an.

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Auf Kommando lachen? Für Oskar kein Problem – sofern Mama Dr. Christiana Franke lustige Grimassen schneidet. © DGN/M. Tedeskino

Jetzt nähern wir uns – er noch etwas abwesend – dem Fleck hellen Lichts, Eingang zum Tatort; ob das wohl gutgeht? Natürlich nicht. Vom Dunkel ins Gleißende, von Schlaf-Modus in summende, sich bewegende Aktivität, kurze Anweisungen, Blitz, da die Mama. Mund öffnet sich zum Rechteck, es weint, die Arme lösen sich, weisen in die eine Richtung, die Muskulatur spannt sich. Wer schon mal versucht hat, dem Strandvogt auf der Insel bei Bergung und Abtransport eines „Heulers“ zu helfen, weiß, was für ungeheure Kräfte da frei werden; im vorliegenden Falle hilft nur, dem Wunsch unmittelbar zu entsprechen.

Nach Eingewöhnung und Betankung (Flüssigkeit sowie Banane), des Weiteren einem Intensiv-Schaukelprogramm durch die Mama werden wir gelassener. Herr Tedeskino ruft, ruhig aber bestimmt, er behält sein Ziel im Auge, sehr warmherzig und unerbittlich. Wir betreten die Bühne des Geschehens, Oskar ist sich noch nicht über seine Stimmung im Klaren, jedoch die Leute, das Gewusel, das Drumherum sind schon sehr interessant und helfen, schnell die Trennung von der „Heimatbasis“ zu überwinden.

Wir stehen nun auf der Bühne – d. h., ich stehe, und Oskar sitzt auf meinen Hüftknochen – gut, dass es weiche Windeln gibt –, das Licht wird optimiert, die Kamera eingestellt, die später vom PC aus angesteuert wird, fertig. Oskar und ich wissen gerade beide nicht genau, was das wird, und halten uns etwas aneinander fest. Das Revers meines neuen Anzugs (Erstauftritt) ziert nun ein deutlicher gelber Streifen Banane – wo kommt der denn jetzt her? „Das geht mit Photoshop weg“ kommt von vorne; da bin ich aber beruhigt. Oskar weiß immer noch nicht ganz genau, ob nicht doch lieber „Mami“? Letztere kennt ihren Sohn, und hinter der Kamera geht etwas los, was Oskar und mich gleichermaßen in Begeisterung versetzt: Mutter, Visagistin und Pressebüro führen hinter dem sehr konzentrierten Herrn Tedeskino einen irren wellenartigen Tanz auf, wedeln lianenartig mit den Armen in der Luft herum, unverständliche Laute dringen zu uns, wir alle haben auf einmal Spaß zusammen, Oskar zeigt mit dem Finger auf seine Mama, die so lustige Sachen macht, wir juchzen laut voller Freude: KlickKlickKlickKlick; Freude auch bei Herrn Tedeskino und seiner Crew: „Im Kasten“ – das Bild.

Thomas Thiekötter, Berlin

Wegweiser Nachwuchsförderung

Der Nachwuchs steht ganz oben auf der Agenda der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Mit ihrem Mentorenprogramm für Assistenzärzte, der Summer School für Medizinstudenten, Stipendien, Preisen und zahlreichen anderen Maßnahmen unterstützt die medizinische Fachgesellschaft junge Mediziner als Karrierecoach in allen Phasen auf ihrem Weg in die Neurologie. Jedes DGN-Mitglied kann einen Beitrag zum Erfolg des Nachwuchsprogrammes leisten.


Mentorenprogramm für Assistenzärzte

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Mentee Yassir Al-Zuraiqi (l.), Assistenzarzt in Würzburg, profitiert im Mentorenprogramm der DGN von der klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung seines Mentors Prof. Dr. Martin Kerschensteiner, München. © DGN/M. Tedeskino

Das Mentorenprogramm der DGN und der Jungen Neurologen unterstützt neurologische Assistentinnen und Assistenten in besonderer und exklusiver Weise dabei, ihre klinische und wissenschaftliche Laufbahn zu verfolgen. Die DGN hat für das Programm erfahrene Neurologinnen und Neurologen in direktem Kontakt ausgewählt: Ordinarien, Chefärzte und Praxisinhaber, die über große klinische und wissenschaftliche Erfahrung verfügen und in der Welt der Neurowissenschaften international sehr gut vernetzt sind.


Bewerber für das Mentorenprogramm sollten ihre neurologische Weiterbildung bereits begonnen haben (oder sich in Forschungsabschnitten befinden). Die Zuordnung der von der DGN und den JuNos ausgewählten Mentees orientiert sich an der räumlichen Nähe zwischen Mentor und Mentee. Alter, Geschlecht, neurologisch-fachliche Schwerpunkte sowie politische und konfessionelle Zugehörigkeit spielen keine Rolle. Auch der Faktor Geld ist unerheblich: Das Mentorenprogramm ist für die Mentees kostenfrei, die Mentoren engagieren sich ehrenamtlich.


Summer Schools für Medizinstudierende

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Neurologie zum Anfassen: Teilnehmer der Summer School Kiel. © H. Hellriegel/Junge Neurologen

2008 startete die erste Summer School als Pilotprojekt in Köln. Seitdem ist das Summer-School-Angebot stetig gewachsen, und die Jungen Neurologen können in Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland regelmäßig Veranstaltungen anbieten. Die Summer Schools richten sich an Studierende höherer Semester, PJler und junge Assistenzärzte und sind eine Möglichkeit, die Neurologie als spannendes Fach für sich zu entdecken oder ein bestehendes Interesse weiter zu vertiefen.
Während der Summer Schools wird den Teilnehmern durch Vorträge, praktische Eindrücke und spannende Diskussionen ein rundes Bild der Neurologie vermittelt. Angefangen bei wichtigen Krankheitsbildern über den gegenwärtigen Stand der Forschung bis hin zu ethischen Fragestellungen bereiten renommierte Wissenschaftler und erfahrene Kliniker die interessantesten Themen auf. Die Demonstration neurologischer Untersuchungsmethoden und Tipps für den klinischen Alltag sorgen außerdem dafür, dass die Veranstaltung nicht nur trockene Theorie bleibt.


Besondere Praxisnähe bietet die stark nachgefragte Clinical Summer School. Bei dieser Summer School verteilen sich die Teilnehmer nach drei Tagen Teaching auf verschiedene Krankenhäuser und erhalten dort ein intensives Training am Krankenbett.


Stipendien und Preise

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Laura de Boni, hier mit Prof. Dr. Gereon R. Fink (l.) und Prof. Dr. Martin Südmeyer (r.), erhielt auf dem DGN-Kongress 2017 die diesjährige Thiemann-Fellowship verliehen – einen von mehreren Förderpreisen, die die DGN an Nachwuchswissenschaftler vergibt. © DGN/Hauss

Seit 2012 vergibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie zum jährlich stattfindenden DGN-Kongress Reisestipendien für Studierende (derzeit 150), bevorzugt im PJ. Leitende Neurologen als Paten können das Stipendium mit jeweils 100 Euro unterstützen, den Rest übernimmt die DGN.


Im Rahmen der DGN-Kongresse werden auch die Erstautoren akzeptierter Abstracts aus speziell für die Nachwuchsförderung zur Verfügung gestellten Mitteln gefördert. Für Abstract-Erstautoren mit Jahrgang 1985 und jünger wird die Kongressgebühr übernommen, und sie erhalten eine Hotel- und Reisekostenpauschale in Höhe von 250 Euro.


Die Stiftung Felgenhauer zur Förderung junger Neurowissenschaftler gewährt Assistenten neurologischer/psychiatrischer Kliniken bis 30 Jahre pro Einzelfall bis 3000 Euro, insbesondere für kurze Studienaufenthalte in einem angesehenen Labor des In- und Auslandes oder für die Teilnahme an wissenschaftlich hochkarätigen Tagungen im Ausland, wenn eigene Forschungsergebnisse präsentiert werden.


Der Multiple-Sklerose-Preis der Eva und Helmer Lehmann-Stiftung (DGN und KKNMS) richtet sich an junge Wissenschaftler bis 35 Jahre. Der Nachwuchsforschungspreis für originelle Forschungsarbeiten ist mit 5000 Euro dotiert.


Die Thiemann-Fellowship in der DGN ermöglicht einer besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerin oder einem besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftler aus der Parkinson-Forschung, an einer Universität oder einem ausgewiesenen Forschungszentrum im In- oder Ausland einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieser neurodegenerativen Krankheit zu leisten. Die maximale Summe des projektgebundenen, jährlich vergebenen Förderpreises beträgt 50.000 Euro und ist auf ein Jahr begrenzt, die Bewerberinnen und Bewerber dürfen nicht älter als 40 Jahre sein.


Dein Tag in der Neurologie für Medizinstudierende

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Schon angesteckt? Mit diesem Flyer werben die Jungen Neurologen für die Aktion „Dein Tag in der Neurologie“. © DGN

Im Jahr 2010 haben die Jungen Neurologen die Aktion „Dein Tag in der Neurologie“ ins Leben gerufen – einen Praxistag, der von Kliniken für Medizinstudierende veranstaltet wird. Das Ziel: Studierende für das Fach begeistern und für die spätere Arbeit in der neurologischen Abteilung gewinnen. Mit dieser Initiative der Jungen Neurologen erhalten angehende Mediziner die Chance, einen ganzen Tag lang live auf Station dabei zu sein, Neurologen bei ihrer Arbeit auf die Finger zu schauen, unkompliziert in dieses dynamische Fachgebiet zu schnuppern und die Neurologie besser kennenzulernen. Jeder leitende Neurologe kann in seiner Klinik einen Tag in der Neurologie initiieren. Bei der Organisation unterstützen die Jungen Neurologen.


Stellenmarkt für Ärzte in Weiterbildung

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Der Stellenmarkt Neurologie auf dem DGN-Kongress 2017. © DGN/Hauss

Im Stellenmarkt für Neurologie finden Ärzte in Weiterbildung in Kliniken, Praxen, medizinischen Forschungszentren und Forschungseinrichtungen aktuelle Stellenangebote und Jobs aus der Neurologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in weiteren europäischen Ländern. Weitere Informationen: www.stellenmarkt-neurologie.de


DGN-Kongress

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Forschung für alle: die Posterführung der Jungen Neurologen auf dem DGN-Kongress 2017. © DGN/Hauss

Der jährliche Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist das größte Nachwuchsforum für Neurologie. Leitende Neurologen können ihrem talentierten Nachwuchs den Kongressbesuch mit einem Reisestipendium der DGN ermöglichen. Die Jungen Neurologen organisieren mit Unterstützung der DGN ein umfangreiches eigenes Vortrags- und Workshop-Programm für Medizinstudierende, PJler und Assistenzärzte: mit Tipps für Kongressneulinge, praktischen Anleitungen für Berufsanfänger, spannenden Vorträgen und Workshops rund um Beruf und Karriere in Klinik und Forschung. Der JuNo-Infostand und der „Social Club“ zum Kongressauftakt bieten die Möglichkeit zum Kennenlernen und Kontakteknüpfen. Auf www.dgnkongress.org finden Berufsanfänger online das gesamte Programm der Jungen Neurologen.


Weitere Informationen unter www.dgn.org/nachwuchs und www.junge-neurologen.de


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3. NS-Symposium: „Den Stachel im Fleisch lassen“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
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„So etwas darf nie wieder geschehen“: Prof. Dr. Martin Grond will, dass die Erinnerung an Persönlichkeiten, die sich mit dem NS-Regime arrangiert haben, präsent bleibt. © DGN/ Hauss

die Diskussion um die NS-Vergangenheit bekannter deutscher Neurologen innerhalb der DGN ist in vollem Gange. Im März 2017 fiel der Startschuss für den zweiten Teil des 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie initiierten Forschungsprojekts zur Rolle der Neurologie im Nationalsozialismus. Bis 2019 werden die Medizinhistoriker Prof. Axel Karenberg, Köln, Prof. Heiner Fangerau und Dr. Michael Martin, Düsseldorf, im Auftrag der DGN Licht in das Dunkel der „Unklaren Lebenswege von Neurologen im Nationalsozialismus“ bringen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen zunächst Neurologen und Neurowissenschaftler, die während der NS-Zeit in Deutschland geblieben sind und die Präsidenten, Ehrenpräsidenten oder Ehrenmitglieder der DGN waren. Drei typische Vertreter – Walther Birkmayer, Peter E. Becker und Oswald Bumke – haben die Medizinhistoriker im September 2017 auf dem 90. DGN-Kongress in Leipzig auf einem Symposium vorgestellt.


Auf dem 91. DGN-Kongress 2018 in Berlin sollen dann die Lebenswege der Neurologen Max Nonne, Otfried Foerster, Georg Schaltenbrand und Heinrich Pette präsentiert werden. Ab 2019 schließlich werden Prof. Fangerau, Dr. Martin und Prof. Karenberg jene Neurologen und Neurowissenschaftler in den Blick nehmen, die während der NS-Zeit vertrieben und ermordet worden sind.


Wir werden weiterdiskutieren, vor allem darüber, wie wir in der DGN mit den Erkenntnissen der Historiker umgehen sollen. Dem Präsidium und den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Neurologie kann es nicht genügen, herauszufinden, welche unserer ehemaligen Präsidenten, Ehrenpräsidenten und Ehrenmitglieder Nationalsozialisten waren, um sie dann aus dem Gedächtnis zu streichen. Ein denkbarer Weg wäre, Preise und Straßen zwar umzubenennen, ihre Geschichte aber mitzuliefern und präsent zu halten, wann immer dies möglich ist: indem wir sie unter jeden Straßennamen schreiben und bei jeder Preisverleihung erzählen. So bleibt mit den Worten Heiner Fangeraus „der Stachel im Fleisch“. Lassen Sie uns die Erinnerung wachhalten!


Martin Grond, Siegen

Das erste Folgeprojekt „Unklare Lebenswege von Neurologen im Nationalsozialismus“ des 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie initiierten Forschungsprojekts zur Rolle der Neurologie im Nationalsozialismus fokussiert 20 bis 25 Persönlichkeiten, die während der NS-Zeit in Deutschland verblieben und die Präsidenten, Ehrenpräsidenten oder Ehrenmitglieder der DGN geworden sind. Die Karrierewege der Neurologen Oswald Bumke, Walther Birkmayer und Peter Emil Becker sind beinahe prototypisch für den Umgang deutscher Neurologen mit dem NS-Regime. Auf dem 90. DGN-Kongress in Leipzig stellten wir deshalb diese drei Persönlichkeiten in den Mittelpunkt: Wir schilderten, wie sich die drei Wissenschaftler und Ärzte mit dem NS-Regime arrangierten und in der Nachkriegszeit ihre Karriere fortsetzen konnten.

