Allgemein- und Viszeralchirurgie up2date 2023; 17(06): 505-519
DOI: 10.1055/a-2198-7636
Allgemeine Chirurgie

Komplikationsmanagement: plastische Deckung an der unteren Extremität

Simon Heister
,
Nick Spindler
,
Stefan Langer

Der Plastischen Chirurgie kommt bei der Komplikationsbehandlung ein hoher Stellenwert zu, wenn aufgrund insuffizienter Haut-/Weichteilverhältnisse funktionelle Einbußen, eine gestörte Frakturheilung oder der Verlust einer Extremität drohen. Das abgestimmte operative Vorgehen zwischen Orthopäden/Unfallchirurgen und Plastischen Chirurgen kann Heilungsverläufe beschleunigen und Ressourcen schonen.

Kernaussagen
  • Offene Wunden stellen immer dann eine Gefahr für den Extremitätenerhalt dar, wenn Knochen, Sehnen, Gelenke oder Leitungsbahnen längerfristig exponiert werden.

  • Eine Minderperfusion des Knochens kann zur Entstehung von Knochensequestern führen. Die chronische Osteomyelitis als Spätkomplikation offener Verletzungen präsentiert sich nicht selten symptomarm in der klinischen Untersuchung und muss als Ursache schlecht heilender Wunden bedacht werden.

  • Instabiles Weichgewebe wird in Bezug auf das erforderliche Resektionsausmaß häufig unterschätzt. Zur Planung des Wundverschlusses empfiehlt es sich, die plastische Chirurgie frühzeitig in die Therapieplanung einzubinden.

  • Das Weilteilmanagement hat in der Traumatologie eine wichtige Bedeutung. In der Akutbehandlung sollten bei der klinischen Untersuchung neben der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität auch die Beschaffenheit des Haut-/Weichteilmantels beurteilt und dokumentiert werden. Hautkolorit, Rekapillarisierung, Gewebespannung, Blasen- und Hämatombildung können helfen, das Ausmaß einer Weichteilverletzung einzuschätzen.

  • Durch interdisziplinäre Absprache und Therapieplanung zwischen den einzelnen Fachrichtungen können Heilungsverläufe beschleunigt und Klinikressourcen geschont werden.

  • Die Indikation für freie Lappenplastiken, insbesondere am unteren Drittel des Unterschenkels, wird mit steigender Routine und Expertise in den Kliniken großzügiger gestellt. Bei Vorliegen von Risikofrakturen erfolgt häufig eine invasive Gefäßdiagnostik zur präoperativen Planung. Eine plastische Deckung kann erst über vollständig debridiertem Wundgrund durchgeführt werden.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
05. Dezember 2023

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