Rehabilitation (Stuttg) 2020; 59(01): 48-53
DOI: 10.1055/a-0835-2990
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

…und jetzt auch noch reiten? Fallbericht zur Behandlung eines Kleinkindes im Syndrom reaktionsloser Wachheit

… and Riding as Well? Case Report about the Treatment of an Infant with Unresponsive Wakefulness Syndrome
Inga Steppacher
1  Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Abteilung für Psychologie, Affektive Neuropsychologie, Universität Bielefeld
,
Johanna Kissler
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
11. Februar 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Zahl der Menschen, die schwerstbehindert Unfälle oder Geburtskomplikationen überleben, steigt aufgrund verbesserter medizinischer Möglichkeiten stetig, nicht jedoch das wissenschaftlich gesicherte Wissen um geeignete Therapiemaßnahmen. Verschiedene Veröffentlichungen beschreiben die Reittherapie bereits als effiziente zusätzliche Therapiemethode, ob sie jedoch bei schwerster Behinderung mit Beatmungspflicht eingesetzt werden kann, ist bis jetzt noch ungeklärt.

Methode In dieser Einzelfallstudie wurde ein schwerstbehindertes Kleinkind mit dem Syndrom reaktionsloser Wachheit exemplarisch untersucht. Wir untersuchten den Effekt des Reitens auf Muskelspannung, Gelenkbeweglichkeit und Herzfrequenz.

Ergebnisse Die erwarteten Effekte des Reitens auf Muskeltonus, Gelenkbeweglichkeit und Herzfrequenz zeigten sich deutlich. Es ergaben sich signifikante Verbesserungen im Zustand des Kindes im Hinblick auf alle untersuchten Aspekte. Zusätzlich ergab sich ein eher unvermuteter Effekt auf die Notwendigkeit der Sauerstoffgabe und die Eigenatmung des Kindes. Während des Reitens atmete das Kind selbständig, die zusätzliche Gabe von Sauerstoff war nicht notwendig.

Schlussfolgerung Die Reittherapie zeigte auch bei unserer schwerst und mehrfach geschädigten Patientin positive Effekte und erwies sich hier als sinnvoller zusätzlicher Therapieansatz.

Abstract

Background There is a growing number of children surviving birth complications with severe, multiple disabilities. Unfortunately, this is not paralleled by equal growth in knowledge about adequate therapeutic approaches. Some publications showed that Hippotherapy could, under certain circumstances, be a very useful complimentary therapy for a range of disabilities. But it remains unclear if riding could even help a quadriplegic individual with multiple brain damage and tracheal ventilation.

Method In this case study we examined the effect of horse riding on the mobility of joints and heart rate in a little girl with multiple disabilities.

Results We found a statistically significant increase in joint mobility and a significant decrease in the heart-rate (down to a normal resting frequency). We also had a rather unexpected effect of the hippotherapy. Namely, while on horseback, the girl demonstrated a sufficient spontaneous breathing. No additional oxygen was needed.

Conclusion Horse-back riding helped our patient to reduce her symptoms. Therefore, it showed clear positive effects even for a girl with severe and multiple disabilities.