Walther Birkmayer: überzeugter Nationalsozialist mit Nachkriegskarriere

1982 ernannte die DGN den österreichischen Nervenarzt Walther Birkmayer (1910–1996) zu ihrem Ehrenmitglied – also vor 35 Jahren und damit deutlich nach der Zeit, die hier eigentlich diskutiert werden soll. Seine Ernennung und deren mögliche Neubewertung zeigen exemplarisch, dass die Ereignisse der 30er- und 40er-Jahre bis in die jüngste Vergangenheit nachwirken. Walther Birkmayer ist weithin bekannt als Mitentdecker der L-DOPA-Therapie. Er hat maßgeblich an der modernen Parkinson-Therapie und damit auch am Wandel vom therapeutischen Nihilismus hin zum therapeutischen Optimismus in der Neurologie mitgewirkt.

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Eindrucksvoll belegte Prof. Dr. Axel Karenberg zu Beginn des NS-Symposiums, dass der österreichische Neurologe Walther Birkmayer zumindest bis 1939 ein überzeugter Nationalsozialist war. © DGN/ Hauss

Der Lebensweg solch anerkannter Persönlichkeiten ist in neurologischen Veröffentlichungen zwar gut dokumentiert[1]; aber diese Dokumentation ist hinsichtlich der NS- und Nachkriegszeit oft lückenhaft, irreführend, beschönigend – oder alles zusammen. Dies gilt für viele Neurologen, und es erklärt, warum eine historische Untersuchung wie die vorliegende so zeitraubend ist: weil man dem Gedruckten nicht glauben kann, alles im Archiv prüfen und am besten doppelt und dreifach absichern muss.

Immerhin geben zwei Publikationen verklausulierte Hinweise zu Birkmayers Involviertheit in den Nationalsozialismus: Sie relativieren sein Verhalten während der NS-Zeit als „Versagen der Urteilskraft“[2], als gewissermaßen zeittypisch und als „Fehler, den er später bereut hat“[3]. Birkmayer selbst schreibt in einer kurzen, 1969 publizierten Autobiografie: „Mein persönliches Gastspiel bei der NSDAP war relativ kurz und dauerte nur bis zum Herbst 1939.“[4] Decken sich diese Aussagen mit der historischen Realität?

Hitler persönlich macht sich für Birkmayer stark

Dokumente und Quellen, die vor allem die Historiker Herwig Czech und Lawrence A. Zeidman in einem materialreichen Aufsatz zusammengetragen haben[5], belegen: Birkmayer gehörte mehrere Jahre lang diversen NS-Organisationen wie SA, NSDAP und SS an. Diese Tatsache lässt sich schwer mit der Aussage des „relativ kurzen Gastspiels bei der NSDAP“ vereinbaren. Ebenso wenig sind die rassenhygienischen Forderungen, die Birkmayer mehrfach vorgetragen, veröffentlicht und verteidigt hat, mit einem kurzfristigen „Versagen der Urteilskraft“ vereinbar. Vielmehr weisen die bisherigen Recherchen auf einen, um es mit Birkmayers eigenen Worten zu sagen, „fanatische(n) Jünger“[6] der NS-Ideologie und einen Adepten eugenisch-sozialhygienischer Denk- und Handlungsweisen hin, der zumindest auf neurologischem Gebiet in seinen Forderungen deutlich über die Parteilinie hinausging.[7]

Als die NS-Bürokratie Birkmayers jüdische Großmutter entdeckte, bedeutete dies für seine Karriere einen herben Rückschlag. Gleichzeitig löste die Nachricht seiner jüdischen Abstammung eine Welle von Interventionen aus: Gauärzteführer, der NS-Ärztebund, der lokale Präsident des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes (NSDDP) und andere einflussreiche Persönlichkeiten rühmten Walther Birkmayer unisono als überzeugten und standfesten Nationalsozialisten. 1941 griff Hitler persönlich ein: Der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht genehmigte, dass Birkmayer „weiter als Vorgesetzter verwendet und befördert werden“ könne, und stellte sogar eine „Gleichstellung mit deutschblütigen Personen“ in Aussicht.[8] Ein ähnlich herausragendes Dokument ist bisher für keinen anderen Neurologen nachweisbar.

Birkmayer gab später an, durch die „Ent-Arisierung“ seiner Person und seine Kriegserlebnisse zu einem Gegner des NS-Regimes geworden zu sein, Kollegen und Patienten gewarnt und geschützt zu haben. Ob die innere Abkehr vom NS-Denken wirklich vor 1945 stattgefunden hat, ist nicht sicher festzustellen. In einem Sondergerichtsprozess gegen einen Kranken kurz vor Kriegsende vertrat der Nervenarzt jedenfalls eine harte Haltung, die für den Angeklagten den Tod hätte bedeuten können.

„Im Laufe der Jahre ließ sich alles arrangieren“

Nach Kriegsende wurde Birkmayer von den Amerikanern für 14 Tage in Haft genommen und 1946 von der Universität ausgeschlossen.[9] Die folgenden Jahre stellten einen komplizierten Prozess der Entnazifizierung dar. Letztlich gelang es ihm, sich als Opfer des Nationalsozialismus darzustellen, ein andauerndes Berufsverbot zu vermeiden und einer möglichen Haftstrafe zu entgehen. In den Verfahren tauchten durchaus entlastende Angaben auf: Er habe Kollegen vor politisch riskanten Handlungen gewarnt und Patienten seines Lazaretts vor einem erneuten Fronteinsatz bewahrt. Überprüfbar ist davon leider wenig bis nichts.

Von der damals in Österreich herrschenden „Schlussstrich-Mentalität“ profitierte auch Walther Birkmayer oder, wie er es selbst ausdrückte: „Im Lauf der Jahre ließ sich alles arrangieren.“[10] Mit gereinigter Publikationsliste erreichte er 1954 an der Wiener Fakultät die Habilitation,[11] im gleichen Jahr wurde er Chefarzt der Neurologischen Abteilung des Alterskrankenhauses von Wien-Lainz. 1963, zwei Jahre nachdem er der L-DOPA-Therapie mit zum Durchbruch verholfen hatte, erhielt er eine Professur an der Universität Wien, später die Leitung des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Neurochemie und zudem viele Ehrungen und Auszeichnungen, darunter auch die Ehrenmitgliedschaft der DGN.

Gibt es Anzeichen für eine echte Auseinandersetzung Birkmayers mit seiner NS-Vergangenheit? In seiner autobiografischen Skizze jedenfalls nicht. Auch sonst ist wenig überliefert, was darauf hindeutet – vielleicht mit einer Ausnahme: 1964 wurde Birkmayer in einem Zeitungsartikel beschuldigt, ein ideologischer Vorreiter der sogenannten Euthanasie gewesen zu sein. In einem Antwortschreiben weist er den Vorwurf zurück – bisher gibt es in der Tat keine Belege dafür. Birkmayer spricht hinsichtlich seiner früheren Propagierung der Zwangssterilisation von einem „Irrtum“, wie sich bei „zunehmender Reifung meiner Persönlichkeit“ herausgestellt habe.[12] Die freiwilligen Sterilisationen dagegen verteidigt der Arzt weiterhin. Seine abschließende Selbstcharakterisierung als „Unbeteiligter“ entspricht, wie wir nun wissen, nicht den Tatsachen.

Schmaler Grat zwischen moralischem Rigorismus und unangemessenen Exkulpationstendenzen

Ein Lebensweg wie der des erfolgreichen Wissenschaftlers Walther Birkmayer weist Brüche auf, die allen Neurologinnen und Neurologen einen radikalen Wechsel der fachinternen Erinnerungskultur zumuten. Neben die überlieferten Lebensläufe setzen wir Bilder politisch opportunistisch und moralisch fragwürdig handelnder Ärzte; auch Bilder, die bislang strahlende Persönlichkeiten in Momenten der Schwäche, der Anpassung, ja des Fehlens offenbaren. Bei der rückblickenden Beurteilung dieser Kollegen liegt ein schmaler Grat zwischen moralischem Rigorismus auf der einen und unangemessenen Exkulpationstendenzen auf der anderen Seite. Der Lebensweg Walther Birkmayers zum Beispiel ist und bleibt nicht einfach zu bewerten.


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Peter Emil Becker: Eugeniker, Muskelforscher und Historiker der Rassenhygiene

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Peter Emil Becker im Jahr 1985. © Foto aus: L. A. Zeidman, D. Kondziella. Peter Becker and His Nazi Past. Journal of Child Neurology 2014; 29: 514 – 519. doi:10.1177/0883073813482773.

Wie sehr die nachträgliche Einschätzung einer Persönlichkeit vom Zeitgeist abhängt, zeigt auch die Bewertung des DGN-Ehrenmitglieds Peter Emil Becker (1908–2000), der heute für die von ihm beschriebene Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener bekannt ist. Noch 1998 benannte die Gesellschaft für Neuropädiatrie einen Preis nach ihm. Im Jahr 2015 weigerte sich die Preisträgerin Linda de Vries, deren nahe Verwandte Holocaust-Opfer waren, diesen Preis anzunehmen. Die Gesellschaft für Neuropädiatrie benannte daraufhin den Preis um, denn ein Wissenschaftler, der wie Becker in die NS-Ideologie und die Verbrechen des Nazi-Regimes verstrickt gewesen sei, kam für sie als Vorbild und Namensgeber eines wissenschaftlichen Preises nicht mehr in Frage.[13]

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Prof. Dr. Heiner Fangerau skizzierte den Lebens- und Karriereweg Peter E. Beckers, den er als prototypischen Mitläufer beschrieb. © DGN/Hauss

War Becker tatsächlich ein „Täter“? Eher nicht, aber wohl ein typischer Mitläufer des nationalsozialistischen Regimes. Becker hat seine wissenschaftliche Karriere in der NS-Zeit begonnen und erhielt im Jahr 1933 die Approbation. Nach seiner Facharztausbildung für Neurologie und Psychiatrie war er von 1936 bis 1938 Assistent von Fritz Lenz am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie und Eugenik. Danach arbeitete er in der Erbbiologischen Abteilung der Universitätsnervenklinik Freiburg im Breisgau im Fachgebiet Muskeldystrophie. Becker trat 1933 in die SA ein und wurde 1938 Mitglied der NSDAP. In einem autobiografischen Bericht im American Journal of Medical Genetics beschreibt er sich 1985 als politisch desinteressiert, gibt an, dass ihm befohlen worden sei, der SA beizutreten, und berichtet von seiner Tätigkeit am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, Menschliche Erblichkeitslehre und Eugenik in den Jahren 1936–1938. Vor allem seine Arbeit mit Fritz Lenz, seinem späteren Vorgänger auf dem Humangenetik-Lehrstuhl in Göttingen nach dem Krieg, findet hier Erwähnung. Diese Zusammenarbeit sei frei von Politik gewesen. Seine NSDAP-Mitgliedschaft erwähnt er aber nicht. Im Gegenteil gibt er an, nie Parteimitglied gewesen zu sein.[14] Im Jahr 2013 nahmen zuerst Frank Hill[15] und 2015 ausführlicher Lawrence A. Zeidman und Daniel Kondziella[16] dieses Verschweigen zum Anlass, nach der Rolle Beckers im Nationalsozialismus zu fragen und die Gründe für das „Vergessen“ der Mitgliedschaft zu thematisieren.

Der Entnazifizierungsbescheid stuft ihn als Mitläufer ein[17]: Becker habe keine Uniform getragen, sei nicht politisch aktiv gewesen und habe sich wiederholt kritisch über das NS-Regime geäußert. Einige Unstimmigkeiten und Widersprüche bleiben. In seinen Publikationen vertritt Becker zuweilen Standpunkte der Eugenik, zumindest theoretisch. Etwa 1939 in einem „Beitrag zur psychiatrischen Begutachtung der Ehetauglichkeit“, in dem er andererseits aber in einer Begutachtung einem erblich vorbelasteten Menschen am Ende ein „positives“ Ehezeugnis ausstellt.[18] Gleichzeitig bietet der Umstand, dass er eben in den Jahren nach 1933 zur Vererbung arbeitete, Anlass zu Überlegungen, die ihn näher an den Nationalsozialismus rücken, als er es tatsächlich war. Im Referateteil der Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin tritt er zum Beispiel 1940 unter der Rubrik „Vererbungswissenschaft und Rassenhygiene“ mit einer kurzen Rezension in Erscheinung. In der gleichen Rubrik und im gleichen Heft auf der folgenden Seite publizierte auch Herbert Linden, der federführend in die Planung und Durchführung des Patientenmords involviert war, ein Kurzreferat.[19] Hill bemerkt diese verstörende Verbindung[20], die aber beim Blick in die rezensierten Werke nicht über nebeneinanderstehende Besprechungen von thematisch miteinander in Verbindung stehenden Arbeiten herausragt.

Anders als Walther Birkmayer hat sich Peter Emil Becker nach dem Krieg intensiv mit der NS-Zeit und seiner nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt, wenngleich er hier und da autobiografische Lücken ließ wie sein aktives Verneinen der Parteimitgliedschaft. Dieses Vergessen, Verschweigen, Nicht-Erinnern-Wollen ist relativ typisch für die Mitläufer des Nazi-Regimes. Immerhin legte Becker aber in seinem autobiografischen Beitrag im American Journal of Medical Genetics offen, dass er 1933 in die SA eingetreten war. In den Jahren 1988 und 1990 publizierte der Neurologe, Psychiater und Humangenetiker ein viel beachtetes zweibändiges Buch zur Geschichte der Rassenhygiene, in dem er sich anhand von Biografien aktiv mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus und dessen Herkunft und Wirkung auseinandersetzte.[21] Sowohl in seiner autobiografischen Skizze als auch in seinem Buch findet er selbstkritische Worte. So schreibt Becker über seine Mitgliedschaft in der SA: „Since dismissal from the SA would have made completion of training and a teaching career impossible, I must confess to being an opportunist in that respect.” Becker gab also zu, ein Opportunist gewesen zu sein. Gleichzeitig hoffte er, seine historische Betrachtung könne helfen, eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Daneben sollte sie auch dazu dienen, die Humangenetik in Deutschland als neue, von der Rassenhygiene unterscheidbare, unbelastete Disziplin zu präsentieren.[22] Eine Sichtweise, die zumindest aus historischer Perspektive auf personelle und ideelle Kontinuitäten und Diskontinuitäten für die früheren Jahre der Bundesrepublik zu hinterfragen ist.


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Oswald Bumke – Schweigen als Widerstand?

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Oswald Bumke. © Foto aus: Der Nervenarzt 3/2008: Bumke O. (1952) Erinnerungen und Betrachtungen. Der Weg eines deutschen Psychiaters. Pflaum, München.

Nach dem Medizin-Studium und der Promotion wurde Oswald Bumke (1877–1950) im Jahr 1901 Assistent an der Psychiatrischen und Nervenklinik Freiburg und arbeitete dort von 1906 bis 1913 als Oberarzt. Nach Ordinariaten in Rostock (1914), Breslau (1916) und Leipzig (1921) wurde er im Jahr 1924 Nachfolger Emil Kraepelins auf dem Psychiatrie-Lehrstuhl in München und zugleich Leiter der Nervenklinik. Beide Funktionen übte er bis 1946 aus. Sein „Lehrbuch der Geisteskrankheiten“ (1919) wurde zum Standardwerk. Es erschien 1947 in der siebten Auflage. Als Mitherausgeber des „Handbuchs der Neurologie“ (1935–1937) und des „Handbuchs der Geisteskrankheiten“ (1928–1939) war er einflussreich an zwei zeitgenössischen Großprojekten beteiligt.

