Flug u Reisemed 2018; 25(02): 59-61
DOI: 10.1055/a-0574-7517
Kasuistik
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Arbeitsunfall auf einem Kreuzfahrtschiff

Occupational accident on a cruise ship
Frank Heblich
1  Schiffsarztlehrgang GbR, Betriebsärztlicher Dienst der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
,
Jonas Asboe
2  Medical Department, TUI Cruises, Hamburg
,
Felix Jaschke
2  Medical Department, TUI Cruises, Hamburg
,
Bernhard Sturn
2  Medical Department, TUI Cruises, Hamburg
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Publication History

Publication Date:
20 April 2018 (online)

Anamnese

Während der Abendsprechstunde an einem Seetag zwischen Gibraltar und Barcelona stellte sich ein Koch eines kleinen Kreuzfahrtschiffs (ca. 800 Crewmitglieder und 1700 Gäste) mit Schmerzen in der rechten Hand vor. Die Erstanamnese des 33-Jährigen aus Indonesien gestaltete sich aufgrund seiner nur rudimentären englischen Sprachkenntnisse schwierig. „My finger little sick“. Er habe am Vortag beim Schieben eines Transportwagens in der Hauptküche einen Schubs bekommen, ansonsten „conditions normal, little rapsy“. Beim Abfangen des Stolperns habe er sich mit der Hand an einer Stahlkante abgestützt und dabei den Kleinfinger unwillkürlich nach ulnar abgespreizt. Seitdem schmerze die rechte Hand.

Später wurde zur weiteren Anamnese und zum Ausfüllen der Unfallanzeige ein Kollege dazu gebeten, der die Landessprache des Patienten und auch passabel Englisch spricht. Dabei stellte sich heraus, dass der Verunfallte vom Griff des Transportwagens abgerutscht und mit der Hand gegen die Fahrstuhltür gestoßen war ([Abb. 1]). Auf Nachfrage bei seinem Vorgesetzten war zu erfahren, dass er mit „rapsy“ „rough sea“, also etwas Seegang meinte.

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Abb. 1 Fahrstuhl von der Hauptküche zu den Restaurants.
Quelle: Dr. Frank Heblich

Der Kleinfinger (DV) der rechten Hand zeigte sich über allen 3 Fingergliedern nur mäßig druckschmerzhaft. Deutlicher Druckschmerz fand sich über dem Kleinfinger-Grundglied und dem distalen fünften Mittelhandknochen. Die ulnare Handkante war mäßig geschwollen ([Abb. 2]). Durchblutung, Motorik und Sensibilität waren peripher intakt. Die Schmerzintensität nach beispielsweise VAS (visuelle Analogskala) war nicht zu erheben. Aufgrund der Abwehrreaktion wurde von einem schwereren Trauma ausgegangen und noch im Bordhospital eine Röntgenuntersuchung angeschlossen: Mittelhandknochen (MHK) und DV rechts ([Abb. 3], [4]).

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Abb. 2 Rechte Hand mit diskreter Schwellung über MHK V.
Quelle: Dr. Frank Heblich
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Abb. 3 Röntgenbild: Fünfter Strahl rechts AP mit dislozierter subkapitaler MHK-V-Fraktur.
Quelle: Dr. Frank Heblich
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Abb. 4 Röntgenbild: Fünfter Strahl rechts schräg mit dislozierter subkapitaler MHK-V-Fraktur.
Quelle: Dr. Frank Heblich