Hebamme 2020; 33(06): 13-14
DOI: 10.1055/a-1284-3110
Studienergebnisse

Subklinische Hypothyreose in graviditate: Lindert Thyroxin depressive Symptome?

Costantine MM. et al. Effect of Thyroxine Therapy on Depressive Symptoms among Women with Subclinical Hypothyroidism. Obstet Gynecol 2020; 135: 812–820. doi:10.1097/ AOG.0000000000003724

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der subklinischen Hypothyreose und depressiven Symptomen. Da ein beträchtlicher Anteil der Schwangeren an einer leichten Schilddrüsenunterfunktion leidet, stellt sich die Frage, inwiefern sich eine Thyroxinsubstitution günstig auf die Stimmung der werdenden Mütter auswirkt. Wissenschaftler aus den USA beschäftigten sich mit dieser Thematik anhand einer Zusatzanalyse von Studiendaten.

In die Analyse flossen 245 Schwangere mit einer subklinischen Hypothyreose ein, welche im Rahmen einer zwischen 2006 und 2009 an 15 US-Zentren durchgeführten Studie mit Thyroxin (n = 124) bzw. Placebo (n = 121) behandelt worden waren. Das übergeordnete Studienziel war die Beurteilung der kindlichen Intelligenzentwicklung im Alter von 5 Jahren. Mehrlingsschwangerschaften, fetale Fehlbildungen, eine manifeste Depression, weitere psychiatrische Erkrankungen, eine manifeste Schilddrüsenerkrankung, ein Diabetes sowie Autoimmunerkrankungen stellten Ausschlusskriterien dar. Eine subklinische Hypothyreose lag definitionsgemäß bei unauffälligen peripheren Schilddrüsenhormonwerten, aber erhöhtem Thyreotropin vor. Alle Frauen beantworteten nach der Randomisierung und vor Medikationsbeginn (zwischen 11 und 20 Schwangerschaftswochen), im 3. Trimenon (zwischen 32 und 38 Schwangerschaftswochen) sowie 1 Jahr nach der Geburt die „Center for Epidemiological Studies Depression Scale“ (CES-D). Als primären Studienendpunkt definierten die Forscher den maternalen Depressionsscore im 3. Trimenon. Ferner untersuchten sie unter anderem, wie viele Schwangere einen Punktwert ≥ 16 (positives Screening auf eine Depression) erzielten.

Ergebnisse

Die geplante Studiengröße von 150 Teilnehmerinnen wurde nicht erreicht. Die mit Levothyroxin und die mit Placebo behandelten Schwangeren unterschieden sich zu Studienbeginn weder bezüglich des medianen CES-D-Scores noch des Anteils der Frauen mit positivem CES-D-Screening (Punktwert ≥ 16). Die Hormonsubstitution ging im Vergleich zu Placebo weder mit einer signifikanten Verbesserung der medianen CES-D-Scores im 3. Trimenon einher (10 vs. 10; p = 0,46) noch verringerte sie die Wahrscheinlichkeit für ein positives Depressionsscreening im 3. Trimenon (24,3 vs. 30,1 %; Odds Ratio 0,75; 95 %-KI 0,41 – 1,37). Die Adjustierung bezüglich des Ausgangs-CES-D-Scores änderte an diesem Ergebnis nichts (adjustierte Odds Ratio 0,63; 95 %-KI 0,31 – 1,28). Ein Jahr nach der Geburt unterschieden sich die Interventions- und die Placebogruppe wiederum weder bezüglich der medianen CES-D-Scores noch – selbst bei Berücksichtigung des Ausgangspunktwerts – bezüglich des Anteils positiv getesteter Frauen.

Fazit

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Schwangere mit einer subklinischen Hypothyreose hinsichtlich der Stimmungslage nicht von einer pränatalen Thyroxinsubstitution profitieren, schlussfolgern die Wissenschaftler. Allerdings geben sie die unzureichende Power der Untersuchung zu bedenken. Angesichts der hohen Prävalenz depressiver Symptome im Studienkollektiv befürworten sie ein Depressionsscreening bei werdenden Müttern mit einer subklinischen Hypothyreose.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
13. Dezember 2020

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