PSYCH up2date 2021; 15(03): 219-235
DOI: 10.1055/a-1186-7030
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen

Nichtinvasive Hirnstimulationsverfahren in der Psychiatrie

Tobias Schwippel
,
Christian Plewnia

Das pharmakologische Instrumentarium zur Behandlung psychischer Erkrankungen hat sich seit der Entdeckung des Chlorpromazin als Antipsychotikum 1952 und der Entwicklung und Vermarktung der SSRI in den 1970er- und 1980er-Jahren nicht mehr fundamental erweitert. Mit dem zunehmenden Wissen um die hirnphysiologischen Prozesse psychischer Erkrankung bieten Methoden der nichtinvasiven Hirnstimulation hingegen neue und sichere Behandlungsoptionen.

Kernaussagen
  • Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) kann die Aktivität kortikaler Areale gezielt modulieren und adaptive neuroplastische Prozesse fördern.

  • Die rTMS ist nebenwirkungsarm und sehr gut verträglich.

  • Die rTMS Therapiedauer liegt bei 3–6 Wochen und kann mit Pharmako- und Psychotherapie kombiniert werden.

  • Die Wirksamkeit von hochfrequenter rTMS (hf-rTMS) des linken dorsolateralen Präfrontalkortex bei Depression ist durch mehrere multizentrische klinische Studien nachgewiesen.

  • Die Wirksamkeit der niederfrequenten rTMS (lf-rTMS) des linken temporo-parietalen Kortex bei auditorischen Halluzinationen ist bisher in kleineren kontrollierten Studien gezeigt. Laut aktueller S3-Leitlinie Schizophrenie sollte Patienten bei Therapieresistenz eine Behandlung angeboten werden.

  • Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) wurde bisher in einigen klinischen Studien zur Behandlung von Depression und Schizophrenie erfolgreich eingesetzt.

  • tDCS ist einfach zu applizieren und sehr gut verträglich, jedoch aufgrund noch fehlender Ergebnisse multizentrischer Studien außerhalb von Studien aktuell nicht zu empfehlen.



Publication History

Publication Date:
10 May 2021 (online)

© 2021. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany