Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2021; 56(06): 400-413
DOI: 10.1055/a-1214-4472
Topthema
CME-Fortbildung

Vasopressoren: Physiologie, Pharmakologie und klinischer Einsatz

Vasopressors: Physiology, Pharmacology and Clinical Applications
Marius Keller
,
Harry Magunia

Zusammenfassung

Vasopressoren kommen besonders in kritischen, nicht selten lebensbedrohlichen Situationen der Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin zum Einsatz. Die Wahl der geeigneten Substanz sowie die Erkennung und Beherrschung möglicher Nebenwirkungen sind von großer Bedeutung. Im folgenden Beitrag sollen daher die klinisch wichtigsten Substanzen vorgestellt und deren pharmakologische Charakteristika beleuchtet werden.

Vasopressoren kommen besonders in kritischen, nicht selten lebensbedrohlichen Situationen der Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin zum Einsatz. Die Wahl der geeigneten Substanz sowie die Erkennung und Beherrschung möglicher Nebenwirkungen sind von großer Bedeutung. Im folgenden Beitrag sollen daher die klinisch wichtigsten Substanzen vorgestellt und deren pharmakologische Charakteristika beleuchtet werden.

Abstract

Vasopressors are widely used in anaesthesiology and critical care medicine, to treat harmless (e.g. anaesthesia-induced hypotension) as well as life-threatening conditions (e.g. septic shock). Some clinically used vasopressors resemble endogenous substances – such as norepinephrine – while others have been artificially synthesized (e.g. phenylephrine). Most of the substances used in different clinical scenarios have various effects except for vasoconstriction alone. Therefore, a thorough understanding of the pharmacology and clinical profile of every single substance is of highest importance prior to practical usage. Furthermore, the fundamentals of vascular physiology and vasotonic regulation are mandatory to safely provide vasopressor-based therapies. This article covers the essentials of physiology and pharmacology of vasopressors, and the clinical settings they are used in (e.g. septic shock, vasoplegic shock after cardiac surgery, trauma-induced hypotension).

Kernaussagen
  • Vasopressoren kommen häufig in lebensbedrohlichen Situationen zum Einsatz. Der Umgang mit ihnen erfordert ein fundiertes Hintergrundwissen zu den einzelnen Substanzen und ihren klinischen Einsatzprofilen.

  • Fehl-, Über- oder Unterdosierungen von Vasopressoren können mitunter fatale Konsequenzen haben.

  • Die Wirkmechanismen der einzelnen Vasopressoren sind, wie auch die Regulation des Gefäßtonus, vielfältig und erklären die teils notwendigen Kombinationstherapien (z. B. Noradrenalin und Vasopressin beim septischen Schock mit schwerer Vasoplegie).

  • Für unkomplizierte anästhesieinduzierte Hypotensionen stehen einfache Hilfsmittel zur Verfügung (Kristalloidboli, Cafedrin/Theodrenalin).

  • Noradrenalin ist der Vasopressor mit dem breitesten klinischen Einsatzprofil, häufig Teil der First-Line-Therapie und zudem gut steuerbar.

  • Da die wenigsten Substanzen reine Vasopressoren sind, müssen deren andere Wirkungen bedacht und überwacht werden (z. B. Wasserretention bei ATII).

  • Bleibt ein Therapieerfolg einer vermuteten Vasoplegie auch bei hochdosierten Kombinationstherapien aus, müssen andere Ursachen (z. B. kardial, Hämorrhagie) in Betracht gezogen werden.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
29. Juni 2021

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