Dialyse aktuell 2020; 24(01): 21
DOI: 10.1055/a-0972-4959
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© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Hämodynamik bei Dialysepatienten

Ferruh Artunc
1  Tübingen
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Publikationsdatum:
11. Februar 2020 (online)

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Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe der „Dialyse aktuell“ befasst sich mit der Hämodynamik, die im Mittelpunkt einer jeden HD-Behandlung (HD: Hämodialyse) steht. Dabei ist eine ungestörte Hämodynamik Voraussetzung für die Verträglichkeit und Sicherheit bei jeder HD. Die Hämodynamik wird bei HD-Patienten durch das Vorhandensein eines Gefäßzugangs sowie dem extrakorporalen Kreislauf komplex. Als Gefäßzugang dient in den meisten Fällen ein arteriovenöser Shunt, der – hämodynamisch gesprochen – einen unphysiologischen Kurzschluss darstellt und für die Durchführung einer HD einen ausreichenden Fluss bereitstellen muss. Während der HD kann die Hämodynamik durch Veränderungen des Blutvolumens oder des Gefäßwiderstands akut gestört werden.

Für die Sicherstellung einer ungestörten HD-Behandlung ist es notwendig, die Hämodynamik engmaschig zu überwachen. Dazu wird in den meisten Fällen ein Monitoring der Herzfrequenz und des Blutdrucks herangezogen. Diese Parameter hängen allerdings nur indirekt mit der Hämodynamik zusammen und bilden deren Veränderungen nicht gut ab. Zur verbesserten Diagnostik der Hämodynamik sind apparative Ansätze wie die Messung des Blut- oder Shuntvolumens oder des Trockengewichts entwickelt worden, welche die Dialysepraxis optimieren können.

Im ersten Beitrag gehen Dr. Joachim Kron et al., Berlin, auf die Messung des absoluten Blutvolumens ein, die sie selbst entwickelt haben. Dieses kann mit den gegenwärtig vorhandenen Dialysegeräten bestimmt werden und eignet sich zum Monitoring der Ultrafiltration. Die Autoren können zeigen, dass eine HD mit der Bewahrung eines adäquaten Blutvolumens sicher ist und nur bei der Unterschreitung eines unteren Schwellenwerts eine hämodynamische Instabilität mit Blutdruckabfall auftritt.

Im Artikel zur Shuntflussmessung gibt Dr. Stefanie Haag eine Übersicht über die Methoden zur apparativen Messung des Shuntflusses. Das Monitoring des Shuntflusses dient zur Früherkennung von Shuntstenosen, die im Weiteren zu Shuntverschlüssen führen können, und/oder der Erkennung eines zu hohen Shuntflusses, der eine kardiale Belastung darstellt und eine Herzinsuffizienz begünstigen kann. Der Beitrag stellt die derzeit gebräuchlichen Methoden zur Messung des Shuntflusses dar und beleuchtet die Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren.

Das Schwerpunktthema wird durch den Artikel „Volumenstatus bei Dialysepatienten – Einschätzung und Bedeutung von Überwässerung in der Praxis“ von Dr. Anja Schork, Tübingen, abgerundet. Die korrekte Einschätzung des Volumenstatus ist eine Kernkompetenz in der Betreuung von Dialysepatienten und gelingt am besten unter Bewertung aller zur Verfügung stehenden klinischen und apparativen Befunde. Die Bandbreite der Methoden zur modernen Einschätzung des Volumenstatus wird in dem Beitrag übersichtlich dargestellt und gewürdigt.

Die renale Restfunktion ist eine wichtige Determinante der Prognose von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Nach Einleitung einer Dialysetherapie kommt es bei HD-Patienten oft zu einem Rückgang der Restfunktion bis hin zur Anurie. Als eine der Ursachen wurde der Volumenentzug mit konsekutiver Drosselung der Nierenperfusion angenommen. Die im „Journal-Club“ vorgestellte Arbeit aus der Arbeitsgruppe um Christopher McIntyre, die zuvor mit der Beschreibung der Minderdurchblutung des Herzens während HD Aufsehen erregt hat, zeigt zum ersten Mal mittels Bildgebung, dass die Nierenperfusion durch die HD tatsächlich abnimmt – und dies bereits während der HD.