Dtsch med Wochenschr 2009; 134(46): 2354
DOI: 10.1055/s-0029-1242694
Korrespondenz | Correspondence
Frage aus der Praxis
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Lyme-Borreliose: Wie kann das Erythema migrans bei schwangeren Patientinnen behandelt werden?

Lyme borreliosis: How should erythema migrans be treated in pregnant women?J. Schröder, W. Kirch
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Publication Date:
05 November 2009 (online)

Mittel der ersten Wahl zur Behandlung des Erythema migrans ist Doxycyclin. Allerdings sollte dieses nur nach strenger Indikationsstellung bis zur 16. Schwangerschaftswoche angewendet werden. Welche Alternativen gibt es?

Bei Patienten, die nicht mit Doxycyclin behandelt werden können, ist eine Therapie mit Amoxicillin oder Cefuroximaxetil möglich. Makrolide wie Azithromycin gelten für die Behandlung der Lyme-Borreliose als Reserveantibiotika, da eine geringere Wirksamkeit in klinischen Studien gezeigt wurde (Tab. [1]).

Tab. 1 Behandlung des Erythema migrans in der Schwangerschaft. Wirkstoff Dosierung Behandlungsdauer Bemerkung Amoxicillin 3-mal 500 – 1000 mg 14 Tage (10 – 21 Tage) Bei Patienten mit nachgewiesener Penicillin-Allergie kontraindiziert Cefuroximaxetil 2-mal 500 mg 14 Tage (10 – 21 Tage) Nur unter besonderer Vorsicht bei Personen, die zuvor eine anaphylaktische Reaktion auf Penicilline gezeigt haben Azithromycin 2-mal 500 mg 1-mal 500 mg 1. Tag 2.-5. Tag Eine Studie zeigte eine geringere Wirksamkeit von Azithromycin gegenüber der Therapie mit Amoxicillin Doxycyclin 2-mal 100 mg 14 Tage Ab der 16. Schwangerschaftswoche kontraindiziert

Begründung

Das Erythema migrans ist ein Symptom der Lyme-Borreliose, dass Tage bis wenige Wochen nach dem Biss einer mit Borrelia burgdorferi infizierten Zecke auftreten kann. Gekennzeichnet ist die sogenannte Wanderröte durch einen hellroten, langsam wachsenden Ring, der sich von der Einstichstelle ausweitet und im Zentrum häufig blasser als am Rand ist. Zusätzlich kann es durch die Infektion in unterschiedlicher Ausprägung zu Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Myalgien und Arthralgien kommen.

Eine manifeste Lyme-Borreliose sollte antibiotisch behandelt werden. Solange das Erythema migrans nur von unspezifischen Allgemeinsymptomen begleitet wird und keine Anzeichen für die Ausweitung auf das Zentrale Nervensystem bestehen, ist eine orale Behandlung in der Regel ausreichend [6]. Mittel der Wahl bei Erwachsenen ist Doxycyclin, da es zusätzlich gegen den ebenfalls durch Zecken übertragenen Erreger der humanen granulozytären Ehrlichiose (Anaplasma phagocytophilum) wirksam ist [1]. Allerdings darf es während der Schwangerschaft nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden, da beim Feten durch die Einlagerung des Arzneistoffes Zahnverfärbungen, Schmelzdefekte und eine Verzögerung des Knochenwachstums möglich sind. Das Risiko für die beschriebenen Entwicklungsstörungen besteht insbesondere ab der 16. Schwangerschaftswoche. Von diesem Zeitpunkt an sollte eine Einnahme gänzlich vermieden werden [5].

Schwangere Patientinnen können Amoxicillin oder Cefuroximaxetil erhalten. Die Wirksamkeit der beiden Antibiotika gegenüber Lyme-Borrelien ist bewiesen und es gibt bisher keine Anzeichen für eine embryo- oder fetotoxische Wirkung [2] [5] [6]. Bei bekannter Penicillin-Allergie sollte Cefuroximaxetil nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden, da eine Parallelallergie nicht ausgeschlossen werden kann [3]. Alternativ ist der Einsatz eines Makrolids wie Azithromycin möglich, für das bisher ebenfalls keine Hinweise auf mögliche schädliche Auswirkungen für den Embryo bzw. Fetus vorliegen. Da in einer klinischen Studie allerdings gezeigt werden konnte, dass die Behandlung mit Azithromycin weniger erfolgreich als eine Amoxicillin-Therapie verläuft und überzeugende Untersuchungen zur Anwendung bei schwangeren Patientinnen nicht existieren, sollte es nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden [4] [5].

An dieser Stelle sei abschließend darauf hingewiesen, dass explizit zur oralen Therapie der Lyme-Borreliose lediglich einzelne Präparate mit den Wirkstoffen Doxycyclin und Cefuroximaxetil in Deutschland zugelassen sind.

Literatur

Jane Schröder
  Apothekerin
Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Wilhelm Kirch

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