Gastroenterologie up2date 2020; 16(04): 367-385
DOI: 10.1055/a-1060-1966
Ösophagus/Magen/Duodenum

Akute Gastroenteritis im Kindes- und Erwachsenenalter

Carolin Friederike Manthey
,
Jan Beime
,
Sebastian Schulz-Jürgensen

Die häufigste Ursache für eine infektiöse Diarrhö sind virale Infektionen. Bei einer Diarrhö gilt es jedoch stets, zahlreiche Aspekte – wie Dauer der Diarrhö, ambulant oder nosokomial erworben, Alter des Patienten – zu beachten. In diesem Beitrag werden epidemiologische Daten, Diagnostik, Therapie und eine Diskussion der wichtigsten Erreger der infektiösen Diarrhö bei Kindern und Erwachsenen dargestellt.

Kernaussagen
  • Eine ambulant erworbene Diarrhö ist meist selbstlimitierend und eine mikrobiologische Diagnostik nicht notwendig.

  • Die Inzidenz der schweren gastrointestinalen Infektion, die stationär behandelt werden muss, ist jedoch zunehmend, u. a. durch eine Zunahme der CDI-Infektionen.

  • Bei Vorhandensein von bestimmten Risikofaktoren kann eine mikrobiologische Diagnostik indiziert sein. Dann ist eine einmalige Stuhlprobe auf die Erreger der ambulanten Diarrhö und bei Risikofaktoren auch auf C. difficile zu untersuchen.

  • Die Therapie der akuten Diarrhö besteht hauptsächlich in der Flüssigkeitssubstitution, möglichst oral.

  • Loperamid kann bei nicht blutigen Diarrhöen von Jugendlichen und Erwachsenen kurzfristig eingenommen werden, Probiotika haben keinen belegten Stellenwert. Im pädiatrischen Bereich besteht bei stärkeren Durchfällen eine Therapieoption mit Racecadotril.

  • Eine empirische Antibiose kann bei Risikofaktoren bei Erwachsenen eingesetzt werden, dann je nach (Reise-)Anamnese mit Azithromycin oder Ciprofloxacin; im pädiatrischen Setting zurückhaltender (Fieber und Entzündungszeichen) und typischerweise erst nach Erregernachweis.

  • Eine infektiöse Diarrhö im Krankenhaus wird in den meisten Fällen durch C. difficile verursacht. Die Diagnostik besteht aus EIA (GDH, Toxin) und ggf. anschließender PCR für eines der C.-difficile-Toxine.

  • Bei CDI wird der therapeutische Erfolg klinisch bestimmt, eine „Negativtestung“ zur Entisolierung ist nicht nötig.

  • Bei einer CDI kommt Vancomycin, bei einem Rezidiv Vancomycin oder Fidaxomicin zum Einsatz. Die Stuhltransplantation stellt weiterhin einen individuellen Heilversuch dar, jedoch mit hohen Erfolgsraten bei multiplen CDI-Rezidiven.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
02. Dezember 2020 (online)

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