Aktuelle Urol 2020; 51(03): 248
DOI: 10.1055/a-1170-6823
Leserbrief

Antwort auf den Leserbrief

Annette Schröder

Dass die Störung der Mini-Pubertät die einzige Ursache der Sub- oder Infertilitäts eines gewissen Teils der Patienten mit Maldescensus testis ist, wird nicht allgemein als erwiesen akzeptiert, zumal diese Theorie die Gruppe der sekundär aszendierten Hoden nicht berücksichtigt, die je nach Studie mehr als die Hälfte der Kinder umfasst, die einer Orchidopexie zugeführt werden müssen.

Es mag manchem schwer fallen, den Empfehlungen der Professoren Hadziselimovic und Höcht in aller Konsequenz Folge zu leisten, zumal die Behandlung mit einem LH-RH-Agonisten nach Vollendung des 1. Lebensjahres ausdrücklich nicht mehr empfohlen ist. Dass die Hormonbehandlung bei bilateralem Hodenhochstand weiterhin zu diskutieren ist, zeigt auch eine im April publizierte Studie [1], in der eine Subgruppe von Kindern mit Maldescensus testis – fast alle mit bilateralem Maldeszensus – sowohl laborchemisch (FSH, LH, Inhibin B) als auch histologisch ein schlechteres Fertilitätspotential zeigte. Die Autoren empfehlen eine routinemäßige bilaterale Hodenbiopsie (so wie auch die Professoren Hadziselimovic und Höcht) bei jeder – auch nur unilateraler – Orchidopexie, als auch eine laborchemische Untersuchung, um die Patienten zu identifizieren, die von einer hormonellen Behandlung profitieren könnten. Inwieweit die Wertigkeit und Risiken einer solchen bilateralen Biopsie außerhalb von Studien medizinisch und forensisch verantwortbar ist, ist schwer zu beantworten. Auch ist eine spezialisierte und standardisierte Labordiagnostik sicher nicht so flächendeckend gegeben, dass die Ergebnisse zuverlässig interpretiert werden können.



Publication History

Publication Date:
02 June 2020 (online)

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