Pneumologie 2010; 64(3): 138
DOI: 10.1055/s-0030-1249413
Pneumo-Fokus

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Atemwegserkrankungen - Genetik: Einfluss auf Lungenfunktion

Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
12. März 2010 (online)

 

Wissenschaftler der Institute für Epidemiologie und Lungenbiologie am Helmholtz Zentrum München haben zusammen mit einem internationalen Konsortium 5 Genvarianten entdeckt, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Lungenfunktion haben. In der aktuellen Ausgabe von Nature Genetics vergleichen die Forscher des SpiroMeta-Konsortiums genetische Varianten von über 20 000 Menschen an 2,5 Mio. Stellen im Genom mit deren Lungenfunktion.

Dabei entdeckten die Forscher 5 Genvarianten, die mit der Lungengröße und der Atemstromstärke einhergehen. Die Effekte konnten in einer weiteren Gruppe von mehr als 33 000 Personen bestätigt werden. Auch die Daten des CHARGE-Konsortiums (Cohorts for Heart and Aging Research in Genomic Epidemiology) flossen mit ein. Für die Studie wurde die Lungenfunktion mithilfe eines Spirometers erfasst, da die Messwerte einen schnellen Nachweis einer geringen Lungengröße oder von verengten Atemwegen erlauben.

Dr. Joachim Heinrich, Prof. Erich Wichmann und Prof. Holger Schulz leiteten die Arbeiten, die im Rahmen der KORA-Studie am Helmholtz Zentrum München durchgeführt wurden. "Die jetzt entdeckten Gene sind an Stoffwechselprozessen beteiligt, die eine zentrale Rolle bei Entgiftung, Entzündungen und bei Heilungsprozessen spielen", so Heinrich. Zwar sei die Auswirkung der einzelnen genetischen Variante eher gering, die Ergebnisse könnten aber dabei helfen, die Ursachen von obstruktiven Lungenkrankheiten besser zu verstehen und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Weitere Forschungsansätze sollen jetzt zeigen, welche molekularen Veränderungen sich in der Lunge aus den genetischen Varianten ergeben. Auch wollen die Forscher klären, inwieweit sich die Genvarianten als Zielstrukturen für die Pharmakotherapie eignen. Das SpiroMeta-Konsortium besteht aus 14 internationalen Studien mit genomweiten Daten. Es wird koordiniert von Prof. Martin Tobin, University of Leicester, UK, und untersucht die genetischen Einflüsse auf Atemwegserkrankungen und die Lungenfunktion.

idw

    >