Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2021; 53(01): 19-24
DOI: 10.1055/a-1254-5631
Übersichtsartikel

Psychologische Aspekte von Dysgnathien und Fehlbildungen im Kiefer-Gesichtsbereich

Psychological Aspects of Dysgnathia and Malformations in the Maxillofacial Region
Jörg Handschel
1  Klinik für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie, Düsseldorf
,
Manuel Nienkemper
2  Kieferorthopädische Fachpraxis, Düsseldorf
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Zusammenfassung

Es ist offenkundig, dass Menschen mit einem abweichenden Erscheinungsbild außerhalb der Norm stehen und entsprechende Reaktionen aus ihrer Umwelt erfahren oder sich zumindest als abnormal, nicht zugehörig empfinden können. Besonders Veränderungen im Kopf- und Halsbereich sind prädestiniert, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Diese Veränderungen können angeboren oder erworben sein. Letztere resultieren oft aus einem Trauma oder den Folgen von chirurgischen Eingriffen nach Tumoroperationen (Head & Neck Cancer). Die psychologischen Auswirkungen zeigen sich oft in einem verminderten Selbstwertgefühl, einer erhöhten Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und einer erhöhten Angst vor negativen Reaktionen der Mitmenschen. Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten mit angeborenen und erworbenen Entstellungen gefunden.

Das Gesicht ist für den Menschen von existenzieller Bedeutung. Mit seiner Form, Mimik und sprachlichen Ausdrucksfähigkeit repräsentiert es nicht nur die individuelle Persönlichkeit, sondern die Reaktionen der Mitmenschen auf das Gesicht beeinflussen auch die soziale Identität der Person. Als Spiegel der Identität ist das menschliche Gesicht ein Vermittler wesentlicher Aspekte des zwischenmenschlichen Zusammenlebens.

Wer sich mit Dysgnathien, Gesichtsdeformationen/-krankheiten und -entstellungen befasst, muss auch die psychologische Bedeutung des Gesichts für den Patienten berücksichtigen und sich den mit der chirurgischen Behandlung verbundenen Konsequenzen stellen.

Abstract

Apparently, people with a different appearance are outside this norm and may experience corresponding reactions from their environment or at least feel themselves to be abnormal, not belonging. Malformations in the facial region are particularly noticeable, regardless of whether they have existed since birth or have been acquired – for example, through trauma. The latter often result from trauma or the consequences of surgery after tumor operations (Head & Neck Cancer). The psychological effects are often reflected in reduced self-esteem, increased dissatisfaction with one’s own appearance and increased fear of negative reactions from fellow human beings. No significant differences were found between patients with congenital and acquired disfigurements.

For human beings, the face is of existential importance. His personality is represented not insignificantly by facial expression and form. And the reactions of the social environment to this face also influence the psyche of the person. As a mirror of identity, the human face is a mediator of essential aspects of interpersonal coexistence. Anyone dealing with facial dysgnathia, deformities/diseases and disfigurements must also consider the psychological significance of the face for the patient and thus face the consequences associated with the surgical treatment.



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Publication Date:
29 March 2021 (online)

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