„Diese Leute in Stockholm sollten sich klarmachen, dass eine Zeitdifferenz von 9 Stunden
zwischen Schweden und Kalifornien besteht. Es ist eine schreckliche Sache, einen Menschen
anzurufen, bevor er gefrühstückt hat.“ Dies sagte der deutsche Biophysiker Max Delbrück
am 13. Oktober 1969 vor Journalisten auf die Frage, was seine ersten Gedanken zur
Verleihung des Nobelpreises für Physiologie und Medizin waren. Der 1937 in die USA
emigrierte Genetiker war um kurz nach 5 Uhr in der Frühe vom schwedischen Verleihungskomitee
benachrichtigt worden. Ohne Zweifel die Koryphäe der modernen Genetik war und blieb
er ein bescheidener Mann. Auch in dem Moment, der für die Wissenschaft eine kleine
Sensation bedeutete. Denn Delbrück hatte als erster Physiker den Nobelpreis für Medizin
erhalten. Seine Entdeckungen über das Verhalten von Bakteriophagen waren so bahnbrechend
in der Erforschung von Viren und Viruserkrankungen, dass Delbrück als Gründer einer
neuen Wissenschaftsdisziplin geehrt wurde: der Molekularbiologie.