TumorDiagnostik & Therapie 2020; 41(01): 45-54
DOI: 10.1055/a-1080-7718
Thieme Onkologie aktuell
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Praktikabilität und Leistungsfähigkeit von E-Health-Anwendungen bei der Erhebung von Patient-Reported Outcomes: Forschungsstand und -bedarf

Practicability and efficiency of E-health applications in patient-reported outcomes: state of and need for research
Joachim Graf
1  Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
2  Forschungsinstitut für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
3  Studiendekanat der Medizinischen Fakultät Tübingen, Tübingen
,
Beatrice Moreno
4  Funktionsbereich Public Health, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
5  Fachbereich 1, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Berlin
,
Markus Wallwiener
6  Abteilung für Allgemeine Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
Karina Menzel
5  Fachbereich 1, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Berlin
,
Sara Y. Brucker
1  Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
2  Forschungsinstitut für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
,
Elisabeth Simoes
1  Department für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
2  Forschungsinstitut für Frauengesundheit, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
7  Stabstelle Sozialmedizin, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
31 January 2020 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie E-Health-basierte Technologien spielen auch bei der Erhebung von Patient-Reported Outcomes (ePRO) eine zunehmende Rolle. Unklar bleibt jedoch, wie praktikabel und leistungsfähig E-Health-Anwendungen bei der Erhebung von PRO sind. Untersucht werden sollte daher, inwiefern die Voraussetzungen für den Einsatz von technikbasierten PRO-Instrumenten bereits erforscht sind, um einen breiten Einsatz in der „E-Health-Welt“ zu erlauben. Konkret soll festgehalten werden, welcher Forschungstand zur Praktikabilität und Leistungsfähigkeit sowie zur technischen Umsetzung besteht. Weiterhin soll untersucht werden, wie sich die grundlegenden rechtliche Vorgaben zur Durchführung von PRO-Befragungen gestalten, und inwiefern die Herausforderungen von ePRO hier bereits Einklang gefunden haben.

Methodik Literaturstudie: Selektive Literaturrecherche in Pubmed sowie in den Datenbanken von DIMDI, G-BA, FDA und EMA.

Ergebnisse Der Forschungsstand zu Hürden, Akzeptanz und Nutzenbereitschaft in Abhängigkeit von soziodemografischen Faktoren, Gesundheitsstatus und Technik-Skills ist gering, ebenso zur technischen Umsetzung. Die Vorgaben für ePRO seitens der Normengeber beschränken sich nur auf die Zusammensetzung des Erhebungsinstruments und methodische Gütekriterien. Die Voraussetzungen für einen breiten Einsatz von ePRO zwecks Ausrichtens therapeutischer Maßnahmen sind bisher nicht gegeben.

Schlussfolgerung Die Vorgaben des Normengebers müssen spezifiziert und auf die Bedürfnisse von ePRO angepasst werden. Da die Gestaltung der Tool-Oberfläche und der Grad der Usability Einfluss auf das Antwortverhalten der Patienten nehmen können, sollten im Rahmen der Implementierung insbesondere die Reliabilität und die Validität von ePRO-Erhebungen in Relation zu das Antwortverhalten determinierenden Patienten-, Krankheits-, Fragebogen- und ePRO-spezifischen Variablen fokussiert und rechtlich fixiert werden, um die Aussagekraft von PRO-Erhebungen nicht zu gefährden.

Abstract

Aims E-health-based technologies also play an increasing role in the collection of patient-reported outcomes (ePRO). However, it remains unclear how feasible and powerful e-health applications are in the collection of PRO.Therefore, it should be examined to what extent the requirements for the use of technology-based PRO instruments has already been explored in order to allow its broad use in the “e-health world”. Specifically, the research focus is on practicability, capability and technical implementation of ePRO. The design of the basic legal requirements for the conduct of PRO interviews and how the challenges of ePRO have already been harmonized here need to be examined.

Methods Literature study: selective literature research in Pubmed as well as in the databases of DIMDI, G-BA, FDA and EMA.

Results Current scientific knowledge about hurdles, acceptance and usefulness in relation to sociodemografic factors, health status and technical skills as well as about technical implementation is low. The legal standards for ePRO are restricted only to the composition of the survey instrument and methodology quality criteria. There are no prerequisites for a broad use of ePRO, which is why therapeutic measures should not be based on them.

Conclusion The standards of the legislators must be specified and adapted to the requirements of ePRO. Because the design of the tool surface and the rate of usability can influence the response behavior of the patients, the focus should be on the reliability and validity of ePRO surveys in the context of their implementation in relation to the patients, disease, questionnaire and ePRO-specific variables, which determine the response behavior, in order not to endanger the meaningfulness of PRO surveys.