Journal Club AINS 2020; 09(03): 153-155
DOI: 10.1055/a-1166-7437
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Mehr postpartale Depressionen bei Sectio in Allgemeinanästhesie

Postpartale Depression ist ein bedeutendes Gesundheitsproblem von Müttern in den Vereinigten Staaten. Die berichtete Inzidenz hat sich in den letzten 15 Jahren versiebenfacht und betrifft nun bis zu einer von sieben Frauen. Vorliegende Daten suggerieren, dass die Allgemeinenanästhesie verglichen mit der Regionalanästhesie bei der Sectio caesarea mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für postoperative depressive Störungen verbunden ist. Bisher hat jedoch keine Studie spezifisch die möglichen protektiven Effekte einer rückenmarksnahen Anästhesie bei der Sectio auf die mütterliche mentale Gesundheit im Vergleich zur Allgemeinanästhesie evaluiert.

Fazit

Die Exposition gegenüber einer Allgemeinanästhesie bei der Sectio ist mit signifikant erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende postpartale Depression assoziiert, die eine Hospitalisierung erfordert, sowie mit suizidalen Gedanken und selbstverletzendem Verhalten. Es könnte ein Zusammenhang bestehen mit dem späteren ersten Hautkontakt zwischen Mutter und Kind durch die Allgemeinanästhesie und späterem Stillbeginn (Beeinträchtigung des Bondings) sowie einer verminderten Zufriedenheit der Mutter mit der Anästhesie. Allgemeinanästhesie erhöht außerdem das Risiko postoperativer Schmerzen, chronischer Schmerzen sowie einer längeren Erholungsphase nach der Geburt. Die Autoren nennen einige Limitation ihrer Studie: so z. B. das observationale Design, die mangelnden Angaben zur Sectio-Indikation (Notfall/elektiv) sowie fehlende Informationen zum neonatalen Outcome. Die vorläufigen Befunde ihrer Studie müssen durch weitere Studien bestätigt werden, so die Autoren. Sollte dies gelingen, unterstreicht dies nach Ansicht der Autoren die Notwendigkeit, die Allgemeinanästhesie bei der Sectio weiter zu reduzieren.



Publication History

Publication Date:
10 September 2020 (online)

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