CC BY-NC-ND 4.0 · Balint 2019; 20(03): 75-78
DOI: 10.1055/a-0978-3926
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Parasitäre Beziehungen[1] und aktives Leiterverhalten in der Balintgruppe – mit besonderem Bezug zu den theoretischen Annahmen von W. R. Bion

Parasitic Relationship and Active Leadership in the Balint Group – with Special Reference to Theoretical Considerations of W. R. Bion
Ulrich Rüth
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Publication Date:
20 September 2019 (online)

  

Zusammenfassung

Anhand eines komplexen Fallberichts aus der Balintgruppe wird das Konzept der parasitären Beziehung nach Bion aufgegriffen, bei welcher Denken und Entwicklung zerstört werden und eine Alpha-Funktion zur Transformation gemachter Erfahrungen nicht mehr zur Verfügung steht. Ausgehend von der Überlegung, dass eine parasitäre Beziehung gar keine übliche Arzt-Patienten-Beziehung mehr darstellt, wird ein aktives Leiterverhalten beschrieben, um die über Spiegelungsphänomene in der Gruppe verloren gegangene Alpha-Funktion zu ersetzen und die parasitäre Verstrickung aufzulösen.

Abstract

Referring to a complex Balint case, the parasitic container-contained relationship is discussed, where thinking is destroyed and the Alpha-function is no longer available. On the basis that a parasitic relationship isnʼt a patient-doctor-relationship any more, an active leadership behaviour is described, aiming at reinstalling the lost Alpha-function, targeting at the resolution of the parasitic entanglement.

1 W. R. Bion (1897–1979) entwickelte seine in diesem Artikel aufgegriffenen Vorstellungen von parasitären Beziehungskonstellationen vor etwa 60 Jahren. Im deutschen Sprachraum wirkt der Begriff des Parasitären im Zusammenspiel mit unseren, historisch vor Bion liegenden gesellschaftlichen Verwerfungen und Greueltaten besonders problematisch. Um die Denk-Ansätze Bions nachvollzieh- und nutzbar zu machen, wurde trotz allem gerade diese spezifische Begrifflichkeit Bions unverändert aufgegriffen.