Dtsch med Wochenschr 2010; 135(14): 716
DOI: 10.1055/s-0030-1251925
Korrespondenz | Correspondence
Erwiderung
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Metabolische Störungen bei Leberzirrhose: Hepatogener Diabetes mellitus

ErwiderungMetabolic disturbances in liver cirrhosis: hepatogenous diabetesF. Gundling, W. Schepp
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Publication Date:
31 March 2010 (online)

Besten Dank für das Interesse an unserem Beitrag sowie die kritischen Anmerkungen. Es entspricht einer Tatsache, dass die Datenlage zum Stellenwert der Inkretinhormone bei Leberzirrhose bisher noch wenig wissenschaftlich untersucht wurde und eine definitive Beurteilung noch aussteht.

In experimentellen Untersuchungen an isolierten Inseln der zirrhotischen Ratte zur Stimulation der Insulinsekretion und intrazellulären Signaltransduktion durch GLP-1 konnte nachgewiesen werden, dass die Stimulierbarkeit der Insulinsekretion durch Glukose und durch GLP-1 bei einer histologisch unveränderten Pankreasmorphologie zwar erhalten, aber quantitativ deutlich reduziert ist [1].

Diese Phänomene müssen am Menschen noch weiter systematisch untersucht werden, um eine Beurteilung der therapeutischen Bedeutung von GLP-1 für den hepatogenen Diabetes zu ermöglichen. Der Einwand von Professor Nolte ist insofern korrekt, dass eine Inkretinerniedrigung bei Patienten mit Leberzirrhose nicht ausreichend gesichert ist.

Eigene bisher unveröffentlichte Daten zur geübten Praxis bei Patienten mit hepatogenem Diabetes anhand einer retrospektiven Studie konnten zeigen, dass ein Großteil der Betroffenen eine medikamentöse Therapie erhielt, welche bei Leberzirrhose entweder kontraindiziert (z. B. Biguanide, PPAR-γ-Liganden), oder mit der Gefahr von Nebenwirkungen (z. B. Sulfonylharnstoffe der 3. Generation) verbunden war. Zusätzlich war die Rate an chronischem Alkoholabusus sowie fehlender Compliance bei laufender antidiabetischer Behandlung sehr hoch.

Dies unterstreicht die Wichtigkeit von alternativen und „Zirrhose-tauglichen” medikamentösen Ansätze bei Patienten mit hepatogenem Diabetes. DPP-4-Inhibitoren erscheinen insbesondere wegen ihres geringeren Hypoglykämierisikos gerade für Hypoglykämie-gefährdete Patienten mit Leberzirrhose (Einschränkung der Leberfunktion bei Zirrhose, chronischer Alkoholabusus, schlechte Compliance) sehr erfolgversprechend.

Angesichts des unter einer pharmakologischen antidiabetischen Behandlung noch weiter gesteigerten Hypoglykämie-Risikos scheint unseres Erachtens nach die Anwendung von Inkretin-Mimetika und die ggf. in naher Zukunft verfügbare Monotherapie mit dieser Substanzklasse einen viel versprechenden Ansatz darzustellen. Wir haben in unserem Beitrag jedoch dezidiert darauf hingewiesen, dass für die Behandlung des hepatogenen Diabetes mit Inkretin-Mimetika bisher noch keinerlei Daten aus klinischen Studien vorliegen.

Unsere Abteilung plant daher in Kooperation in Kürze eine prospektive Pilotstudie, welche den Stellenwert von DPP-4-Inhibitoren bei Patienten mit hepatogenem Diabetes, insbesondere im Hinblick auf die Hypoglykämierate unter Therapie, untersucht.

Literatur

Dr. med. F. Gundling
Prof. Dr. med. W. Schepp

Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie, Städtisches Klinikum München GmbH, Klinikum Bogenhausen

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