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Schweigen als Form des Widerstands? Dr. Michael Martin hat untersucht, wie sich Oswald Bumke mit dem NS-Regime arrangiert hat. © DGN/Hauss

Wie sah nun Bumkes Haltung zum Nationalsozialismus aus? Wie hat er sich in dieser Zeit verhalten? Im Jahr 1933 war Oswald Bumke ein hoch angesehener Forscher, der sich für eine dezidiert neurologisch ausgerichtete Psychiatrie einsetzte. Er engagierte sich entschieden dafür, Psychiatrie und Neurologie zu einem Universitätsfach zusammenzuführen und in einer – von einem Lehrstuhlinhaber geleiteten – „Nervenklinik“ unterzubringen. Die Aufnahme psychiatrischer und neurologischer Patienten in derselben Klinik sollte die Stigmatisierung psychiatrischer Patienten überwinden.[23]

Schon vor der nationalsozialistischen Machtergreifung griff Bumke die Überzeugung seines späteren Münchner Kollegen Ernst Rüdin an, eine „Rasse“ – wie die deutsche – würde naturgesetzlich entarten: „Diese Anschauung ist niemals bewiesen worden, und man kann heute ruhig aussprechen, daß sie falsch ist.“ Bumke bezweifelt den Wert „sogenannter Erblichkeitsstudien“ in vielen Fällen, auch dürften Statistiken oder „Ahnen- und Sippschaftstafeln nicht überschätzt“ werden.[24]

Die Zwangssterilisation stellte Bumke nicht infrage, stand ihr aber kritisch gegenüber

Zu den Auswirkungen des Machtwechsels hat Bumke selbst rückblickend geschrieben: „Was ist denn nach 1933 für die Gegner des Nationalsozialismus überhaupt noch möglich gewesen? Als 1933, 1934 (…) die katholischen Schwestern aus der Klinik entfernt werden sollten, habe ich erklärt: ‚Dann gehe ich auch.‘ Als ein medizinischer Hochstapler als ‚ordentlicher Professor für Rassenhygiene‘ in meinem Hörsaal sein Unwesen trieb, habe ich Mitte 1934 (…) um meine Entlassung als Professor und Direktor der Klinik gebeten. Erhalten habe ich sie nicht.“[25]

Weiter interveniert hat Bumke aber offensichtlich auch nicht.

Am 1. Januar 1934 trat das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) in Kraft. Bumke stellte die Zwangssterilisation von Erbkranken nicht grundsätzlich infrage, stand ihr aber kritisch gegenüber. Es müsse eine gesicherte medizinische Indikation hinsichtlich der Vererbung eines Krankheitsbildes vorliegen, und dies bezweifelte er in vielen Fällen. So seine Position seit den zwanziger Jahren. Jetzt sah Bumke sich offensichtlich genötigt, Konzessionen gegenüber den „Auswirkungen“ des Gesetzes zu machen. So räumte er einen gewissen Impuls für die Forschung ein: 1936 führte er in seinem „Lehrbuch der Geisteskrankheiten“ aus, dass man „seit Bestehen des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses nicht bloß vorsichtiger, sondern auch an Erfahrungen reicher geworden“ sei.[26]

Infolge des Gesetzes kam es zunehmend zu Zwangssterilisationen und im Zuge der unterschiedlichen „Euthanasie“-Aktionen ab 1940 zur organisierten Tötung von geistig und körperlich behinderten Kindern und Erwachsenen. Es ist behauptet worden, dass unter Bumkes Verantwortung ab 1934 bei Patienten der Münchner Klinik Diagnosen so formuliert worden sind, dass die Meldepflicht (im Rahmen des GzVeN) umgangen werden konnte. Zudem habe Bumke für die Patienten seiner Klinik Verlegungen in die Anstalt Eglfing-Haar untersagt, weil bekannt wurde, dass von dort Verlegungen in sogenannte Tötungsanstalten vorgenommen wurden. Im Juni 1945 hat Bumke gegenüber dem österreichisch-US-amerikanischen Psychiater Leo Alexander behauptet, er habe niemals mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ kooperiert. Im Gegenteil: „We have sabotaged the law.“

Andererseits war Bumke diesbezüglich zusehends auf Parteilinie. In einem 1939 publizierten Aufsatz mit dem Titel „Der Staat und die Geisteskrankheiten“ kommentiert er: Das „Dritte Reich“ sei „bemüht, Geisteskrankheiten, die sich nicht heilen lassen, wenigstens für die Zukunft zu verhindern.“ Die „von dem Gesetz vorgesehene Sterilisierung soll, wenn möglich, freiwillig erfolgen. Sie kann aber auch erzwungen werden“.[27]

„Seit 1933 hatte ich nichts mehr zu ‚führen‘“

Davon zu trennen sind die Tötungsaktionen im Kontext der sogenannten Euthanasie. Bumke schreibt in seinen Erinnerungen, er habe im Herbst 1940 davon erfahren: „Ich habe mich an den psychiatrischen Berater des Reichsinnenministers gewandt und von ihm die Antwort erhalten: ‚Das ist geheim, darüber kann ich nicht sprechen.‘ (…) Vorher aber hatte der Staatskommissar für das Gesundheitswesen in Bayern erklärt, wem sein Kopf lieb sei, der sollte nach diesen Dingen nicht fragen; nur vier oder fünf Männer wüssten davon; die Sache ginge in Ordnung.“[28] Und so beließ er es wohl dabei.

Bumke selbst hat rückblickend immer wieder betont, wie limitiert seine Einflussmöglichkeiten während der Zeit des Nationalsozialismus gewesen seien: „Man hat mich wiederholt gefragt, wieso ich die ‚Veraschung‘ von Geisteskranken vom Herbst 1940 an nicht hätte verhindern können. Ich, der ich doch einer der führenden Psychiater Deutschlands gewesen wäre? Die Frage setzt eine vollkommene Verkennung des ‚Dritten Reiches‘ voraus. Seit 1933 hatte ich nichts mehr zu ‚führen‘; (…) Aus allen ehrenamtlichen Stellen in der Universität, im Hochschulverband, in der Gesellschaft deutscher Nervenärzte, im Deutschen Verein für Psychiatrie war ich herausgedrängt worden.“

Davon kann aber rückblickend nicht die Rede sein. In der Verbandspolitik spielte Bumke zunächst auf höchster Systemebene mit, wurde im Jahr 1933 Vorsitzender der „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte“ (der Vorläufer-Organisation der DGN). Als es zur „Zwangsvereinigung“ dieser Gesellschaft mit dem „Deutschen Verein für Psychiatrie“ zur „Gesellschaft deutscher Neurologen und Psychiater“ (GDNP) kam, war Bumke einer der Protagonisten bei den Verhandlungen. Erst im Herbst 1934 setzte sich das Netzwerk um Rüdin durch, und Bumke wurde „ausgebootet“, leistete aber auch keinerlei Widerstand diesbezüglich und trat zur Vorstandswahl 1935 nicht mehr an.[29]

Positionen hatte Bumke – entgegen seiner Behauptung – weiterhin inne: So war er ab 1940 als beratender Psychiater des Wehrkreises VII Süd-Bayern mit Sitz in München tätig, was auch die Begutachtung von „Psychopathen“ im Heer einschloss. Dort hat Bumke offenbar eine „harte Linie“ vertreten. Er sah die „Kriegsneurotiker“ wohl in erster Linie aus seinem stark militaristisch geprägten Blickwinkel und setzte sich für eine Kombination aus verbaler Beeinflussung bzw. Bedrohung und schmerzhaften Stromstößen ein. 1942 hat Bumke angeregt, die „Kriegshysteriker“ in die Anwendung des Zersetzungsparagrafen miteinzubeziehen. Eine Verurteilung wegen „Wehrkraftzersetzung“ hätte für die Betroffenen mit hoher Wahrscheinlichkeit tödliche Folgen gehabt.[30]

Schließlich wurde er 1944 in den wissenschaftlichen Rat des Generalkommissars des Führers für das Sanitäts- und Gesundheitswesen, Karl Brandt, berufen.[31]

„Für Don Quichoterien habe ich nie etwas übriggehabt“

Oswald Bumke galt nach dem Krieg zunächst als politisch unbelastet und war mit Zustimmung der Besatzungsbehörden im Sommer 1945 aufgefordert worden, am Wiederaufbau der Universität mitzuwirken. Formal war ihm wenig vorzuwerfen, er war seit 1933 „Förderndes Mitglied“ der SS sowie Mitglied des NSLB (Nationalsozialistischer Lehrerbund), war aber nie der NSDAP beigetreten. Im Herbst 1945 wurden in einer Schweizer Zeitung schwere Vorwürfe gegen Bumke wegen angeblich enger Verbindungen zu den Nationalsozialisten erhoben, ein Entnazifizierungsverfahren folgte, Bumke wurde 1947 in die Gruppe der Entlasteten eingestuft und im selben Jahr als ordentlicher Professor für Psychiatrie und Neurologie der Universität München rehabilitiert. Da Bumke inzwischen 70 Jahre alt war, verzichtete er darauf und ließ sich emeritieren.

Wie ist Bumkes Haltung während der Zeit des Nationalsozialismus nun einzuordnen? Bumke stand auch aufgrund seiner Sozialisation den Nationalsozialisten eher ablehnend gegenüber. Er war konservativ und deutschnational, ein kunstinteressierter Bildungsbürger. Diese Haltung prägte auch sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten; er hielt das Ganze zunächst für einen „Spuk“, der bald vorüber sein werde. Dennoch schätzten ihn Parteifunktionäre ihrerseits im Wesentlichen positiv ein, als „politisch vollkommen einwandfrei“. Nach dem Krieg betonte Bumke mehrfach, dass sein „Schweigen“, seine „Zurückhaltung“ alternativlos gewesen seien: „Wer Widerstand leistete, kam ins Konzentrationslager. Gewiß, man hätte hineingehen können, wenn – ja, wenn damit irgendetwas genützt worden wäre. (…) Wäre ich (…) in der Versenkung verschwunden, so wäre eben ein anderer gekommen; die Schwestern hätte man in die Wüste geschickt, die Kranken vergast und die Studenten nicht mehr in meinem Sinne zu Ärzten erzogen. Für Don Quichoterien aber habe ich (…) niemals etwas übriggehabt.“[32] Schweigen als eine Form des Widerstandes, als Schutz der anderen? Die Argumentationslinie, die Bumke hier vermittelt, erscheint doch stark übertrieben. Aber diese Richtung der (Selbst-)Rechtfertigung ist durchaus häufig zu finden.

Wider das Vergessen

Einige Symposiumsteilnehmer erwarteten von uns Medizinhistorikern ein Urteil bezüglich der vorgestellten Protagonisten. Eine klare Einordnung in Kategorien können und wollen wir indes nicht vornehmen. Was wir können, ist Fakten zusammentragen. Eine Beurteilung können wir vielleicht zusammen – Neurologen und Historiker – versuchen.

Andere Neurologinnen und Neurologen fragten zu Recht, warum die DGN ihre Geschichte erst jetzt aufarbeite – mehr als 70 Jahre nach Kriegsende und obwohl die Beteiligung einiger Persönlichkeiten an nationalsozialistischen Gräueltaten schon seit Jahren bekannt ist. Die Antwort: Vor zehn Jahren galt die auch schon da vielfach in Aufsätzen und Büchern geleistete Aufarbeitung der Vergangenheit noch als Nestbeschmutzung – auch, weil die betroffene Generation entsprechenden Einfluss ausübte. Heute, nachdem die Mehrheit ihrer Vertreter gestorben ist, bricht sich das Bedürfnis Bahn, aufzudecken, was geschehen ist.

Die nachfolgende Diskussion konzentrierte sich auf die Frage, wie die DGN mit Neurologen und Neurowissenschaftlern umgehen soll, die in unterschiedlichen Formen in das NS-Regime verstrickt waren. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer, dass es falsch wäre, in blinden Aktionismus zu verfallen. Prof. Fangerau riet davon ab, die Namen der betroffenen Personen einfach zu streichen: „Es ist wichtig, den Stachel im Fleisch zu lassen und nicht herauszureißen.“ Denkbar sei zum Beispiel, Preise umzubenennen, ihre Geschichte aber stets mitzuliefern. Straßenschilder sollten erläuternde Sätze tragen. Der Befürchtung eines Teilnehmers, die DGN gehe mit so einem Vorgehen unangemessen sanft mit NS-Neurologen um, hielt Heiner Fangerau entgegen: „Das wäre ganz und gar kein sanfter Umgang mit den betroffenen Persönlichkeiten, denn so bleibt die Erinnerung an sie ein stetiges Mahnmal dafür, dass so etwas nie wieder passieren darf.“

Axel Karenberg, Köln
Heiner Fangerau, Düsseldorf
Michael Martin, Düsseldorf


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Berichte der DGN-Kommissionen

Bericht Kommission 1.10 Gebührenordnung

Seit 2016 bearbeitete die Bundesärztekammer (BÄK) mit einem personell veränderten Team in erneuten Gesprächen mit allen Fachverbänden den Entwurf der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) neu. Der Entwurf wurde an den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) weitergeleitet, der viele Punkte akzeptiert, aber auch Änderungswünsche und Ablehnung formuliert hat. Die Fachverbände, die Vertreter des PKV-Verbandes und die BÄK konnten sich in trilateralen Gesprächen inzwischen über alle strittigen Positionen des Kapitels G „Neurologie und Psychiatrie“ und der meisten anderen Kapitel einigen. Einzig Kapitel E bleibt strittig: Hier hat der PKV-Verband vorgeschlagen, dass die gesamten rehabilitativen Leistungen (z. B. die Physiotherapie) im stationären Bereich ärztlich nicht mehr abrechenbar sein sollen. Als Ersatz wurden lediglich wenige Ziffern für die ärztliche Steuerung der verschiedenen Therapien angeboten. In einem Gespräch am 16. Oktober konnte hier keine Annäherung erzielt werden, sodass diese Frage nun noch zwischen den Verhandlungsführungen der BÄK und der PKV erörtert werden muss.

In einem Gespräch am 26. Oktober zu Kapitel B wurde deutlich, dass zukünftig die „sprechende Medizin“ besser abgebildet werden soll. So sollen Beratungen auch neben technischen Leistungen angesetzt werden können, sofern sie tatsächlich zusätzlich erfolgen. Sollte dies in einer neuen GOÄ umgesetzt werden, könnte dies dazu führen, dass gerade in den „Neuro-Fächern“ eine sinnvolle Beratung und Aufklärung der Patienten keinen Gegensatz mehr zu einer wirtschaftlichen Praxisführung darstellen würde. Im besten Fall könnten so medizinisch nicht zwingende technische Leistungen vermieden werden.

