Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2020; 48(04): 268-274
DOI: 10.1055/a-1216-2300
Kasuistik

Blitzschlag auf der Pferdeweide – eine diagnostische Herausforderung?!

Lightning strike on a horse pasture – a diagnostic challenge?!
Melanie Stoff
Institut für Pathologie, Tierärztliche Hochschule Hannover
,
Wolfgang Baumgärtner
Institut für Pathologie, Tierärztliche Hochschule Hannover
,
Peter Wohlsein
Institut für Pathologie, Tierärztliche Hochschule Hannover
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Zusammenfassung

Die permanente oder temporäre Weidehaltung in den Sommermonaten stellt ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Todesfällen durch Blitzeinschläge dar. Obwohl Großtiere durch Körperbau und Weidehaltungsform besonders empfänglich für Schrittspannungseffekte infolge eines Blitzeinschlags in den Boden sind, gibt es in der veterinärmedizinischen Fachliteratur nur wenige publizierte Fälle. Oftmals erfolgt bei Blitzunfällen eine Durchströmung des Herzens, die in einem akuten Herz-/Kreislaufversagen resultiert. Dies geht in der überwiegenden Anzahl der Fälle entweder ohne morphologische Veränderungen oder mit sehr unspezifischen Läsionen einher. Bei Fehlen eindeutiger blitzbedingter Schädigungen des Tierkörpers stellt die ätiologische Diagnosestellung daher eine besondere diagnostische Herausforderung dar. Die Auswertung meteorologischer Daten, die Betrachtung des Weidestandorts und die Position des Tierkörpers beim Auffinden können hier Schlüsselinformationen zur Aufklärung eines durch Blitzschlag bedingten Todesfalls darstellen.

Dieser Fallbericht dokumentiert die Befunde bei einem 7-jährigen Vollblut-Wallach, der mit 3 weiteren Pferden als Gruppe beieinanderliegend tot auf der Weide aufgefunden wurde. Bei der pathologischen Untersuchung zeigte sich an der rechten Vorder- und Hintergliedmaße eine jeweils 2–3 mm breite Linie von versengten, aufgekräuselten Haaren. Histopathologisch wiesen diese Hautareale in der Epidermis sowie in den Haarfollikeln in Gruppen angeordnete elongierte Epithelzellen mit fischgrätenartiger Verlängerung der Zellkerne auf und in der Dermis lagen multifokal Koagulationen dermaler Proteine vor.

Abstract

During summer, permanent or temporary pasture keeping carries an increased risk of death caused by lightning strikes. Although – due to their body structure and pasture grazing – large animals are particularly susceptible to step voltage effects in consequence to a lightning strike to the ground there are only few published cases in the veterinary literature. Frequently in lightning-related accidents, a current flow through the heart occurs resulting in acute cardiac and circulatory failure. In the vast majority of cases, this is accompanied either by very unspecific lesions or even lacks any morphological alterations. Accordingly, the etiologic diagnosis in the absence of clear, lightning-related damage to the body represents a major diagnostic challenge. The evaluation of meteorological data as well as consideration of the pasture’s location and positioning of the body when found may provide further key information in the clarification of fatalities caused by lightning strikes.

This case report presents findings in a 7-year-old thoroughbred gelding found dead together with 3 other horses, all lying together in a group on the pasture. Pathological examination revealed a 2–3 mm wide line of singed, curled hair on the right front and hind limbs. Histologically, the pertaining skin areas displayed groups of elongated epithelial cells with herringbone-like elongation of the nuclei within the epidermis and the hair follicles. Coagulations of dermal proteins were present multifocally within the dermis.



Publication History

Received: 01 April 2020

Accepted: 12 June 2020

Publication Date:
21 August 2020 (online)

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