Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2020; 55(06): 368-380
DOI: 10.1055/a-0967-1290
Topthema
CME-Fortbildung

Desinfektion, Waschen, Kleben: Vermeiden von Infektionen auf der Intensivstation

Disinfection, Bathing, Dressing: Avoiding Infections in the Intensive Care Unit
Jochen Steiner

Zusammenfassung

Von den 400 000 – 600 000 Patienten mit nosokomialen Infektionen pro Jahr in Deutschland versterben ca. 10 000 – 15 000 an deren Folgen. Vermutlich 20 – 30% der nosokomialen Infektionen wären durch gezielte Maßnahmen vermeidbar [1]. Dies zeigt, wie dringend erforderlich hygienisch einwandfreies Arbeiten auf der Intensivstation ist. Dieser Beitrag zeigt die wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung nosokomialer Infektionen auf.

Abstract

In German intensive care units, 10 000 to 15 000 patients die annually due to nosocomial infections. Estimated 20 to 30% of these infections are preventable. Disinfecting is one of the most effective measures to avoid these infections. Hand disinfection in particular is one of the most important components to prevent infections. Another tool is whole body bathing, but it is rarely used in intensive care units. Antiseptics-impregnated dressings represent a further possibility for reducing device-associated infections. However, recently there has been an increase in reports of resistance not only to antibiotics but also to antiseptics. Proper hygienic work and the rational use of antiseptics is a requirement for avoiding nosocomial infections and can reduce the development of resistance.

Kernaussagen
  • Basishygiene ist der Grundpfeiler, um Infektionen auf der Intensivstation zu verhindern. Sie verhindert das Übertragen von Keimen auf den Patienten. Wichtigste Einzelmaßnahme ist die sorgfältige Händehygiene.

  • Desinfektion verhindert das Einbringen von Keimen in den Patienten bei der Insertion von Kathetern, bei Medikamentengabe über einliegende Katheter und Probenentnahmen aus den Devices. Die Anzahl der Abnahmen ist auf das Notwendige zu beschränken.

  • Waschen mit Antiseptika reduziert die Anzahl der auf dem Patienten befindlichen Keime und kann somit die Gefahr der katheterassoziierten Infektionen reduzieren. Vor dem Hintergrund einer möglichen Resistenzbildung ist die Indikation streng zu stellen.

  • Eine Dekontamination des Naso- und Oropharynx ist bei Hochrisikopatienten sinnvoll.

  • Kleben reduziert die Keimzahl im Bereich von Katheter-Eintrittsstellen und verlangsamt die Geschwindigkeit einer erneuten Keimbesiedelung. Somit kann die Gefahr der katheterassoziierten Infektionen reduziert werden.

  • Die prophylaktische Gabe von Antibiotika wegen einliegender Katheter ist nicht indiziert. Kommt es trotz Beachtung aller Punkte zu einem Keimnachweis, sollte nur bei Vorliegen einer Infektion, nicht aber bei einer Kolonisation eine Antibiose verabreicht werden.

  • Die Indikation zur Anlage der Devices sollte streng gestellt werden; die Indikation, sie zu belassen, jeden Tag genau überprüft werden.

  • Aufgrund gehäuft auftretender Meldungen über eine durch Chlorhexidin verursachte Resistenzentwicklung und unerwünschte Nebenwirkungen sollte das Antiseptikum nur in ausgewählten Situationen (nachgewiesener Vorteil für den Patienten) eingesetzt werden.

  • Auch bei Octenidin sollte eine engmaschige Surveillance der Resistenzbildung erfolgen.



Publication History

Publication Date:
26 June 2020 (online)

Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York