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass die noch nicht konsentierten Teile des GOÄ-Entwurfes bis Ende November 2017 bearbeitet werden. Die dann fertige Version des Leistungsverzeichnisses und des Paragrafenteiles wird anschließend den Fachverbänden erstmals insgesamt zur Verfügung gestellt. Auf dieser Grundlage werden die PKV auf der einen und der BÄK auf der anderen Seite eine Bewertung der einzelnen GOÄ-Positionen vornehmen. Nach der „Preisfindung“ würden dann auch Abschätzungen vorgenommen, welche Änderungen der Gesamtvergütung sich daraus ergeben könnten. Auch wenn nach jahrelangem Stillstand eine gewisse Erhöhung der Gesamtsumme durchaus eingeräumt wurde, wollen die Privaten Krankenversicherungen ein Ausufern der Kosten und damit der Beiträge verhindern.

Der konsentierte GOÄ-Entwurf könnte dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) frühestens Ende des ersten Quartals 2018 vorgelegt werden. Ob und wann das BMG die GOÄ dann tatsächlich in Kraft setzt, bleibt abzuwarten.
Holger Grehl, Duisburg


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Bericht Kommission 1.12 Leitende Krankenhausärzte

Die Kommission befasste sich im Berichtszeitraum mit den Hauptthemen (1) Notaufnahme/Notfall-Neurologie, (2) Wahrung der Neurologie-Interessen in der (Neuro-)Intensivmedizin, (3) Ärztemangel bzw. ärztlicher Nachwuchs inkl. Integration von Ärzten mit aktuellem Migrationshintergrund, (4) gemeinsame Aktionen zur Nachwuchssicherung (z. B. Summer Schools), (5) Pflegekräftemangel, (6) Musterweiterbildungsordnung, (7) GOÄ-Entwicklung, (8) Stroke-Unit-Zertifizierung, (9) inhaltliche, logistische und erlösrelevante Implikationen der Thrombektomie. Die einzelnen Kommissionsmitglieder haben sich dabei die Themen schwerpunktmäßig aufgeteilt. Die Kommission hat sich in zwei Sitzungen mit den jeweiligen Themen befasst und diese auch weitgehend auf dem Chefärztetag in Kassel mit ca. 200 Teilnehmern behandelt. Auf dem Chefärztetag wurde auch die Verfolgung der gemeinsamen Interessen unter dem Dach der DGN und auch in Kooperation mit dem BDN bekräftigt.

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Preisträger und Laudatoren auf dem Chefärztetag 2017 (v.l.): Dr. Bertold Schrank, Prof. Dr. Volker Schuchardt, Prof. Dr. Uta Meyding-Lamadé, Prof. Dr. Horst Wiethölter, Komiteevorsitzender Prof. Dr. Frank Erbguth, Prof. Dr. Michael Fetter und Prof. Dr. Karl Wessel. © DGN

Ebenfalls auf dem Chefärztetag wurden die Auszeichnungen der Kommission verliehen: Den Wartenberg-Preis für wissenschaftliche Leistungen erhielt Dr. Bertold Schrank, Wiesbaden, für seine Aktivitäten auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen; das Romberg-Glas für Verdienste um die stationär agierende deutsche Neurologie erhielten Prof. Volker Schuchardt, Lahr, und Prof. Horst Wiethölter, Stuttgart.

Die Kommission unterhielt zahlreiche Kontakte zum Vorstand der DGN, zu den Jungen Neurologen, zur DSG und zu anderen Kommissionen der DGN und war in der Beiratssitzung der DGN, der Ordinarienkonferenz und der Perspektivkommission vertreten. Aus der Kommission heraus wurde die Veranstaltung des DGN(forums in Leipzig „Notfall: Neurologie in der Notaufnahme“ mit Teilnehmern aus der KBV und dem BDN (Dr. Uwe Meier) organisiert. Nach dem Ausscheiden der Chefärzte Prof. Peter Berlit, Essen – dem langjährigen Vorsitzenden der Kommission 1.12. –, und Prof. Andreas Ferbert, Kassel, ist die Kommission momentan im Findungsprozess für die Nominierung neuer Mitglieder. Die eingangs genannten Themen bestimmen auch die Agenda der Kommissionsarbeit 2017/2018 und den Chefärztetag 2018 am 9. März in Kassel.
Frank Erbguth, Nürnberg


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Bericht Kommission 2.5 Neurologie und Sport

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Prof. Dr. Carl-Detlev Reimers, Paracelsus Klinik Bremen, ist Vorsitzender der Kommission 2.5 Neurologie und Sport. © privat

Körperliche Aktivität und Sport besitzen eine enorme, vor allem präventive Potenz für etliche sehr bedeutsame neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz, Parkinson-Syndrom, Kopfschmerzsyndrome. Die Kommission Neurologie und Sport bemüht sich, Ärzten und anderen Interessenten die präventiven und therapeutischen Effekte körperlicher und sportlicher Aktivität in Bezug auf neurologische Erkrankungen zu präsentieren und zudem gemeinsame Studien auf diesem Gebiet zu initiieren.

Eine Multicenter-Studie zum Thema „Körperliche Aktivität und Restless Legs Syndrom“ läuft seit Sommer 2017. Ein Buch und ein E-Book „Patienteninformation Sport bei neurologischen Erkrankungen“, das die Ärzte bei der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten unterstützen soll, wird gerade erstellt. Nachdem der Versuch, ein Symposium zum Thema „Neurologie und Sport“ auf dem DGN-Kongress zu platzieren, mehrfach scheiterte, ist nun ein Symposium mit breiter gefächerten Themen zur Prävention geplant.
Carl-D. Reimers, Bremen


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Bericht Kommission 2.13 Neuroophthalmologie/Neurootologie

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Prof. Dr. Wolfgang Heide, Vorsitzender der DGN-Kommission 2.13 Neuroophthalmologie/Neurootologie, ist Chefarzt der Neurologischen Klinik am AKH Celle. © DGN/Gust

Refinanzierung/DRGs: Um neurootologische Leistungen im DRG-System besser refinanzierbar zu machen, gelang die Erfassung folgender fünf Diagnoseverfahren im OPS-Katalog 2017: vestibulär evozierte myogene Potenziale (cVEMP und oVEMP) unter OPS-Code 1 – 208.9; neurophysiologische Diagnostik bei Schwindelsyndromen unter OPS-Code 1 – 20a.3, mit den Unterpunkten Elektro- oder Video-Nystagmografie (1 – 20a.30); Videokopfimpulstest (1 – 20a.31); Bestimmung der subjektiven visuellen Vertikalen (1 – 20a.32) und Posturografie (1 – 20a.33). Damit ist es möglich geworden, die Kosten dieser neuen Verfahren zu erfassen und später eventuell dafür einen OPS-Code zu beantragen. Ferner soll die Anwendbarkeit neuer Finanzierungsmodelle wie z. B. des Innovationsfonds der AOK im Hinblick auf vestibuläre Erkrankungen überprüft werden.

Fortbildungscurriculum: Die Kommission hat beschlossen, ein einheitliches Curriculum für die DGN-Fortbildungsakademie in Neuroophthalmologie und Neurootologie zu erstellen, das innerhalb zweier DGN-Kongresse absolviert werden kann und mit den von Andreas Zwergal erstellten Curricula des Europäischen Schwindel-Netzwerkes DIZZYNET und der EAN abgeglichen wird.

Neue Diagnosekriterien und Nomenklatur: Die Bárány Society hat für die wichtigsten vestibulären Erkrankungen zum Teil neue Diagnosekriterien bzw. neue Bezeichnungen erarbeitet, die im Journal of Vestibular Research publiziert werden. Unter anderem wurde der Begriff „somatoformer Schwindel“ ersetzt durch den Begriff „funktioneller Schwindel“, unterteilt in den akuten phobischen Attackenschwindel, den chronischen funktionellen Schwindel (PPPD) und den visuell-induzierten Schwindel. Die Kommission prüft derzeit, ob die aktuell gültigen ICD10-Ziffern und die zukünftigen ICD11-Ziffern mit der modernen Klassifikation vestibulärer Erkrankungen vereinbar sind.

Funktioneller Schwindel: Etablierte stationäre und ambulante Behandlungskonzepte gibt es derzeit nur in München und Essen. In anderen Regionen Deutschlands besteht hier eine erhebliche Versorgungslücke, was oft zum „Ärzte-Hopping“ oder zur „Psychiatrisierung“ dieser Patienten führt. In Psychotherapie und Physiotherapie werden oft Spezifika von Schwindelerkrankungen nicht genügend berücksichtigt. Hilfreich wäre u. a. ein Schwindel-spezifisches Weiterbildungsprogramm für Physiotherapeuten. Auch im Bereich Rehabilitation besteht Handlungsbedarf, da für funktionelle Schwindelerkrankungen in der Regel keine Anschlussheilbehandlung oder Reha genehmigt wird.
Wolfgang Heide, Celle


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Bericht Kommission 2.15 Irreversibler Hirnfunktionsausfall

Die Kommission 2.15 Irreversibler Hirnfunktionsausfall hat im vergangenen Jahr die Konzeptualisierung eines Fortbildungscurriculums „Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls“ abgeschlossen. Im nächsten Schritt soll die Anpassung an die zwischenzeitlich erneuerten Empfehlungen der Bundesärztekammer erfolgen.

Des Weiteren beteiligen sich die AG-Mitglieder an den Fachgremien zum Thema „IHA“ bei der Bundesärztekammer (Wissenschaftlicher Beirat, Überwachungskommission).
Georg Gahn, Karlsruhe


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Bericht Kommission 2.16 Neurologische Notfallmedizin

Die Kommission Neurologische Notfallmedizin führte im Berichtszeitraum eine Online-Umfrage zur Struktur der Neurologischen Notfallversorgung in Deutschland durch. Die Ergebnisse sind publiziert (Topka et al., 2017 Nervenarzt 88 (6): 625–634) und wurden in Teilen bei den Jahrestagungen in Mannheim 2016 und in Leipzig 2017 vorgestellt. Sie belegen die wachsende Bedeutung der Notfallversorgung in neurologischen Akutkliniken. Die Umfrage zeigt im Vergleich zu einer Voruntersuchung u. a., dass sich der Anteil der aus den Notaufnahmen aufgenommenen Patienten in neurologischen Kliniken in Deutschland in der vergangenen Dekade sowohl in allgemeinen Krankenhäusern als auch in Universitätskliniken verdoppelt hat.

Im März 2017 hat die Kommission in München ein erstes überregionales Symposium zu Strukturen und medizinischen Fragestellungen in der Neurologischen Notfallmedizin organisiert. Das Symposium war ausgesprochen gut besucht und soll im kommenden Jahr eine Fortsetzung finden. In der kommenden Arbeitsperiode soll eine Struktur für die wissenschaftliche Begleitung der weiteren Entwicklung in der Neurologischen Notfallmedizin initiiert werden. Besonderes Augenmerk soll außerdem auf die vonseiten der Gesundheitspolitik, der Krankenkassen und der Anbieter von Gesundheitsleistungen angestrebten und erwarteten Strukturänderungen in der Notfallversorgung gerichtet werden.
Helge Topka, München


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Bericht Kommission 2.17 Neuromuskuläre Erkrankungen

Die Kommission 2.17 Neuromuskuläre Erkrankungen traf sich zu ihrer zweiten Sitzung unter Leitung von Prof. Dr. Stephan Zierz, Halle, und Prof. Dr. Benedikt Schoser, München, am 20. September 2017 während des DGN-Kongresses in Leipzig.
Die Kommission stellt das medizinische Fachgremium für neuromuskuläre Erkrankungen innerhalb der DGN dar. Neben den Vorsitzenden sind Prof. Dr. Cornelia Kornblum, Bonn, Prof. Dr. Arthur Melms, Erlangen/Stuttgart, Prof. Dr. Christiane Schneider-Gold, Bochum, Prof. Dr. Jens Schmidt, Göttingen, und Prof. Dr. Peter Young, Münster, federführende Mitglieder. Die Kommission beschäftigt sich mit den Entwicklungen bei Diagnose und Therapie von neuromuskulären Erkrankungen und der Erarbeitung von Leitlinien. Auf europäischer Ebene ist die Kommission durch Prof. Schoser als Co-Chair des „Scientific Panel for neuromuscular diseases“ in die European Academy of Neurology (EAN) aktiv eingebunden.

Im Rahmen des DGN-Kongresses 2017 wurde ein wissenschaftliches Symposium der Kommission mit gutem Zuspruch am 20. September 2017 in Leipzig erfolgreich durchgeführt. Für die Neurowoche 2018 ist ein Symposium zu Leitlinien eingereicht worden. Im Rahmen dieses Symposiums erfolgt auch eine Darstellung der European Reference Networks (ERNs) für den neuromuskulären Bereich. Als Arbeitsplan 2018 stehen die Erarbeitung einer DGN-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie Metabolischer Myopathien (Federführung Prof. Schoser), die Überarbeitung der DGN-Leitlinie Myalgien (Federführung Prof. Zierz) und die Erstellung einer DGN-Leitlinie Neuromuskuläre Beatmung (Federführung Prof. Young) an. Diese Vorschläge werden zunächst an die Leitlinienkommission der DGN zur Prüfung weitergeleitet werden.

Die Kommission 2.17 unterstützt inhaltlich die erarbeiteten Konsensusempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V. unter Federführung von Prof. Dr. Janbernd Kirschner, Freiburg, Prof. Dr. Maggie Walter, München, und Prof. Dr. Reinhard Dengler, Hannover, zu Verlaufsuntersuchungen und Behandlungsempfehlungen bei der Spinalen Muskelatrophie mit dem Medikament Nusinersen.

Die Kommission empfiehlt in puncto Behandlungsindikation: Alle Patienten mit einer molekulargenetisch gesicherten SMA 5q sollen bei Therapiewunsch, nach ärztlicher Indikationsstellung, über mindestens 1 Jahr, möglichst über 2 Jahre dokumentierter Progredienz der Erkrankung und nach eingehender ärztlicher Aufklärung behandelt werden, wenn keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen. Eine Lumbalpunktion muss möglich sein, da Nusinersen nur zur intrathekalen Anwendung durch Lumbalpunktion zugelassen ist.

Die Behandlung erfordert in der Regel ein interdisziplinäres Vorgehen mit Beteiligung von Neurologen, Neuroradiologen, ggfs. Anästhesisten und Orthopäden sowie entsprechender pflegerischer Betreuung. Es wird deshalb jeweils ein kurzer stationärer Aufenthalt empfohlen. In Ausnahmefällen kann eine ambulante Behandlung erwogen werden, wenn der Patient dies wünscht, sein Gesundheitszustand dies zulässt und Vorbehandlungen unkompliziert waren.

