Z Geburtshilfe Neonatol 2018; 222(04): 169-170
DOI: 10.1055/a-0651-9800
Perinatalmedizin in Bildern
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erfolgreiche Kardioversion bei neonatalem Vorhofflattern

Sophia Apostolidou
1  Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
,
Fridrike Stute
2  Klinik für Kinderkardiologie
,
Manuela Tavares-de-Sousa
3  Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
Kurt Hecher
3  Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
Florian Arndt
2  Klinik für Kinderkardiologie
,
Rainer Kozlik-Feldmann
2  Klinik für Kinderkardiologie
,
Dominique Singer
1  Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
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Publication History

Publication Date:
07 August 2018 (online)

Fallpräsentation

Reifes männliches Neugeborenes, Gestationsalter 39+0 Schwangerschaftswochen (SSW), Geburtsgewicht 4200 g, Nabelarterien-pH 7,31, APGAR 9/10/10. Geburt per primärer Sectio bei bekannter fetaler Tachykardie. Die Herzfrequenz lag postnatal bei 220/min; die „probatorische“ Gabe von Adenosin führte nicht zur Konversion in regulären Sinusrhythmus. Die pränatale Verdachtsdiagnose Vorhofflattern ließ sich im 12-Kanal-EKG bestätigen: Die Kammerfrequenz betrug (unter postnataler Fortsetzung der intrauterin begonnenen Flecainid-Therapie) 160/min, die Vorhoffrequenz 320/min mit überwiegender 2:1-Überleitung ([Abb. 1a]). Durch Adenosin kam es zur Demaskierung des Vorhofflatterns mit typischem Sägezahnmuster ([Abb. 1b]). Nach Ausschluss eines Herzvitiums und intraatrialer Thromben erfolgte bei persistierender Tachykardie die elektrische Kardioversion unter Analgosedierung. Ein erster Versuch mit 1 J/kg (4 J) zeigte keinen Effekt; die Wiederholung mit 1,5 J/kg (6 J) führte zur Konversion in stabilen Sinusrhythmus ([Abb. 1c]). Im Verlauf zeigte sich eine supraventrikuläre Extrasystolie, weshalb eine antiarrhythmische Therapie mit Propafenon 3×70 mg/m² angeschlossen wurde.

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Abb. 1 Neonatales Vorhofflattern, EKG-Standardableitungen I–III, Papiervorschubgeschwindigkeit 50 mm/sec. a Nativer Befund, tachykarde Kammerfrequenz um 160/min. b Unter Adenosin kommt es durch vorübergehende Blockade der av-Überleitung zur Demaskierung des „sägezahnförmigen“ Vorhofflatterns, Vorhoffrequenz um 320/min, durch 2:1-Überleitung ergibt sich daraus die vorgenannte Kammerfrequenz. c Nach erfolgter elektrischer Kardioversion ist der Sinusrhythmus wiederhergestellt; die Herzfrequenz liegt jetzt um 120/min.

Bereits mit 35+1 SSW war bei der 40-jährigen Erstgravida mit leerer Familien- und Eigenanamnese und zuvor unauffälligem Schwangerschaftsverlauf ein schwer ableitbares Cardiotokogramm (CTG) aufgrund einer fetalen Tachykardie aufgefallen. Nach stationärer Aufnahme zeigte sich in der Sonographie ein zeitgerecht entwickelter Fet mit unauffälliger Herzanatomie und Verdacht auf supraventrikuläre Tachykardie. Die fetale Herzfrequenz lag um 210/min. Dem M-Mode war ein Vorhofflattern mit einer atrialen Frequenz um 440/min und überwiegender 2:1-Überleitung zu entnehmen ([Abb. 2]). Nach kardiologischer Abklärung der Schwangeren wurde eine antiarrhythmische Therapie mit Flecainid (2×100 mg, nach zwei Tagen auf 3×100 mg gesteigert) initiiert. Ab 36+0 SSW war erstmalig ein CTG mit einer Baseline von 178/min ableitbar, im weiteren Verlauf stellte sich eine Kammerfrequenz um 159/min ein. Darunter zeigte sich ein unauffälliges fetales Wachstum ohne Hydropszeichen.

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Abb. 2 Pränataler Ultraschallbefund: Man erkennt die mit einer Frequenz von ca. 440/min flatternden Vorhöfe und die Tachykardie/Tachyarrhythmie auf Ventrikelebene (Kammerfrequenz ca. 210/min). Das rechte Atrium (RA) wirkt balloniert, das Vorhofseptum ist zur linken Seite ausgewölbt.