retten! 2020; 9(04): 238-245
DOI: 10.1055/a-1136-3774
Fit für den Notfallsanitäter

Epileptischer Krampfanfall – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung

Rico Kuhnke
,
Thomas Ahne

retten! macht Sie fit für den Notfallsanitäter: In jeder Ausgabe arbeiten wir anhand eines Fallbeispiels einen interessanten Einsatz algorithmenkonform auf. Anhand von exemplarischen Fragen zu erweiterten Notfallmaßnahmen, Kommunikation und Rahmenbedingungen können Sie sich auf die Ergänzungsprüfung vorbereiten – egal, in welchem Bundesland Sie arbeiten.

Kommentar

von Frank Flake, 2. Vorsitzender Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD)

Insbesondere bei einem aktiven Krampfanfall stellt das Legen eines peripher-venösen Zugangs das eingesetzte Personal vor eine besondere Herausforderung. Gerade in solchen Situationen ist die intranasale Applikation des notwendigen Medikaments eine hervorragende Option.

Bevor im Jahr 2005 das MAD-System eingeführt wurde, wurden Benzodiazepine vereinzelt mittels einer Spritze in die Nase appliziert. Leider wurde so selten der Bereich in der Nase erreicht, der eine schnelle Aufnahme des Wirkstoffs in das ZNS ermöglicht. Dazu müssen Medikamente in die sog. Regio olfactoria eingebracht werden. Von dort erreichen die Medikamente sehr schnell ihren Wirkort. Tim Wolfe, ein amerikanischer Notfallmediziner, hat das MAD-System zusammen mit einem Ingenieur entwickelt – eine segensreiche Erfindung, die heute aus der Notfallmedizin nicht mehr wegzudenken ist.

Bei der intranasalen Applikation von Benzodiazepinen treten, bei korrekter Dosierung, weniger Nebenwirkungen auf. Ebenso haben Wissenschaftler festgestellt, dass das Wiederauftreten von Krampfanfällen nach der intranasalen Applikation seltener vorkommt.

Die Nase des Menschen ist ein exponiertes Körperteil, das in den meisten Fällen gut erreicht werden kann – so auch bei einem aktiven Krampfanfall. Intranasal können aber nicht nur Benzodiazepine, sondern beispielsweise auch Analgetika appliziert werden. Gerade wenn sich Patienten in schwer zugänglichen Bereichen befinden, ist die intranasale Applikation ebenfalls eine hervorragende Applikationsform.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. September 2020 (online)

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