Eine standardisierte und unter den verschiedenen Behandlungszentren abgestimmte klinische Verlaufs- und Behandlungsdokumentation ist aufgrund der unzureichenden Datenlage zur Behandlung Erwachsener notwendig. Diesbezüglich wird auf die Initiative SmartCare (www.smartcare.de) hingewiesen. Die Kriterien für die Behandlungszentren orientieren sich an den Anforderungen der DGM an Neuromuskuläre Zentren. Dies bedeutet, dass eine interdisziplinäre Betreuung möglich sein muss.

Die Finanzierung des Medikamentes sowie des Behandlungsprozesses durch die Krankenkassen erfordert derzeit eine Einzelfallgenehmigung. Verschiedene Krankenhäuser bereiten sogenannte NUB-Anträge vor, die im Erfolgsfall den jeweiligen Häusern eine Integration der Leistungen in das DRG-System und reguläre Kostenerstattung voraussichtlich ab ca. August 2018 ermöglichen könnten.
Benedikt Schoser, München


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Berichte der Assoziierten Gesellschaften

Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik und klinische Neurochemie (DGLN)

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Prof. Dr. Brigitte Wildemann, Oberärztin in der Neurologie und Poliklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, wurde im Mai 2017 zur 1. Vorsitzenden der DGLN gewählt. © privat

Die DGLN hat seit Mai 2017 einen neuen Vorstand. Anlässlich der Mitgliederversammlung bei der Jahrestagung der DGLN vom 12. bis 13. Mai 2017 in Heidelberg wurde Prof. Dr. Brigitte Wildemann, Heidelberg, zur 1. Vorsitzenden gewählt. Prof. Hayrettin Tumani (Ulm/Schwendi) ist nun 2. Vorsitzender, Dr. rer. nat. Catharina Groß, Münster, ist Schriftführerin. Zum Schatzmeister wurde Dr. Manfred Wick, München, gewählt.

Auch im letzten Jahr hat die DGLN mehrere nationale Liquorsymposien organisiert, u. a. bei Tagungen der DGN, DGKN und ANIM. Weiterhin hat die DGLN das Angebot an nationalen und internationalen Liquorkursen erweitert und u. a. den neu etablierten Liquorkurs anlässlich der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP), den Liquorbefundungskurs und den früher in Göttingen und seit 2017 in Kassel stattfindenden Liquorproteinkurs veranstaltet. Die DGLN will damit die Qualität innerhalb der neurologischen Labordiagnostik erhalten sowie Labormedizinern und klinisch tätigen Neurologen und Psychiatern ein fundiertes Ausbildungsprogramm zum Erwerb des Zertifikats für Liquordiagnostik ermöglichen.

Die DGLN gestaltet und aktualisiert des Weiteren die Homepage (www.dgln.de) und organisiert regelmäßige Ringversuche für die zytologische Liquorbefundung und die Proteindiagnostik. Die Aktualisierung des auf der Homepage frei zugänglichen Methodenkatalogs sowie der Leitlinien wird derzeit vorbereitet. Unter Federführung der DGLN erschien Ende 2016 ein Sonderheft der Zeitschrift „Nervenarzt“ mit Beiträgen zu folgenden Themen: Geschichte der Liquoranalytik, Neuroborreliose, Autoimmunenzephalitis, Multiple Sklerose, Progressive multifokale Leukoenzephalopathie, Moderne zytologische Methoden, Biomarker bei demenziellen Erkrankungen, Befundungsstrategien, Zukunft der Liquordiagnostik.

Unter Mitwirkung von zahlreichen Mitgliedern des Vorstands und des erweiterten Vorstands der DGLN wurde Mitte 2016 in Göteborg die erste Tagung der europäischen „Society for CSF Analysis and Clinical Neurochemistry“ abgehalten, die 2015 nach deutschem Vorbild gegründet worden ist.
Brigitte Wildemann, Heidelberg


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Deutsche Gesellschaft für Neuro-Aids und Neuro-Infektiologie (DGNANI)

Unter dem Eindruck der sich in den achtziger Jahren auch in Deutschland ausbreitenden HIV-Infektion, die im Endstadium bei 90 Prozent der Patienten mit neurologischen Manifestationen einhergeht, gründeten Neurologen mit Interesse für die HIV-Infektion im Jahr 1996 die Deutsche Neuro-Aids Arbeitsgemeinschaft, die ein Zusammenschluss von Neurologen, Neuropathologen, Psychiatern und verwandten Neurodisziplinen mit Interesse an den neurologischen Manifestationen von Infektionserkrankungen ist.

Die ursprünglich nicht behandelbare HIV-Infektion hat durch die vielfältigen Verfahren der modernen Diagnostik und zahlreiche neue, hoch effektive Medikamente den Charakter einer aktuell lebensbedrohlichen Erkrankung mit kurzer Überlebenszeit verloren. In der Zwischenzeit unterscheidet sich die Lebenserwartung von HIV-Infizierten, die kontinuierlich therapiert werden, nicht wesentlich von der der übrigen Bevölkerung. Die guten Behandlungsmöglichkeiten von HIV und Aids haben dieses Krankheitsbild in eine chronische Infektionskrankheit mit hoher Lebenserwartung verwandelt. Die Mehrzahl der Patienten leidet unter einer chronischen HIV-Infektion mit gutem Immunstatus. Auch wenn die Dauer der HIV-Infektion und die CD4+-Helferzellzahl einen guten klinischen Anhalt über die Immunkompetenz des Patienten geben, eignen sie sich doch nur bedingt zur Eingrenzung des differenzialdiagnostischen Spektrums, da die große Mehrzahl der Patienten stabile, häufig formal „normwertige“ CD4+-Helferzellen erreicht, die jedoch nicht der Qualität der physiologischen Immunkontrolle entsprechen.

In Korrelation zur fast normalen Lebenserwartung hat sich das Bild von Neuro-Aids gewandelt und ist durch eine Zunahme neurologischer Manifestationen der HIV-Infektion mit besonderen Verläufen und Schwierigkeiten gekennzeichnet. So haben HIV-assoziierte neurokognitive Störungen in großen Neuro-AIDS-Ambulanzen mittlerweile eine Prävalenz von 30 Prozent. Bei den opportunistischen Infektionen ist die progressive multifokale Leukenzephalopathie in den Vordergrund gerückt, aber auch die Neurosyphilis, die als Koinfektion während der HIV-Infektion andere klinische Krankheitsbilder und Verläufe als sonst aufweist. Unter den psychiatrischen Erkrankungen sind depressive Episoden vorherrschend, die nicht nur als reaktiv verstanden werden müssen, sondern auch eine organische Grundlage aufweisen. Depressivität und Hoffnungslosigkeit induzieren eine fehlende Adhärenz zur antiviralen Therapie und verschlechtern damit die Prognose der HIV-Infektion wesentlich.

Allgemein gewinnen Infektionen des Nervensystems auch außerhalb von HIV und Aids nicht zuletzt vor dem Hintergrund zunehmender Immigration aus Risikoländern an Bedeutung. Die zunehmende Globalisierung und der Klimawandel führen zusätzlich zur schnelleren Ausbreitung von Infektionserkrankungen, wobei viele der neuen aktuellen Infektionskrankheiten auch zur Beteiligung des ZNS führen. Zu erwähnen sind unter den Viruserkrankungen Gelbfieber, Dengue, West-Nile, Chikungunya, Japan-B, Zika, Tollwut und Masern.

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung stellt die Zika-Virusinfektion dar. Diese sich neu ausbreitende Epidemie wurde im Januar 2016 von der WHO zur „öffentlichen Gesundheitsgefahr mit internationaler Relevanz“ deklariert. Die Infektion mit dem Zika-Virus führt zu Myalgien, Kopf- und retroorbitalen Schmerzen sowie Fatigue. Im Nordosten von Brasilien wurde 2015 ein 20-facher Anstieg von Neugeborenen mit Mikrozephalie beobachtet. Schnell ergab sich ein enger zeitlicher Zusammenhang mit dem Anstieg von Zika-Virusinfektionen. Für Neurologen relevant sind in diesem Zusammenhang bei Erwachsenen eine Meningoenzephalitis, entzündliche Polyneuropathien und Rückenmarksentzündungen. Eine spezifische Medikation steht bis heute nicht zur Verfügung. Daher ist nur eine supportive Therapie möglich.

Da sich in Deutschland nur relativ wenige Nervenärzte auf diesen hochaktuellen Gebieten klinisch und wissenschaftlich intensiv engagieren, wurde auf einstimmigen Beschluss der Vollversammlung der DNAA auf der Jahreshauptversammlung in München im September 2014 entschieden, neben Neuro-Aids auch Infektionskrankheiten mit Beteiligung des ZNS in das Spektrum dieser Gesellschaft aufzunehmen und den Vereinsnamen „Deutsche Neuro-AIDS Arbeitsgemeinschaft e. V. (DNAA)“ in „Deutsche Gesellschaft für Neuro-AIDS und Neuro-Infektiologie e. V. (DGNANI)“ zu ändern und auch kontinuierlich Workshops und Übersichtsarbeiten zu diesem neuen Gebiet zu offerieren. Seit Mitte 2015 sind die entsprechenden Änderungen der Satzung und die Eintragungen in das Register bei Gericht erfolgt, und die DNAA setzt nun ihre Aktivitäten als DGNANI fort (www.dgnani.de). Die DGNANI ist eine assoziierte Fachgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Auf dem Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress in Salzburg und bei dem 90. DGN-Kongress in Leipzig war die DGNANI 2017 mit Workshops und Symposien vertreten. Interessierte sind herzlich eingeladen, an der nächsten erweiterten Vorstandssitzung der DGNANI am 24. Februar 2018 in Hannover teilzunehmen (Anmeldung unter husstedt@uni-muenster.de).
Ingo W. Husstedt, Münster


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Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung (GAB)

Die GAB hat sich zur Aufgabe gesetzt, wissenschaftliche und therapeutische Tätigkeiten auf dem Gebiet der neurogenen Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen zu fördern. Ein besonderer Schwerpunkt gilt dabei den Aphasien und Dysarthrien.

Die diesjährige Tagung vom 2. bis 4. November 2017 in Berlin fand unter dem Thema „Herausforderung Aphasie – Demenz, Demographie, Evidenz“ statt und wurde von Prof. Marcus Meinzer, University of Queensland, Australien, mit dem Vortrag „Bedeutung der neurowissenschaftlichen Altersforschung zur Behandlung von Sprachstörungen nach Schlaganfall“ eröffnet. Neben dem wissenschaftlichen Programm boten verschiedene Workshops den Teilnehmern die Möglichkeit, sich bezüglich relevanter aktueller Themen der Sprachdiagnostik und -therapie auf den neuesten Stand zu bringen.

Im Weiteren wurden in Gruppentreffen am Rande der Tagung die folgenden Themen behandelt:

Diagnostik und Adaptation international nutzbarer Werkzeuge zur Aphasiediagnostik sollen standardisiert werden. Initiiert durch PD Caterina Breitenstein, galt dieses Treffen der Planung der gemeinsamen Aktivitäten zur Normierung und Adaptation der Instrumente, die im Rahmen der ROMA-COS-Kriterien international festgelegt wurden. Inhaltlich wurde der Beschluss gefasst, in einer ausreichend großen Kohorte neben einem international angewandten Werkzeug (Western Aphasia Battery, WAB, oder Comprehensive Aphasia Test, CAT) ebenfalls den AAT zu aktualisieren. Förderoptionen wurden besprochen. PD Stefanie Abel wird diese Bemühungen im kommenden Jahr federführend koordinieren.

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Nicht-aphasische Kommunikationsstörungen“ hielt ein weiteres Treffen ab; das Gremium widmet sich der Fragestellung, wie sich die Diagnostikinstrumente und Therapiemaßnahmen bei diesem Störungsbild verbessern lassen und wie Kriterien entwickelt werden, um verschiedene Patientenkollektive vergleichbar zu beurteilen.

Hinsichtlich der Umsetzung der Ergebnisse der „FCET2EC“-Therapie-Studie lässt sich berichten, dass die GAB es nach erfolgreicher Publikation der Studienergebnisse als notwendig erachtet, die Umsetzung der in diesem Rahmen als wirksam erwiesenen Behandlungsoption in der chronischen Phase der Aphasie zu unterstützen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe konstituierte sich. Im Rahmen des Treffens wurden die Zielstellung, die Einbindung von Kostenträgern und die Optionen einer geförderten Nachfolgestudie besprochen. Die GAB erachtet es als eminent wichtig, das jetzt evidenzbasierte Verfahren einer hochfrequenten mindestens dreiwöchigen Therapiephase langfristig in der Versorgung von Menschen mit einer chronischen Aphasie zu etablieren.

Die Überarbeitung der DGN-Leitlinien „Rehabilitation aphasischer Störungen nach Schlaganfall“ übernehmen auch im kommenden Jahr federführend Prof. Annette Baumgärtner, Studiengang Logopädie, Hochschule Fresenius Hamburg, und Prof. Dorothee Saur, Neurologie, Universitätsklinikum Leipzig. Eine S2k-Leitlinie ist avisiert.

Personalia: Die Mitgliederversammlung wählte nach Ausscheiden der 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Annette Baumgärtner und des 2. Vorsitzenden Georg Greitemann PD Dr. Stefanie Abel und Prof. Dr. Hellmuth Obrig in den Vorstand. Die beiden scheidenden Vorstände werden die Arbeit der GAB im Beirat und in verschiedenen Gremien weiterhin aktiv unterstützen. Für ihre enorm engagierte und konstitutive Arbeit für die Gesellschaft sei ihnen auch an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.
Hellmuth Obrig, Leipzig


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Einladung

21. Jahrestagung der Leitenden Krankenhausärzte 2018

Die Kommission der Leitenden Krankenhausärzte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie lädt alle Krankenhausneurologen in leitender Funktion zum jährlichen DGN-Chefärztetag am Freitag, 9. März 2018, nach Kassel ein. Die Anmeldung ist ab sofort online möglich unter: www.dgn.org/anmeldung-chefaerztetag

Sehr geehrte, liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen der Kommission „Leitende Krankenhausärzte“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie freuen wir uns sehr, alle Krankenhausneurologen in leitender Funktion zur 21. Jahrestagung der Leitenden Krankenhausärzte am 9. März 2018 nach Kassel einladen zu können. Die Teilnahme ist kostenfrei, da die DGN die Kosten für die Veranstaltung vollständig übernimmt, die Veranstaltung ist frei von Industriesponsoring.

Besondere Highlights sind die Verleihungen des Robert Wartenberg-Preises und die damit verbundene Robert Wartenberg-Lecture sowie die Verleihung des Romberg-Glases. Bei der Auswahl der Themen werden wir gern Ihre Wünsche berücksichtigen und versprechen Ihnen wieder ein interessantes Programm. Die Veranstaltung unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Frank J. Erbguth wird mit voraussichtlich 6 Punkten in der Kategorie A von der Landesärztekammer Hessen zertifiziert.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen in Kassel und verbleiben bis dahin im Namen aller Kommissionsmitglieder mit freundlichen kollegialen Grüßen,
Ihre

Prof. Frank J. Erbguth, Vorsitzender der Kommission Leitende Krankenhausärzte
Prof. Wolfgang Heide, Stellvertretender Vorsitzender der Kommission Leitende Krankenhausärzte


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Leitlinien der DGN

Die aktuellen Empfehlungen der Leitliniengruppe finden Sie auf der Website der DGN unter www.dgn.org/leitlinien.

