Zentralbl Chir 2026; 151(01): 110-120
DOI: 10.1055/a-2507-2712
CME-Fortbildung

Perioperatives Gerinnungs- und Antikoagulationsmanagement in der Thoraxchirurgie

Perioperative Coagulation and Anticoagulation Management in Thoracic Surgery

Authors

  • Narcisse Groß

  • Bernadette Kirzinger

  • Stephan Eggeling

Blutungs- und Thromboembolierisiken zählen zu den zentralen Herausforderungen der Thoraxchirurgie. Dieser CME-Beitrag beleuchtet das perioperative Gerinnungs- und Antikoagulationsmanagement und vermittelt praxisrelevante Grundlagen zu Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmern und Thromboseprophylaxe sowie zu besonderen klinischen Situationen.

Abstract

Bleeding and thromboembolism risks are among the key challenges in thoracic surgery. This CME article examines perioperative coagulation and anticoagulation management and provides practical information on anticoagulants, antiplatelet agents, and thrombosis prophylaxis, as well as specific clinical situations.

Kernaussagen
  • Unter DOAK-Therapie sind Standardgerinnungsparameter nicht wegweisend für eine Blutungsneigung. Präoperativ müssen die Präparate mindestens 48 h pausiert werden.

  • ASS kann weitergeführt werden, P2Y12-Inhibitoren sollten je nach Präparat 5–7 Tage präoperativ pausiert werden.

  • Präoperativ ist eine strukturierte Gerinnungsanamnese aussagekräftiger als Laborparameter.

  • Bei thoraxchirurgischen Eingriffen besteht ein erhöhtes Risiko für VTE; eine pharmakologische Thromboseprophylaxe wird bei allen Patient*innen nach anatomischer Lungenresektion oder nach Thorakotomie empfohlen, vorzugsweise mit NMH.

  • Die PDA erfordert eine strikte Anpassung der Antikoagulation zur Vermeidung spinaler Hämatome.

  • Postoperativ ist eine individuelle Entscheidung zur Wiederaufnahme der Antikoagulation notwendig – abhängig von Blutungsrisiko, Drainageförderung, Re-Interventionswahrscheinlichkeit, Thromboembolierisiko.

  • In der onkologischen Thoraxchirurgie existieren keine spezifischen Empfehlungen bezüglich einer postoperativen prolongierten Thromboseprophylaxe.

  • Besondere Situationen (Hämatothorax, Sepsis, HITHOC, angioplastische OP) erfordern ein engmaschiges Gerinnungs- und Drainagemanagement und ggf. den Einsatz von Tranexamsäure oder Fibrinolytika.

  • Beim Polytrauma mit thorakaler Beteiligung ist die TIK eine häufige und lebensbedrohliche Komplikation.



Publication History

Article published online:
16 February 2026

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