DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2019; 17(04): 33-37
DOI: 10.1055/a-0957-6326
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Osteopathie bei somatoformen Störungen – Systematisches Review

Emanuel Amier Diekmann
1  MSc. Ost., Osteopathie Diekmann, Zürich
,
Jan Porthun
2  Ass. Prof., NTNU – Norwegian University of Science and Technology (Campus-Gjøvik)
,
Felix Dietz
3  Dr. med., Facharzt für Innere Medizin, Berlin
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Publication Date:
12 September 2019 (online)

Abstract

Titel der Arbeit: Osteopathie bei somatoformen Störungen – Systematisches Review. Verfasser: Emanuel Amier Diekmann MSc., Jan Porthun, MMMSc, Dr. med Felix Dietz

Keywords: Osteopathie, Somatoform Disorders, TMD, somatoforme Störung, Kiefergelenkstörung, muskuloskelettale Manipulation.

Hintergrund: Psychische Störungen können die Ursache für verschiedene muskuloskelettale Beschwerden sein. Vor allem im Bereich der somatoformen Störungen, einer Sonderform der psychischen Störungen, wird davon ausgegangen, dass sie körperliche Symptome verursachen. Dadurch werden somatoforme Störungen (ICD-10: F45) zu einem wichtigem Thema in der Osteopathie. Die Prävalenz wird auf ca. 7% geschätzt [7], [8]. Die medizinische Versorgung der Betroffenen ist sehr zeit- und kostenintensiv. Die derzeit empfohlene psychologische Therapiestrategie ist aus ökonomischer Sicht nicht effektiv, deshalb besteht ein Bedarf für neue Therapiestrategien. Eine neue Strategie könnte sich aus dem psychobiologischen Filtermodell ergeben – einem Erklärungsmodell für somatoforme Störungen.

Ziel der Studie: In dieser Arbeit wurde untersucht, ob somatoforme Störungen mit Osteopathie behandelt werden können.

Methode: Im 1. Arbeitsschritt wurde nach Hinweisen für das Bestehen von somatoformen muskuloskelettalen Störungen gesucht, in einem weiteren nach Wirksamkeitsnachweisen für muskuloskelettale Manipulationen bei somatoformen muskuloskelettalen Störungen. Hierzu wurden 2 systematische Literaturrecherchen in PubMed, Cochrane Libary, PsycINFO und PEDro im Publikationszeitraum 2012 – 2018 durchgeführt. Zusätzlich wurden die theoretischen Hinweise aus dem psychobiologischen Filtermodell aus osteopathischer Sicht diskutiert.

Ergebnis: Es gibt verschiedene Studien, die muskuloskelettale Störungen wie Rückenschmerzen (ICD-10: M54.50) und Kiefergelenkstörungen TMD (ICD-10: K07.6) als Symptom einer somatoformen Störung beschreiben. Das psychobiologische Filtermodell diskutiert biopsychische Schlüsselfaktoren für das Krankheitsgeschehen bei somatoformen Störungen. Es nennt zum einen Substanzen, wie Kortisol, Serotonin, Zytokine, Aminosäuren, und zum anderen das Aktivitätsniveau des autonomen Nervensystems. Es konnten Studien zu osteopathischen Techniken gefunden werden, die diese Schlüsselfaktoren beeinflussen können, wie z. B. thorakale bzw. zervikale Manipulationen, subokzipitale Dekompressionen oder lymphatische Techniken.

Studien mit konkreten Wirksamkeitsnachweisen zu muskuloskelettalen Manipulationen bei somatoformen Störungen konnten durch die Recherche in dieser Arbeit jedoch nicht gefunden werden.

Schlussfolgerung: Das Krankheitsgeschehen von somatoformen Störungen wird durch das autonome Nervensystem und biopsychische Substanzen beeinflusst. Es gibt Hinweise dafür, dass diese Faktoren mit Osteopathie reguliert werden können. Diese Arbeit sieht ein großes Potenzial für die osteopathische Behandlung von somatoformen Störungen.