Psychother Psychosom Med Psychol 2020; 70(02): 80-85
DOI: 10.1055/a-1070-9415
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Soziale Unterstützung oder soziale Ansteckung? Wie sich Betroffene mit Essstörungen im stationären und Wohngruppensetting gegenseitig beeinflussen

Social Support or Social Contagion? How Patients with Eating Disorders in Inpatient Settings Affect Each Other
Eva Wunderer
1   Fakultät Soziale Arbeit, Hochschule Landshut
,
Christine Moll
1   Fakultät Soziale Arbeit, Hochschule Landshut
,
Theresa Kaltenhauser
1   Fakultät Soziale Arbeit, Hochschule Landshut
› Author Affiliations
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Publication History

eingereicht 23 July 2019

akzeptiert 25 November 2019

Publication Date:
05 February 2020 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Zusammenzuleben mit anderen Betroffenen kann für Menschen mit Essstörungen soziale Unterstützung bieten. Doch es sind auch soziale Ansteckungsprozesse möglich, wenn Konkurrenz entsteht und sich die Betroffenen in ihrer Symptomatik gegenseitig zu überbieten versuchen.

Methode In 2 qualitativen Studien wurden insgesamt 19 weibliche Betroffene im stationären Kontext bzw. Wohngruppensetting zu ihren Erfahrungen befragt.

Ergebnisse Die inhaltsanalytische Auswertung der problemzentrierten, leitfadengestützten Interviews zeigt Chancen, aber auch Risiken, gerade in reinen Essstörungs-Gruppen.

Diskussion Es scheint wichtig, dass eine Etikettierung von Betroffenen („die Esssgestörten“) und eine Fokussierung auf die Symptomatik vermieden, die Individualität und der Genesungswunsch gestärkt sowie Ansteckungsprozesse reflektiert werden.

Abstract

Objective Living with others can provide social support for people with eating disorders. However, peer contagion is possible if competition arises and patients try to outdo each other in their symptomatic behavior.

Method In 2 qualitative studies, a total of 19 female patients were interviewed about their experiences in an inpatient setting.

Results The qualitative data analysis of the problem-focused, semi-structured interviews shows opportunities but also risks; especially in groups exclusively for eating disorders.

Discussion It is important to avoid labeling and focusing on symptoms, to strengthen individuality and readiness to recover, as well as to reflect peer contagion.