Update der Leitlinie „Stiff-Man-Syndrom“ verfügbar

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Prof. Dr. Hans-Michael Meinck, Heidelberg, hat die Überarbeitung der S1-Leitlinie „Stiff-Man-Syndrom“ koordiniert. © privat

Die S1-Leitlinie „Stiff-Man-Syndrom“ (AWMF-Registernummer: 030/080) wurde unter Federführung von Prof. Dr. Hans-Michael Meinck, Heidelberg, überarbeitet. Der Expertengruppe gehören außerdem an: Dr. B. Balint, Heidelberg, PD Dr. C. Ganos, Berlin, Prof. Dr. P. Henningsen, München, Prof. Dr. T. Klockgether, Bonn, Prof. Dr. W. Pirker, Wien (ÖGN), und Prof. Dr. W. Z’Graggen, Bern (SNG).

Neu in die Leitlinie eingeflossen ist, dass das Stiff-Man-Syndrom (SMS) und seine Varianten als SMS-(oder SPS-)Spektrum-Erkrankungen zusammengefasst werden. Gemeinsam ist den Erkrankungen dieses Spektrums die Symptomtrias aus 1. fluktuierender Erhöhung des Muskeltonus vor allem in axialen oder proximalen Muskelgruppen, 2. einschießende Spasmen mit Generalisationstendenz und 3. gesteigerte Stimulus-Sensitivität dieser beiden Hauptsymptome.

Autoantikörper werden gegen eine zunehmende Zahl neuronaler Antigene (GlyR, DPPX, GABAAR) identifiziert. Sie korrelieren im Einzelfall nicht mit klinisch unterscheidbaren Phänotypen. Autoantikörper gegen neuronale Antigene sind im Liquor mit größerer Sensitivität nachzuweisen als im Serum.

Die immunmodulierende Therapie mit Rituximab ist allenfalls in Einzelfällen wirksam.

Die Leitlinie, die konkrete Empfehlungen zur Diagnose und Therapie gibt, ist ab sofort auf dem Leitlinienportal der DGN (www.dgn.org/leitlininen) online abrufbar.


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Leitlinie „Chorea/Morbus Huntington“ überarbeitet

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Prof. Dr. Carsten Saft, Koordinator der Leitlinie „Chorea/Morbus Huntington“, leitet das Huntington-Zentrum an der Ruhr-Universität Bochum. © Universität Bochum, St. Josef-Hospital

Die Leitlinie „Chorea/Morbus Huntington“ (AWMF-Registernummer 030/028) wurde von einer S1- zu einer S2k-Leitlinie weiterentwickelt. Koordinator der Leitlinienarbeit war Prof. Dr. Carsten Saft, Bochum.

Die Leitlinie skizziert diagnostische Schritte bei unklarer Chorea und Behandlungsmöglichkeiten der Huntington-Krankheit (HK). Sie gibt außerdem einen Überblick über den Stand der Forschung zum Erkrankungsverlauf sowie zu neuen Ansätzen der symptomatischen und verlaufsmodifizierenden Therapie. Adressaten der Leitlinie sind Neurologen, Psychiater, Humangenetiker, Nervenärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten sowie Patienten mit Huntington-Erkrankung und unklaren hyperkinetischen Bewegungsstörungen.

Die aktualisierte Leitlinie nimmt nun Stellung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) und pränatalen Diagnostik sowie zur aktuellen Studienlage.

Große multizentrische Beobachtungsstudien wie TRACK-HD, TRACK-ON-HD und PREDICT-HD konnten erste bildgebende (MRT), neuropsychologische und quantitativ-motorisch (Q-Motor) gemessene Veränderungen, im Sinne eines Prodromalstadiums, bei Mutationsträgern mindestens 10 Jahre vor dem berechneten Erkrankungsbeginn nachweisen. In einer Genom-weiten Assoziationsstudie (GWAS) mit genetischem Material von etwa 4000 Probanden wurden mindestens drei Loci als potenzielle genetische Modifikatoren des Krankheitsbeginns (definiert durch die Entwicklung von diagnoseweisenden motorischen Auffälligkeiten) identifiziert, die insbesondere mit DNS-Reparatur-Mechanismen assoziiert sind.

Deuterium-modifiziertes Tetrabenazin (Deutetrabenazine oder SD-809) hat in Phase-III-Studien der Huntington-Study-Group eine Reduktion der Chorea-Symptomatik bewirkt. Ob und wann dieses Medikament in Deutschland und in Europa zugelassen wird, ist derzeit ungeklärt. Das Studienergebnis zu Pridopidine ist formal negativ. Es zeigte sich jedoch ein positiver, stabilisierender Effekt von Pridopidine auf funktionellen Skalen, sodass eine weitere Studie vorgesehen ist. Eine Verbesserung der klinischen Symptomatik durch den Phosphodiesterase-10a-Hemmer PF-02545920 konnte nicht nachgewiesen werden; der primäre Endpunkt wurde nicht erreicht. Eine randomisierte, kontrollierte Phase-II-Studie zur Behandlung von Apathie bei der Huntington-Erkrankung mit Buproprion konnte den primären Endpunkt nicht erreichen. In einer randomisierten, placebokontrollierten Phase-II-Studie konnte bei HK-Patienten keine Symptomverbesserung durch Memantine nachgewiesen werden. Zwei große multizentrische Phase-III-Studien, welche Coenzym Q10 bzw. Kreatin untersucht haben, wurden wegen negativer Zwischenergebnisse abgebrochen.

Zudem werden derzeit mehrere Substanzen mit potenziell neuroprotektiver Wirkung in Phase-II-Studien untersucht, unter anderem Laquinimod zur möglichen Reduktion der Hirnatrophie bei der HK, u. a. durch Modulation des Immunsystems (LEGATO-HD). Eine deutsche multizentrische Phase-II-Studie zur Wirksamkeit von grünem Tee (EGCG) wird derzeit ausgewertet.

Gegenwärtig wird ein „gene-silencing“-Ansatz bei HK-Patienten in einer Phase-I/IIa-Studie zur Sicherheit und Verträglichkeit verschiedener Dosisstufen eines nicht-allel-selektiven Antisense-Oligo-Nukleotids untersucht.

Die Tiefenhirnstimulation ist experimentell und nur im Rahmen von klinischen Studien sinnvoll. Eine kleine deutsche Pilotstudie zur Tiefenhirnstimulation zeigte eine Besserung der Chorea nach GPi/GPe-Stimulation in einigen Patienten, sodass derzeit eine von der DFG und der CHDI-Stiftung geförderte Folgestudie durchgeführt wird.

Verfahren der Stammzelltransplantation sind aktuell in der präklinischen Entwicklung, z. B. in dem EUFP7-Projekt REPAIR-HD.

Die europäische REGISTRY-Studie rekrutierte fast 15.000 Teilnehmer und wird nun von der globalen Beobachtungsstudie ENROLL-HD abgelöst: einer Plattform zur Durchführung klinischer Studien bei der HK, die wichtige Daten liefert und die Teilnehmerrekrutierung für Therapie/Medikamentenprüfungen substanziell beschleunigen soll.


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Aktualisierte DGN-Leitlinie „Lumbale Radikulopathie“ online verfügbar

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Leitlinien-Koordinator Prof. Dr. Franz Xaver Glocker ist Ärztlicher Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Rheumatologie, Wirbelsäulenleiden und Neuromuskuläre Erkrankungen an der MediClin Seidel-Klinik in Bad Bellingen. © MediClin

Auf der Website der DGN ist die nach 5 Jahren aktualisierte S2k-Leitlinie „Lumbale Radikulopathie“ verfügbar (AWMF-Registernummer 030/058). Koordiniert wurde die Leitlinienarbeit von Prof. Dr. Franz Xaver Glocker.

Neu gewonnene Erkenntnisse sowie die Verbesserung und Vereinheitlichung der Versorgung über die Fachgrenzen hinaus machten es nötig, die Leitlinie „Lumbale Radikulopathie“ zu aktualisieren. Diese richtet sich an Neurologen, Neurochirurgen, operative und konservative Orthopäden, Rehabilitationsmediziner, Physiotherapeuten und an erwachsene Patienten mit akuten Rückenschmerzen/Beinschmerzen oder Lumboischialgie infolge einer Reizung/Schädigung lumbaler Nerven.

Rückenschmerzen stellen nach Kopfschmerzen das häufigste Schmerzsyndrom dar. Die überwiegende Mehrheit der Patienten leidet an sog. unspezifischen Rückenschmerzen. Diese sind nicht Gegenstand der aktualisierten Leitlinie, die sich mit dem spezifischen Rückenschmerz in Folge einer lumbalen Nervenwurzelschädigung auseinandersetzt.

Die überarbeitete Leitlinie gibt Schlüsselempfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen, die mit spezifischen Kreuzschmerzen und Beinschmerzen infolge einer lumbalen Nervenwurzelschädigung einhergehen, und vereinfacht die Abstimmung und Koordination der beteiligten ärztlichen Fachdisziplinen. Die Leitlinie definiert Schlüsselstellen der Behandlung und zeigt das jeweilige Vorgehen der Wahl auf. Außerdem werden Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens identifiziert und die Empfehlungen, abweichend von der internationalen Literatur, begründet.

Trotz umfassender Studienlage ist bislang ungeklärt, welche die beste operative Therapie bei lumbaler Spinalkanalstenose mit und ohne Spondylolisthesis Grad 1 ist. Widersprüchlich sind die Ergebnisse hinsichtlich eines zusätzlichen Nutzens einer gleichzeitigen Spondylodese zur Dekompressionsoperation. Ob eine chirurgische oder konservative Therapie bei der lumbalen Spinalkanalstenose überlegen ist, lässt sich anhand der vorliegenden Studien weiterhin nicht beurteilen. Auffällig ist jedoch, dass in Europa und in den USA zunehmend häufiger operiert wird.

Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt Bettruhe, allerdings nur in der Akutphase, solange eine Mobilisierung wegen der Schmerzen nicht möglich ist, ansonsten frühe Mobilisierung und leichte bis mäßige Belastung.


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Überarbeitete DGN-Leitlinie „Zervikale Radikulopathie“ vermittelt aktuellen Wissensstand zur Therapie

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Koordinator Prof. Dr. Marcus Pohl ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Helios Klinik Schloss Pulsnitz. © Helios Klinik

Die Leitlinie „Zervikale Radikulopathie“ (AWMF-Registernummer 030/082), herausgegeben durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), wurde unter Federführung von Prof. Marcus Pohl von einer S1-Leitlinie zu einer S2k-Leitlinie weiterentwickelt und im Internetauftritt der DGN veröffentlicht.

Die zervikale Radikulopathie (ZR) kommt in vielen Bereichen der Medizin vor und erfordert einen interdisziplinären Behandlungsansatz. Obwohl das Leitsymptom der Schmerz ist, weist das Krankheitsbild einige neurologische Besonderheiten auf, denen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einer eigenen Leitlinie Rechnung trägt.

Die Leitlinie geht auf die unterschiedlichen Vorgehensweisen in Bezug auf primär konservative und operative Therapieregime ein. Sie richtet sich an Hausärzte, spezialisierte Ärzte in der Niederlassung, Ärzte in Krankenhäusern aus allen konservativen und speziellen chirurgischen Fächern, in der Rehabilitationsmedizin tätige Ärzte und Funktionstherapeuten (besonders Physiotherapie und Ergotherapie).

Was ist neu? Die Leitlinie bezieht sich ausschließlich auf die degenerativ bedingten zervikalen Radikulopathien. Die Datenlage zur Frage des optimalen Vorgehens bei zervikaler Radikulopathie ist sehr heterogen. Für eine in aller Regel primär konservative Therapie besteht starker Konsens bei den beteiligten Fachgesellschaften. Die Anwendung von Physiotherapie in Kombination von manueller Therapie und Bewegungsübungen sowie bestimmte operative Verfahren sind dagegen evidenzbasiert.

Aktuell empfiehlt die Kommission, die auf der Anamnese und der neurologischen Untersuchung basierende Diagnose einer zervikalen Radikulopathie durch eine bildgebende Methode (vorzugsweise MRT unter Beachtung der Kontraindikationen) zu bestätigen. Bei Fehlen behindernder Ausfälle soll das Vorgehen primär konservativ (nicht operativ) und bei rasch progredienten Paresen primär operativ sein. Physiotherapie in Kombination von manueller Therapie und Bewegungsübungen soll bei der durch einen Bandscheibenprolaps bedingten ZR frühzeitig Anwendung finden. Schmerzen sollen frühzeitig und ausreichend analgetisch mitbehandelt werden. Dabei sollen neben klassischen Analgetika gegen neuropathische Schmerzen wirksame Substanzen eingesetzt werden. Eine Operation sollte bei therapierefraktärem, relevantem und zur Radikulopathie anatomisch korrekt passendem Schmerzsyndrom nach Ausschöpfung der konservativen Maßnahmen – wenn möglich – spätestens sechs Monate nach Symptombeginn dem Patienten empfohlen werden. Bei lateralen und intraforaminalen Bandscheibenvorfällen können als Operationsverfahren eine ACDF („anterior cervical discectomy with fusion“) oder eine PCF („posterior cervical foraminotomy“) durchgeführt werden. Das bevorzugte Verfahren ist hier im Einzelfall zu wählen. Bei medianen und paramedianen Bandscheibenvorfällen soll der ventrale Zugang gewählt werden. Dabei kommt neben der ACDF der Bandscheibenersatz mit Prothese infrage.


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Aktualisierte Leitlinie „Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition“ berichtet über potenzielle neue Therapieansätze

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Koordinator Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath leitet die Sektion für Neuropsychologie am Universitätsklinikum Tübingen. © Universitätsklinikum Tübingen

Die überarbeitete Leitlinie „Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition“ (AWMF-Registernummer: 030-126) steht ab sofort online zur Verfügung. Prof. Dr. Hans-Otto Karnath hat die Leitlinie zusammen mit Prof. Dr. Josef Zihl koordiniert. „An den gesicherten Therapieerkenntnissen haben sich keine Änderungen ergeben“, erläutert Prof. Karnath. „Allerdings wird vielerorts an neuen Aspekten gearbeitet, so z. B. an dem Einsatz vestibulärer Stimulation oder transkranieller Gleichstrom- oder Magnetstimulation bei der Behandlung von Neglect.“ Solche Ansätze werden jetzt neu in der aktualisierten Leitlinie in dem Kapitel 5.3.4. „In der Erprobung befindliche Maßnahmen“ erwähnt:

Transkranielle Magnetstimulation: Mehrere Gruppen applizierten in bis zu 10 Sitzungen niederfrequente repetitive transkranielle Magnetstimulation (bzw. Theta-Burst-Stimulation [TBS]), über dem parietalen Kortex der nicht geschädigten linken Hemisphäre von Neglectpatienten. Dabei wurden positive Effekte bei verschiedenen Neglectaufgaben sowie Alltagsaktivitäten beobachtet, die sich auch 3 bis 4 Wochen nach Beendigung der Anwendung noch nachweisen ließen.

