Ultraschall in Med 2009; 30 - P3_03
DOI: 10.1055/s-0029-1239684

Truncus coeliacus-Kompressionssyndrom – eine irreführende Bezeichnung für ein zu selten diagnostiziertes Krankheitsbild

TM Scholbach 1
  • 1Städt. Klinikum Chemnitz, Chemnitz/DE

Problemstellung:

Das Truncus coeliacus-Kompressionssyndrom ist anhand typischer sonografischer und klinischer Befunde leicht zu diagnostizieren. Die Synopsis von fast 400 jugendlichen Patienten wirft ein neues Licht auf die Pathogenese der vielfältigen Beschwerden, die von denen in der internistischen Literatur mitgeteilten deutlich abweichen. Vegetative Symptome stehen im Vordergrund und sollten bei der Benennung des Krankheitsbildes berücksichtigt werden, um das Wesentliche der Pathophysiologie zu erfassen-

Patienten und Methode: Mehr als 2000 farbduplexsonografische Untersuchungen des Abdomens der letzten 9 Jahre bei über 9000pädiatrischen Patienten wurden ausgewertet. Eine Truncus coeliacus-Kompression wurde diagnostiziert bei einer atemvariablen Flussbeschleunigung in der A, coeliaca >200cm/s.

Ergebnisse: Unter 8018 auswertbaren Untersuchungen fand sich bei 381 Patienten (286Mädchen) eine Truncus coeliacus-Kompression (Prävalenz 4,76%). 59% dieser Patienten hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung charakteristische Symptome: 91% epigastrische Schmerzen, 88% vegetative Symptome (Synkopen, Übelkeit, Schwindel, Diarrhoe), 34% präcordiale Schmerzen und 23% eine inspiratorische Atembehinderung. Die vegetativen Symptome verschwanden vollständig bei 5 operierten Patienten, auch bei einem mit postoperativem Truncusverschluss.

Schlussfolgerungen: Die diagnostisch genutzte, weil leicht nachweisbare Kompression des Truncus coeliacus ist pathogenetisch weniger bedeutend als die mechanische Reizung des Ganglion coeliacum. Es erscheint daher ratsam statt von einem Truncus coeliacus-Kompressionssyndrom von einem Ganglion coeliacum-Kompressionssyndrom zu sprechen.