Aktuelle Neurologie 2009; 36 - V245
DOI: 10.1055/s-0029-1238435

Die Rolle der CD38-abhängigen postischämischen Inflammation beim Schlaganfall

CU Choe 1, M Gelderblom 1, K Lardong 1, F Leypoldt 1, F Nolte 1, FE Lund 1, C Gerloff 1, T Magnus 1
  • 1Hamburg; Saranac Lake, USA

Fragestellung: Der ischämische Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für körperliche Behinderung. Dabei werden die Schlaganfallgröße und der klinische Schweregrad ganz wesentlich von der postischämischen Einwanderung und Aktivierung von Entzündungszellen beeinflusst. Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass die Aktivierung und Migration von myeolisch dendritischen Zellen, Neutrophilen sowie Mikroglia von dem Ektoenzym CD38 abhängig ist. Wir haben deshalb untersucht, welche Rolle CD38 in der postischämischen Entzündungsreaktion beim ischämischen Schlaganfall spielt?

Methoden: transient middle cerebral artery occlusion (tMCAO), fluorescence activated cell sorting (FACS), Knochenmarktransplantation

Ergebnisse: Nach einstündiger Okklusion der A. cerebri media und Reperfusion für 3 Tage zeigten sich ein kleineres Infarktareal und ein geringeres persistierendes neurologisches Defizit in CD38-/- Mäusen. Dies korrelierte mit einer deutlich verminderten Einwanderung von myeloisch dendritischen und CD4 positiven Zellen, wohingegen sich die Anzahl nicht-myeloisch dendritischer und CD8 positiver Zellen nicht deutlich unterschied. Passend hierzu zeigte sich nach Knochenmarktransplantationen, dass die immunphänotypisch myeloischen dendritischen Zellen tatsächlich aus dem Knochenmark abstammen und aus der Peripherie ins Gehirn einwandern. Drei Tage nach Schlaganfall fand sich außerdem eine signifikant verminderte mikrogliale MHCII-Expression in CD38-defizienten Tieren als Ausdruck einer reduzierten Aktivierung dieser Zellen.

Schlussfolgerungen: Eine CD38-Defizienz führt zu kleineren Schlaganfällen und geringerer funktioneller Einschränkung. Dies erklärt sich durch eine reduzierte Einwanderung und Aktivierung von Immunzellen. Somit könnte die Modulation von CD38 einen potentiellen Ansatz in der Therapie des ischämischen Schlaganfalls darstellen, der über das bestehende therapeutische Zeitfenster von 6 Stunden hinausgeht.