Transkranielle Gleichstromapplikation (tDCS): Allgemein gilt für tDCS und GVS (s. u.), dass aufgrund ihrer Ausschlusskriterien (z. B. Kraniektomie, Krampfanfälle während der Akutphase, Herzschrittmacher etc.) nur ein Teil der Neglectpatienten für eine Behandlung infrage kommt.

Bei einmaliger anodaler tDCS über dem betroffenen rechten parietalen Kortex wurden positive Effekte für eine Linienhalbierungsaufgabe wie auch für eine Such- und Durchstreichaufgabe beobachtet. Die Befunde konnten spätere Studien nur teilweise bestätigen. Zwei Studien verwendeten mehrere Stimulationsserien hintereinander, beide im Kontext einer umfassenderen Rehabilitationsbehandlung der Neglectpatienten, sodass faktisch eine Kombinationsbehandlung vorgenommen wurde. Beide Studien berichteten positive Effekte auf den Neglect, die auch eine Woche nach Beendigung der Behandlung noch beobachtet wurden.

Galvanische vestibuläre Stimulation (GVS): Vielversprechend in ihrer Wirkung auf die kontralaterale Vernachlässigung scheint die elektrische Stimulation des vestibulären Systems mit je einer Elektrode über dem linken bzw. rechten Mastoid zu sein. Positive Effekte während der Anwendung von überwiegend links anodaler/rechts kathodaler (LA/RK) Stimulation wurden von mehreren Autoren berichtet. Zur Frage, ob sich mit dieser Technik auch längerfristige Verbesserungen erzielen lassen, wurden bislang zwei Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen berichtet.

Ob eine medikamentöse Behandlung zur Besserung der Neglectsymptomatik beitragen kann, ist bislang ebenfalls ungeklärt. Die positiven Erfahrungen mit der Gabe von Dopaminagonisten, noradrenergischen Agonisten, dem N-cholinergen Agonisten Nikotin oder Cholinesteraseinhibitoren beruhen bislang auf Einzelfallberichten bzw. kleinen Einzelfallserien. Auch wurden bei Gabe von Dopaminagonisten Verschlechterungen der Neglectsymptomatik beobachtet. Ein Cochrane Review über die bislang unternommenen pharmakologischen Interventionen bei Neglect konnte keine überzeugende Studie identifizieren und gelangte dementsprechend zu keiner Therapieempfehlung.

Tab. 1

Folgende Leitlinien wurden überarbeitet und sind jetzt auf dem Leitlinienportal der DGN unter www.dgn.org/leitlinien aktualisiert und online recherchierbar.

AWMF-Nr.

Name

Status

Leitlinien-Level

Koordinator

Gültig bis

030/080

Stiff-Man-Syndrom

Update

S1

Prof. Dr. Hans-Michael Meinck, Heidelberg

30. Juli 2022

030/028

Chorea/Morbus Huntington

Update

S2k

Prof. Dr. Carsten Saft, Bochum

31. Mai 2022

030/082

Zervikale Radikulopathien

Update

S2k

Prof. Dr. Marcus Pohl

November 2020

030/058

Lumbale Radikulopathie

Update

S2k

Prof. Dr. Franz Xaver Glocker

30. März 2022

030-126

Rehabilitation bei Störungen der Raumkognition

Update

S1

Prof. Dr. Hans-Otto Karnath, Prof. Dr. Josef Zihl

29. September 2022


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Ausschreibungen

Thiemann-Fellowship in der DGN 2018

Bereits zum vierten Mal schreibt die Thiemann Stiftung die „Thiemann-Fellowship in der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)“ aus. Die maximale Summe des projektgebundenen Förderpreises beträgt 50.000 Euro und ist auf ein Jahr begrenzt. Das individuelle Fördervolumen wird ausschließlich zur Finanzierung der eigenen Stelle vergeben und umfasst keine Sachmittel. Die Bewerberinnen und Bewerber, die ihren Antrag bis zum 15. Juli 2018 einreichen müssen, dürfen nicht älter als 40 Jahre sein. Wer im vergangenen Jahr keine Förderung erhalten hat, bekommt eine zweite Chance und kann seinen Antrag neu einreichen.

Durch die Förderung will die Stiftung einer besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerin oder einem besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftler aus der klinischen oder grundlagenorientierten Parkinson-Forschung ermöglichen, an einer Universität oder einem ausgewiesenen Forschungszentrum außerhalb der bisherigen Heimatinstitution im In- oder Ausland einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieser neurodegenerativen Krankheit zu leisten.

Weitere Informationen unter www.dgn.org/ausschreibungen-und-preise.


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Forschungspreis Neurorehabilitation 2018 der Fürst Donnersmarck-Stiftung

Die Berliner Fürst Donnersmarck-Stiftung schreibt zum fünften Mal ihren Forschungspreis auf dem Gebiet der Neurorehabilitation aus. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und kann geteilt werden. Zusätzlich können bis zu fünf Belobigungen ausgesprochen werden, die mit jeweils 3000 Euro ausgestattet sind. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2018.

Ausgezeichnet werden soll eine aktuelle wissenschaftliche Forschungsarbeit im Bereich der neurologischen Rehabilitation von Menschen mit erworbener Schädigung des Nervensystems. Der Schwerpunkt der Arbeit soll auf nachklinischer Langzeitrehabilitation liegen. Die Stiftung prämiert interdisziplinäre Rehabilitationskonzepte und -methoden sowie wissenschaftliche Wirksamkeits- und Effizienznachweise (Outcome-Forschung), wie sie in der Praxis, insbesondere von Rehabilitationsanbietern, Kostenträgern und politischen Institutionen, benötigt werden (sozialökonomische Effekte). Besonders berücksichtigt werden Arbeiten aus dem neueren Feld der Teilhabeforschung, die Menschen mit Behinderung selbst am Forschungsprozess direkt beteiligen. Weitere Informationen unter www.dgn.org/ausschreibungen-und-preise.

Aktuelle Ausschreibungen der DGN und weiterer Organisationen unter www.dgn.org/ausschreibungen-und-preise


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Epilepsiechirurgie

Der nachfolgende Text wurde als gemeinsame Pressemeldung der DGN, DGfE und DGNN veröffentlicht. Den vollständigen Text sowie weitere Pressemeldungen lesen Sie unter www.dgn.org.

Epilepsie: Frühe Operation verhindert dauerhafte Anfälle

Epilepsie-Patienten, die mit Medikamenten nicht anfallsfrei werden, kann eine Gehirnoperation heilen. Dies zeigt die Auswertung der Daten von knapp 10.000 Patienten, die Ende Oktober 2017 unter Federführung deutscher Neuropathologen, Neurologen und Neurochirurgen in der renommierten Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde. Voraussetzung ist, dass die Hirnregion, von der die Anfälle ausgehen, sicher identifiziert und komplett entfernt wird. Im Schnitt erreichen sechs von zehn Patienten durch einen Eingriff Anfallsfreiheit.

Durchschnittlich bekommen Patienten aber 16 Jahre lang Medikamente, bevor sie operiert werden. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) und die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie (DGNN) fordern angesichts dieser Zahlen ein Umdenken bei der Behandlung von Epilepsien. „Man sollte Patienten, die eine hohe Heilungschance haben, so früh wie möglich identifizieren und operieren“, kommentiert Prof. Jörg Wellmer, Leiter der Ruhr-Epileptologie an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum und Vorsitzender der Kommission Bildgebung der DGfE. Drei Viertel aller Epilepsien beginnen bereits im Kindesalter. Für diese Kinder geht viel berufliche und soziale Perspektive verloren, wenn eine Operation erst als letzte Behandlungsoption nach dem Scheitern jeder Arzneimitteltherapie betrachtet wird.

Save the Date

Kongresse

  • Arbeitstagung NeuroIntensivmedizin (ANIM) 2018, 35. Jahrestagung der DGNI und der DSG, 8. bis 10. Februar 2018, Würzburg: www.anim.de

  • 33. Deutscher Krebskongress 2018, 21. bis 24. Februar 2018, Berlin: www.dkk2018.de

  • 21. Jahrestagung der Leitenden Krankenhausärzte, 9. März 2018, Kassel: www.dgn.org

  • 62. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGKN, 15. bis 17. März 2018, Berlin: www.dgkn-kongress.de

  • Deutscher Interdisziplinärer Notfallmedizin Kongress 2018 (DINK), 22. bis 23. März 2018, Koblenz: www.dink-kongress.de

  • 27th European Stroke Conference, 11. bis 13. April 2018, Athen, Griechenland: www.eurostroke.eu

  • 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurowissenschaftliche Begutachtung e. V., 27. bis 28. April, Ulm/Neu-Ulm: www.dgnb-ev.de

  • 20. Jahrestagung der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA), 3. und 4. Mai 2018, Köln: www.neuroonkologie.de

  • ESOC 2018 – 4th European Stroke Organisation Conference, 16. bis 18. Mai 2018, Göteborg, Schweden: www.eso-conference.com

  • 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) e. V., 13. bis 16. Juni 2018, Fürth: www.epilepsie-tagung.de

Fortbildungen

Nachwuchs & Weiterbildung

Facharztrepetitorien

Fortbildung Travemünde


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Personalia

Haben Sie eine Leitungsposition übernommen oder eine Praxis gegründet? Wollen Sie, dass Ihre Kolleginnen und Kollegen von Ihrer beruflichen Veränderung erfahren? Dann informieren Sie die Geschäftsstelle der DGN unter der E-Mail-Adresse: info@dgn.org.

Berufliche Veränderungen

Die Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster bekommt einen neuen Klinikdirektor:

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PD Christoph Best, seit 2014 DGN-Mitglied, übernimmt ab Januar 2018 diese Aufgabe. Der Facharzt für Neurologie war bisher geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg. Er tritt die Nachfolge von Prof. Claus R. Hornig an.

Prof. Claus R. Hornig, seit 21 Jahren Direktor der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster, geht Ende 2017 in den Ruhestand. Er ist seit 1986 Mitglied der DGN.

Dr. Nadja Kainz, RehaKlinik Kilchberg, wurde zum 1. Oktober zur Oberärztin befördert. Sie ist der DGN im Jahr 2009 beigetreten.

Prof. Andreas Joos, 52, und seit 2002 DGN-Mitglied, ist neuer Ärztlicher Leiter der Spezialabteilung „Psychotherapeutische Neurologie“ in den Kliniken Schmieder Gailingen.

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Er folgt Prof. Roger Schmidt nach, der in dieser Funktion bisher zwei Klinikstandorte in Gailingen und Konstanz geleitet hat und sich nun auf die Konstanzer Klinik konzentriert.


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Todesfälle

Dr. Oliver Janke, ist im Alter von 47 Jahren am 21. Oktober 2017 in Berlin gestorben. Dr. Janke war Leitender Oberarzt am Jüdischen Krankenhaus Berlin und DGN-Mitglied seit dem Jahr 2002.

Dr. Erich Koletzki, Ärztlicher Leiter der Klinischen Neurologie am Malteser Krankenhaus St. Anna in Duisburg, starb 65-jährig in Mülheim a.d.R. Er war seit 1996 DGN-Mitglied.


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Stellenmarkt Neurologie der DGN

Aktuelle Stellenanzeigen

Diese Stellenangebote in der Neurologie sind derzeit im Online-Stellenmarkt der DGN unter der Webadresse www.stellenmarkt-neurologie.de ausgeschrieben (nach PLZ gelistet, Redaktionsschluss: 15. November 2017, neuere Ausschreibungen online).

Assistenzärzte

01477: Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf; Assistenzarzt (m/w)

18435: HELIOS Hanseklinikum Stralsund; Assistenzarzt (m/w)

22081: Schön Klinik Hamburg Eilbek; Assistenzarzt (m/w)

22087: Kath. Marienkrankenhaus Hamburg; Assistenzarzt (m/w)

22419: Asklepios Klinik Nord Hamburg; Assistenzarzt (m/w)

23560: Sana Klinik Lübeck; Assistenzarzt (m/w)

23795: Segeberger Kliniken; Assistenzarzt (m/w)

33334: LWL-Klinikum und Sankt Elisabeth-Hospital Gütersloh; Assistenzarzt (m/w)

34125: Gesundheit Nordhessen – Klinikum Kassel; Assistenzarzt (m/w)

34537: Wicker Klinik in Bad Wildungen; Assistenzarzt (m/w)

34596: Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten; Stationsarzt (m/w)

35789: Vitos Klinik Weilmünster; Assistenzarzt (m/w)

37099: Universitätsmedizin Göttingen; Assistenzarzt (m/w)

41812: Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz; Assistenzarzt (m/w)

42697: St. Lukas Klinik Solingen; Assistenzarzt (m/w)

45199: St. Barbara-Hospital Gladbeck – KKEL; Assistenzarzt (m/w)

46325: St. Marien-Hospital Borken; Assistenzarzt (m/w)

47441: St. Josef Krankenhaus Moers; Assistenzarzt (m/w)

49401: Krankenhaus St. Elisabeth in Damme; Assistenzarzt (m/w)

53567: DRK Kamillus Klinik Asbach; Assistenzarzt (m/w)

58515: Märkische Kliniken – Klinikum Lüdenscheid; Assistenzarzt (m/w)

64283: Klinikum Darmstadt; Assistenzarzt (m/w)

67227: Stadtklinik Frankenthal; Assistenzarzt (m/w)

67655: Westpfalz-Klinikum; Assistenzarzt (m/w)

71631: Klinikum Ludwigsburg; Assistenzarzt (m/w)

72076: Universitätsklinikum Tübingen; Assistenzarzt (m/w)

73008: Klinikum Christophsbad Göppingen; Assistenzarzt (m/w)

74177: SLK Kliniken Heilbronn; Assistenzarzt (m/w)

76437: Klinikum Mittelbaden Rastatt-Forbach; Assistenzarzt (m/w)

82340: Benedictus Krankenhäuser Tutzing und Feldafing; Assistenzarzt (m/w)

83205: Schön Klinik Neustadt; Assistenzarzt (m/w)

83278: Kliniken Südostbayern – Klinikum Traunstein und Kreisklinik Bad Reichenhall; Assistenzarzt (m/w)

86156: Klinikum Augsburg; Assistenzarzt (m/w)

88048: Klinikum Friedrichshafen; Assistenzarzt (m/w)

88191: Heilig-Geist-Spital in Ravensburg; Assistenzarzt (m/w)

88191: Oberschwabenklinik – St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg; Assistenzarzt (m/w)

97422: Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt; Assistenzarzt (m/w)

99817: St. Georg Klinikum Eisenach; Assistenzarzt (m/w)

