Zusammenfassung
1. Die von uns gefundenen Durchschnittswerte bei Gesunden entsprechen den von Linzenmeier
angegebenen Senkungszeiten.
2. Eine beschleunigte Senkungszeit spricht bei Ausschluß anderer die Senkungszeit
befördernder Erkrankungen mit Sicherheit für eine aktive Lungentuberkulose. Eine normale
Senkungszeit schließt eine aktive Tuberkulose nicht mit Sicherheit aus.
3. Die Senkungszeit gibt bei der Lungentuberkulose ein getreues Abbild von der augenblicklichen
Aktivität und dem anatomischen Charakter des Prozesses. Die stärksten Senkungsbeschleunigungen
finden sich bei den exsudativen, die geringsten bei den zur Latenz neigenden zirrhotischen
Formen. Kavernen verursachen in der Regel eine stärkere Senkungsbeschleunigung.
4. Für die Beurteilung der Prognose der Lungentuberkulose hat die Senkungsreaktion,
da sie uns nur etwas über den gegenwärtigen Krankheitszustand aussagt, bedingten Wert.
Stärkere Senkungsbeschleunigung bei fortgeschrittener Tuberkulose spricht für eine
ungünstige Prognose. In allen anderen Fällen, insbesondere bei beginnenden Tuberkulosen,
lassen sich aus der Senkungszeit nur prognostische Schlüsse ziehen, wenn wiederholte
Untersuchungen in längeren Zeitabständen vorgenommen worden sind. Zunahme der Senkungszeit
im Verlaufe einer längeren Beobachtungszeit bedeutet eine günstige Prognose.
5. Auffallend niedrige Werte fanden sich bei Exsudaten, es dürfen in solchen Fällen
keine prognostischen Schlüsse gezogen werden.
6. In differentialdiagnostischer Beziehung erweist sich die Senkungszeit als eine
wertvolle Ergänzung des übrigen klinischen Untersuchungsbefundes.
7. Die Beobachtung der Senkungszeit kann uns über die Wirksamkeit therapeutischer
Maßnahmen wichtige Anhaltspunkte geben.