„Ich bin ein Hungerkünstler!“, antwortete mir ein Patient auf
meine allgemeine Frage nach seinem Befinden. Im Rahmen einer fortgeschrittenen
Tumorerkrankung und der damit verbundenen Therapien hatte er nur noch wenig Nahrung
zu sich nehmen können und befand sich in einer Kachexie. Er spielt damit
direkt auf eine Erzählung von Franz Kafka an mit dem Titel „Ein
Hungerkünstler“. Kafka persifliert in seiner Erzählung eine
in den Jahrzehnten um die Wende zum 20. Jahrhundert in Europa aufgekommene
„Kunstform“, die großes mediales Echo hervorrief. Die
Hungerkünstler nahmen über mehrere Wochen keine Nahrung zu sich und
konnten währenddessen vom zahlenden Publikum beobachtet werden. Diese
Veranstaltungen waren häufig ein großer kommerzieller Erfolg
für die Hungerkünstler.