Aktuelle Neurologie 2009; 36 - V233
DOI: 10.1055/s-0029-1238423

Veränderungen der weißen Substanz bei HIV Patienten – eine DTI-Studie

B Stubbe-Dräger 1, M Deppe 1, S Mohammadi 1, H Kugel 1, N Gregor 1, S Evers 1, EB Ringelstein 1, G Arendt 1, S Knecht 1, IW Husstedt 1
  • 1Münster, Düsseldorf

Die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) hat eine höhere Sensitivität zum Nachweis von Läsionen der weißen Gehirnsubstanz als die konventionelle MRT. Wenn Läsionen der weißen Substanz ein Prädiktor für die Entwicklung der HIV assoziierten Enzephalopathie sind, und dieser Nachweis vor Beginn der klinischen Symptomatik möglich ist, kann dieses die Behandlung von Patienten mit HIV maßgeblich beeinflussen.

Von neunzehn HIV-positiven Männer wurden Magnetresonanztomografien mit DTI, FLAIR (fluid attenuated inversion recovery), T1 und T2 gewichteten Bildern angefertigt. Die mittels DTI gewonnen dreidimensionalen Ganzkopfkarten der Fraktionellen Anisotropie (FA) wurden automatisiert analysiert, um regionale Faserveränderungen der weißen Substanz zu erfassen. Die individuellen FA-Ganzkopfkarten der Patienten wurden auf Basis einheitlicher Regions-of-Interest (ROIs) mit einer Gruppe von 19 gesunden altersgematchten Kontrollpersonen verglichen. Kognitive Beeinträchtigungen wurden in einer neuropsychologischen Testung ermittelt.

Die konventionelles MRT von 12 HIV Patienten war normal, bei 7 zeigten sich unspezifische Veränderungen.

Verglichen mit den gesunden Kontrollen war die FA im Corpus callosum, temporal und posterior signifikant reduziert, frontal zeigte sich ein Trend zur FA-Reduktion. Der Vergleich der Patienten mit leichten unspezifischen Veränderungen zu den gesunden Kontrollen zeigte gleichsinnige Veränderungen. Der Vergleich der HIV-Patienten mit und ohne unspezifische Veränderungen im strukturellen MRT zeigte bei den Patienten mit unspezifischen Veränderungen in der konventionellen Bildgebung eine Reduktion der FA im Corpus callosum. Zwischen Patienten mit und ohne neuropsychologischen Anhalt für eine HIV- assoziierte Enzephalopathie zeigte sich in der FA der einzelnen ROIs kein signifikanter Unterschied.

HIV Patienten zeigen verglichen mit gesunden Kontrollen subtile Läsionen der weißen Substanz. Selbst wenn konventionelle MRT-Bildgebung unauffällig ist, können in einzelnen Regionen FA Veränderungen mittels DTI nachgewiesen werden. Weitere Studien, in denen klinische und Laborparameter in Zusammenhang mit Veränderungen der weißen Substanz untersucht werden, sind nötig, um sich hieraus ergebene Therapieindikationen überprüfen zu können.