Fachärzte

9599: Kreiskrankenhaus Freiberg; Ltd. Oberarzt (m/w)

12347: Unabhängige Patientenberatung Deutschland; Fachärzte (m/w)

16225: Martin-Gropius-Krankenhaus Eberswalde; Oberarzt (m/w)

22081: Schön Klinik Hamburg Eilbek; Facharzt (m/w)

22087: Kath. Marienkrankenhaus Hamburg; Oberarzt (m/w)

28325: Gesundheit Nord Klinikum Bremen-Ost; Oberarzt (m/w)

34125: Gesundheit Nordhessen – Klinikum Kassel; Facharzt (m/w)

34396: Evangelisches Krankenhaus Gesundbrunnen Hofgeismar; Oberarzt (m/w) und Ärzte (m/w)

35392: Universitätsklinikum Gießen und Marburg; Facharzt (m/w)

35392: Universitätsklinikum Gießen und Marburg; Facharzt (m/w)

35789: Vitos Klinik Weilmünster; Facharzt (m/w)

41812: Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz; Facharzt (m/w)

41812: Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz; Oberarzt (m/w)

47441: St. Josef Krankenhaus Moers; Facharzt (m/w)

63450: Klinikum Hanau; Oberarzt (m/w)

64283: Klinikum Darmstadt; Facharzt (m/w)

65191: MEDIAN Klinik NRZ Wiesbaden; Ltd. Oberarzt (m/w)

66740: Krankenhaus Saarlouis vom DRK; Oberarzt (m/w)

67227: Stadtklinik Frankenthal; Facharzt (m/w)

67655: Westpfalz-Klinikum; Oberarzt (m/w)

83205: Schön Klinik Neustadt; Oberarzt (m/w)

85276: Ilmtal Kliniken – Pfaffenhofen; Facharzt als Oberarzt (m/w)

86156: Klinikum Augsburg; Facharzt (m/w)

88048: Klinikum Friedrichshafen; Facharzt (m/w)

97422: Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt; Facharzt (m/w)

Praxen und MVZ

70565: rehamed-neuro in Stuttgart; Facharzt (m/w)

95326: Klinikum Kulmbach MVZ; Facharzt als Oberarzt (m/w)

Österreich, Schweiz

A-9900: Bezirkskrankenhaus Lienz; Facharzt/Oberarzt (m/w)

CH-7317: Rehabilitationszentrum Valens, Kantonsspital Graubünden (CH); Oberarzt (m/w)

CH-7317: Rehabilitationszentrum Valens, Kantonsspital Graubünden (CH); Assistenzarzt (m/w)

CH-8008: Klinik Hirslanden – Neurozentrum Bellevue (CH); Ltd. Oberarzt (m/w)

Pflegeberufe

96231: Schön Klinik Bad Staffelstein; Teamleitung (m/w)

96231: Schön Klinik Bad Staffelstein; Bereichsleitung (m/w)

CH-3010: Bern: Inselspital: Pflegefachkraft (m/w)

Sonstige Positionen

31863: Krankenhaus Lindenbrunn Coppenbrügge; Neuropsychologe (m/w)


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1 Ariens Kappers J, Riederer P: In honour of Prof. Dr. W. Birkmayer on the occasion of his 65th birthday. Journal of Neural Transmission 38: 169–171 (1975); Riederer P, Carlsson A: Walther Birkmayer – a tribute on his 80th birthday. Journal of Neural Transmission 8: I–IV (1990); Jellinger KA: Kurze Geschichte der Neurowissenschaften in Österreich. Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 10: 5–13 (2009)


2 Carlsson A, Riederer P, Stern G: Obituary. Walther Birkmayer – The man behind the syndrome. Journal of Neural Transmission 104: V–VIII (1997)


3 Harrer G, Danielczyk W, Riederer P: Walther Birkmayer (1910–1996). In: Hippius H, Holdorff B, Schliack H (Hrsg.): Nervenärzte 2. Stuttgart 2006, S. 9–18


4 Birkmayer W: Über 30 Jahre Arzt. Therapie der Gegenwart 9: 1352–1366 (1969)


5 Czech H, Zeidman LA: Walther Birkmayer, Co-describer of L-DOPA, and His Nazi Connections: Victim or Perpetrator? Journal of the History of the Neurosciences 23: 160–191 (2014)


6 Birkmayer W: Ueber die Vererbung der Nervenkrankheiten. Wiener klinische Wochenschrift 51: 1150–1151 (1938). Vgl. dazu auch Birkmayer W: Charakter und Vererbung. Wiener klinische Wochenschrift 51: 1245–1249 (1938) sowie Birkmayer W: Wieweit kann und soll die Gesetzgebung die Bevölkerungspolitik beeinflussen? Ärzteblatt für die deutsche Ostmark 2: 246–247 (1939)


7 Birkmayer W: Ueber die Vererbung der Nervenkrankheiten. Wiener klinische Wochenschrift 51: 1150–1151 (1938)


8 Czech H, Zeidman LA: Walther Birkmayer, Co-describer of L-DOPA, and His Nazi Connections: Victim or Perpetrator? Journal of the History of the Neurosciences 23: 160–191 (2014). Der von Adolf Hitler gezeichnete Brief wird im Wiener Stadt- und Landesarchiv aufbewahrt.


9 Czech H, Zeidman LA: Walther Birkmayer, Co-describer of L-DOPA, and His Nazi Connections: Victim or Perpetrator? Journal of the History of the Neurosciences 23: 160–191 (2014)


10 Birkmayer W: Über 30 Jahre Arzt. Therapie der Gegenwart 9: 1352–1366 (1969)


11 Czech H, Zeidman LA: Walther Birkmayer, Co-describer of L-DOPA, and His Nazi Connections: Victim or Perpetrator? Journal of the History of the Neurosciences 23: 160–191 (2014)


12 Der Brief Walther Birkmayers vom 29. Juni 1964 wird aufbewahrt im Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstandes und ist abgebildet bei Czech H, Zeidman LA: Walther Birkmayer, Co-describer of L-DOPA, and His Nazi Connections: Victim or Perpetrator? Journal of the History of the Neurosciences 23: 160–191 (2014)


13 Protokoll der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Neuropädiatrie 23.04.2015, S. 8, http://www.neuropaediatrie.com/fileadmin/user_upload/pdfs/Protokoll_MGV_150423_ unterschrieben.pdf (letzter Zugriff 14.11.2017)


14 Becker, Peter Emil: „Living History Biography“, American Journal of Medical Genetics 20: 699–709 (1985)


15 Hill F: „Dr. Peter Emil Becker and the Third Reich“, American Journal of Medical Genetics 161A: 1983–1984 (2013)


16 Zeidman, Lawrence A, Kondziella, Daniel: „Peter Becker and His Nazi Past: The Man Behind Becker Muscular Dystrophy and Becker Myotonia“, Journal of Child Neurology 29: 514–519 (2014)


17 Auch zitiert bei Zeidman und Kondziella. Online einsehbar unter Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen Wü 13 T 2 Nr. 2521 /308 Bild 1 und 2: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=6-489469, (letzter Zugriff 22.11.2017)


18 Becker, Peter Emil: „Ein Beitrag zur psychiatrischen Begutachtung der Ehetauglichkeit“, Nervenarzt 12: 250–252 (1939)


19 Becker, Peter Emil: Referat zu „Hasebroek, K.: Das Vererbungsproblem in seinen Beziehungen zum Mechanismus und Vitalismus“, Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin 33 (suppl. 5): 372–373.
Linden H: Referat zu „Kranz, H.: Erbforschung über den angeborenen Schwachsinn“, Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin 33 (suppl. 5): 373–374.


20 Hill F: „Dr. Peter Emil Becker and the Third Reich“, American Journal of Medical Genetics 161A:1983–1984 (2013), S. 1984


21 Zur Kritik siehe Matthias M. Weber: „Rassenhygiene und nationalsozialistische Ideologie: Ansätze und Probleme der Forschung: Anmerkungen zu Peter E. Beckers Werk: ‚Zur Geschichte der Rassenhygiene. Wege ins Dritte Reich‘“, Sudhoffs Archiv 73 (2): 223–232 (1989).


22 Tiemo Grimm zum Beispiel folgt dieser Strategie in einer Geburtstagsadresse an Becker aus dem Jahr 1995. Siehe Tiemo Grimm: „Peter Emil Becker: A Short Biography on the Occasion of his 85th Birthday”, Neuromuscular Disorders 5 (3): 243–247 (1995).


23 Hippius, H.; Möller, H.J.; Müller, N.; Neundörfer, G.: Die Psychiatrische Klinik der Universität München 1904–2004, Heidelberg: Springer 2005, S.113


24 Bumke, Oswald: Kultur und Entartung, Berlin: Springer 1922, S. 48


25 Bumke, Oswald: Erinnerungen und Betrachtungen. Der Weg eines Deutschen Psychiaters, München: Richard Pflaum Verlag 1952, S. 149


26 Bumke, Oswald: Lehrbuch der Geisteskrankheiten, 4. Aufl., München: Bergmann 1936, S. 127


27 Bumke, Oswald: Der Staat und die Geisteskrankheiten. In: ders. (Hrsg.): Handbuch der Geisteskrankheiten, Ergänzungsband, Erster Teil, Berlin und Heidelberg: Springer 1939, S. 280


28 Bumke: Erinnerungen und Betrachtungen. S. 149


29 Schmuhl, Hans-Walter: Die Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater im Nationalsozialismus, Berlin und Heidelberg: Springer 2016, S. 91f


30 Riedesser, Peter; Verderber, Axel: „Maschinengewehre hinter der Front“. Zur Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie, Frankfurt/M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag 1996, S. 163


31 Schmidt, Ulf: Hitlers Arzt: Karl Brandt. Medizin und Macht im Dritten Reich, Berlin: Aufbau-Verlag 2009, S. 62


32 Bumke: Erinnerungen und Betrachtungen. S. 149



Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Gereon Nelles
Schriftführer der DGN
Neuromed-Campus Hohenlind
Neurologische Gemeinschaftspraxis
Werthmannstr. 1c
50935 Köln


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Prof. Dr. Sebastian Rauer, Leitender Oberarzt der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg, beim DGN-Kongress. © DGN/Rosenthal
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Zeckenbiss mit Spätfolgen? © fotolia/sasel77
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Neurologie macht Spaß – daran lassen die beiden Kampagnenbotschafter Oskar und DGN-Geschäftsführer Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter keinen Zweifel! © DGN/M. Tedeskino
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Auf Kommando lachen? Für Oskar kein Problem – sofern Mama Dr. Christiana Franke lustige Grimassen schneidet. © DGN/M. Tedeskino
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Mentee Yassir Al-Zuraiqi (l.), Assistenzarzt in Würzburg, profitiert im Mentorenprogramm der DGN von der klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung seines Mentors Prof. Dr. Martin Kerschensteiner, München. © DGN/M. Tedeskino
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Neurologie zum Anfassen: Teilnehmer der Summer School Kiel. © H. Hellriegel/Junge Neurologen
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Laura de Boni, hier mit Prof. Dr. Gereon R. Fink (l.) und Prof. Dr. Martin Südmeyer (r.), erhielt auf dem DGN-Kongress 2017 die diesjährige Thiemann-Fellowship verliehen – einen von mehreren Förderpreisen, die die DGN an Nachwuchswissenschaftler vergibt. © DGN/Hauss
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Schon angesteckt? Mit diesem Flyer werben die Jungen Neurologen für die Aktion „Dein Tag in der Neurologie“. © DGN
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Der Stellenmarkt Neurologie auf dem DGN-Kongress 2017. © DGN/Hauss
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Forschung für alle: die Posterführung der Jungen Neurologen auf dem DGN-Kongress 2017. © DGN/Hauss
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„So etwas darf nie wieder geschehen“: Prof. Dr. Martin Grond will, dass die Erinnerung an Persönlichkeiten, die sich mit dem NS-Regime arrangiert haben, präsent bleibt. © DGN/ Hauss
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Eindrucksvoll belegte Prof. Dr. Axel Karenberg zu Beginn des NS-Symposiums, dass der österreichische Neurologe Walther Birkmayer zumindest bis 1939 ein überzeugter Nationalsozialist war. © DGN/ Hauss
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Peter Emil Becker im Jahr 1985. © Foto aus: L. A. Zeidman, D. Kondziella. Peter Becker and His Nazi Past. Journal of Child Neurology 2014; 29: 514 – 519. doi:10.1177/0883073813482773.
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Prof. Dr. Heiner Fangerau skizzierte den Lebens- und Karriereweg Peter E. Beckers, den er als prototypischen Mitläufer beschrieb. © DGN/Hauss
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Oswald Bumke. © Foto aus: Der Nervenarzt 3/2008: Bumke O. (1952) Erinnerungen und Betrachtungen. Der Weg eines deutschen Psychiaters. Pflaum, München.
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Schweigen als Form des Widerstands? Dr. Michael Martin hat untersucht, wie sich Oswald Bumke mit dem NS-Regime arrangiert hat. © DGN/Hauss
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Preisträger und Laudatoren auf dem Chefärztetag 2017 (v.l.): Dr. Bertold Schrank, Prof. Dr. Volker Schuchardt, Prof. Dr. Uta Meyding-Lamadé, Prof. Dr. Horst Wiethölter, Komiteevorsitzender Prof. Dr. Frank Erbguth, Prof. Dr. Michael Fetter und Prof. Dr. Karl Wessel. © DGN
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Prof. Dr. Carl-Detlev Reimers, Paracelsus Klinik Bremen, ist Vorsitzender der Kommission 2.5 Neurologie und Sport. © privat
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Prof. Dr. Wolfgang Heide, Vorsitzender der DGN-Kommission 2.13 Neuroophthalmologie/Neurootologie, ist Chefarzt der Neurologischen Klinik am AKH Celle. © DGN/Gust
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Prof. Dr. Brigitte Wildemann, Oberärztin in der Neurologie und Poliklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, wurde im Mai 2017 zur 1. Vorsitzenden der DGLN gewählt. © privat
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Prof. Dr. Hans-Michael Meinck, Heidelberg, hat die Überarbeitung der S1-Leitlinie „Stiff-Man-Syndrom“ koordiniert. © privat
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Prof. Dr. Carsten Saft, Koordinator der Leitlinie „Chorea/Morbus Huntington“, leitet das Huntington-Zentrum an der Ruhr-Universität Bochum. © Universität Bochum, St. Josef-Hospital
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Leitlinien-Koordinator Prof. Dr. Franz Xaver Glocker ist Ärztlicher Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Rheumatologie, Wirbelsäulenleiden und Neuromuskuläre Erkrankungen an der MediClin Seidel-Klinik in Bad Bellingen. © MediClin
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Koordinator Prof. Dr. Marcus Pohl ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Helios Klinik Schloss Pulsnitz. © Helios Klinik
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Koordinator Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath leitet die Sektion für Neuropsychologie am Universitätsklinikum Tübingen. © Universitätsklinikum Tübingen
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