intensiv 2009; 17(5): 226-227
DOI: 10.1055/s-0029-1241133
Schwerpunkt: Der adipöse Intensivpatient

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Intensivmedizin und morbide Adipositas

Wolfgang H. Hartl, David Kuppinger
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Publication Date:
22 September 2009 (online)

Zusammenfassung

Die schwere Adipositas ist mit zahlreichen pulmonalen und kardialen Begleiterkrankungen assoziiert. Treten zusätzliche intensivpflichtige Organfunktionsstörungen auf, so erlangen diese Begleiterkrankungen besondere Relevanz, da sie Hypoxie, nosokomiale Pneumonie und Herzinsuffizienz bzw. kardiale Rhythmusstörungen begünstigen. Besondere, durch die erhöhte Fettmasse erzeugte intensivmedizinische Probleme ergeben sich aus den gesteigerten inflammatorischen Reaktionen und aus dem erhöhten Risiko für Wundinfekte, Weichteilschäden und Thrombosen. In der Summe sind sekundäre Organfunktionsstörungen bei adipösen Patienten deutlich häufiger und erfordern eine längere Intensivtherapie. Allerdings erhöht sich die Sterbenswahrscheinlichkeit nur bei extremer Adipositas (Body Mass Index > 45) in Verbindung mit protrahierten Organfunktionsstörungen. Die regelhaft erhöhte Morbidität und die sich daraus ergebenden therapeutischen Konsequenzen (spezielle Ausrüstung, erhöhter Medikamentenbedarf) steigern die Behandlungskosten derartiger Patienten jedoch relevant, und bei besonders schweren Komplikationen sind Aufwendungen von über 100.000 Euro pro Patient und Aufenthalt keine Seltenheit.

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Wolfgang H Hartl

Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Großhadern

LMU München

Marchioninistr. 15

81377 München

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