Dtsch Med Wochenschr 2009; 134(41): 2077
DOI: 10.1055/s-0029-1237559
Editorial
Medizinisches Publizieren
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leitlinien für Forschungsberichte: Fluch oder Segen?

Reporting standards for research: boon or baneA. Ziegler1
  • 1Institut für Medizinische Biometrie und Statistik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
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Publication Date:
02 October 2009 (online)

In der heutigen Ausgabe diskutieren Meerpohl und Kollegen den Sinn verschiedener Leitlinien, neudeutsch „Statements”, für Forschungsberichte [1]. Dabei begründen sie den Nutzen der Leitlinien, wie z. B. des revidierten CONSORT-Statements überwiegend mit der größeren Transparenz der wissenschaftlichen Ergebnisse sowie der Qualität der Studie.

In unseren Kursen zur evidenzbasierten Medizin wird von den Kursteilnehmern ein anderer Aspekt immer wieder als entscheidender Vorteil der Checklisten genannt. Das Lesen und die kritische Bewertung eines Artikels ist viel schneller durch die Leitlinien möglich. Den Lesern wird sehr schnell deutlich, ob die fundamentalen methodischen Standards, wie z. B. die Randomisierung in einer Therapiestudie erfüllt sind. Damit kann der Leser sich sehr schnell auf das eigentlich wesentliche, die medizinischen Aspekte der Studie konzentrieren.

Mit wenig Begeisterung denke ich an einige Publikationen zurück, die noch vor 10 Jahren, also etwa 4 Jahre nach der ersten Fassung des CONSORT-Statements in einigen international renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Arbeiten zu Therapiestudien mit unklarer Struktur sucht man dort heutzutage vergeblich. Und ich gestehe, dass es mir heutzutage viel mehr Freude bereitet, entsprechende Publikationen zu lesen, da sie mir durch ihre Systematik viel leichter zugänglich sind.

Aber nicht nur für den Leser ergeben sich erhebliche Vorteile durch die Leitlinien. Auch die Gutachter des Manuskripts profitieren schon während des Peer-Review-Prozesses, also vor der Veröffentlichung. Die mit den Leitlinien verbundenen Checklisten geben zum einen den klaren Fluss der Arbeit vor. Es ist offensichtlich, welche Aspekte einer Studie die Autoren beschreiben müssen. Entsprechende Teilüberschriften zu methodischen Themen führen zu einer einfachen Strukturierung. So können die Autoren sehr leicht auch auf einfache Weise auf etwaige Mängel in ihrer Darstellung hingewiesen werden.

Die Checklisten, die beim Berichten der Ergebnisse erforderlich sind, sind für die Autoren bzw. die Studienleitung schon in der Planungsphase einer Studie eine aktive Hilfe. Es ist von vorne herein offensichtlich, was Herausgeber, Gutachter und Leser von der Studie abfragen werden. Diese Aspekte werden ebenfalls von den Registern klinischer Studien, wie z. B. dem Deutschen Register Klinischer Studien (www.germanctr.de), eingefordert. Hierdurch ist das Abfassen eines Studienplans bzw. Studienprotokolls stark vereinfacht.

Schließlich ergeben sich auch für die Autoren selbst erhebliche Vereinfachungen. Zwar müssen Artikel gradlinig geschrieben werden, um den Leitlinien Rechnung tragen zu können. Doch ist eine ausführliche Würdigung spezifischer Aspekte der Studie in der Diskussion weiterhin ohne Weiteres möglich. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Autoren durch die Checklisten klare Strukturierungshilfen erhalten, und der Artikel automatisch in viele kleine Abschnitte zerfällt, die separat und Schritt für Schritt bearbeitet werden können.

Zugegeben, es existieren mittlerweile für viele Studiensituationen die verschiedensten Leitlinien. Doch bietet das EQUATOR-Netzwerk (www.equator-network.org) hierfür durch seine Übersicht eine wunderbare Orientierungshilfe.

Literatur

Prof. Dr. rer. nat. Andreas Ziegler

Institut für Medizinische Biometrie und Statistik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Universität zu Lübeck

Maria-Goeppert-Str. 1

23562 Lübeck

Email: [email protected]