PiD - Psychotherapie im Dialog 2009; 10(4): 319-324
DOI: 10.1055/s-0029-1223386
Aus der Praxis

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Achtung der Autonomie von KlientInnen in Hypnosetherapie und Kognitiver Verhaltenstherapie[1]

Ein Beitrag zu DivergenzPeter  Kaimer
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Publication History

Publication Date:
20 November 2009 (online)

Zusammenfassung

Zu Beginn findet sich ein knapper Aufriss dessen, womit ich regelmäßig in Erstkontakten an Erwartungen und Annahmen über die beiden genannten Therapieansätze konfrontiert werde. Dem stelle ich – ebenfalls nur skizzenhaft – meine Sicht der beiden Verfahren zur Seite. In fünf Punkten, welche sich an dem natürlichen Prozess der Therapie orientieren, wird herausgestellt, auf welche Weise ich mich darum bemühe, die Autonomie der KlientInnen nicht aus den Augen zu verlieren – diese im Gegenteil zur Wahrung und Wahrnehmung derselben zu ermutigen.

1 Ich danke Bernd Fricke, Wolfgang Loth und Anneliese Stadler, die erste Versionen dieses Artikels mit Wohlwollen gelesen und so manchen Vorschlag zur Verbesserung gemacht haben.

Literatur

1 Ich danke Bernd Fricke, Wolfgang Loth und Anneliese Stadler, die erste Versionen dieses Artikels mit Wohlwollen gelesen und so manchen Vorschlag zur Verbesserung gemacht haben.

2 Ich verwende den Begriff Hypnosetherapie in Unterscheidung zu Hypnotherapie. Hypnotherapie als der weitere Begriff umfasst alle psychotherapeutischen Ansätze, bei denen implizit und explizit mit Trance gearbeitet wird. Hypnosetherapie bliebe den Ansätzen vorbehalten, in denen jeweils eine formale Tranceinduktion stattfindet bzw. angeboten wird.

3 Ein sehr anschauliches Buch in diesem Sinne ist Revenstorf u. Zeyer (2008).

4 Allerdings bleibt es trotz aller sozialpsychologischen Erklärungsversuche nach wie vor ungeklärt, wie – speziell bei Bühnenhypnose – sich Menschen zur Inszenierung von Machtlosigkeit zur Verfügung stellen. Naheliegend wäre es, an die Untersuchungen von Horkheimer und Adorno zum „Autoritären Charakter” zu denken.

5 Unser Krankenversorgungssystem fördert unmissverständlich eine Rollenzuweisung der PsychotherapeutInnen als ExpertInnen, denen die Definitions- und Interventionsmacht in der Therapie hinsichtlich der Störung aber auch der Ziele zukommt, und der PatientInnen als mehr oder minder williger – gelegentlich auch unersättlicher – Empfänger dieser Segnungen (s. auch Illich 1987).

6 Dass dies seine Basis in einem sozialkonstruktionistischen Verständnis von Therapie hat, wird nicht weiter verwundern (Gergen 2002).

7 Eine sehr praxisnahe Diskussion zum Thema „informed consent” geben Fisher u. Oransky (2008).

8 Falls Fragebögen nicht zugeschickt werden, verbuche ich die Sitzung als „windowshopping”.

9 Sowohl im Rahmen der Hypnotherapie als auch besonders radikal im Rahmen Lösungsfokussierter Therapie (de Shazer 1996, de Jong u. Berg 2008) und der Zukunftswerkstätten (Kuhnt u. Müller 2004) wurde dieses Prinzip propagiert.

Dr. Peter Kaimer

Psychotherapeutische Ambulanz
Lehrstuhl Klinische Psychologie / Psychotherapie
Universität Bamberg

Markusplatz 3

96047 Bamberg

Email: peter.kaimer@uni-bamberg.de