Geburtshilfe Frauenheilkd 2010; 70 - A6
DOI: 10.1055/s-0030-1252077

Fallbericht von der erfolgreichen Behandlung einer Zweitgraviden mit einem invasiven Zervixkarzinom in der 22. SSW

A Habelsberger 1, R Chvatal 1, P Oppelt 1
  • 1Abteilung für Gynäkologie des AKH Linz

Zusammenfassung: Wir berichten von der erfolgreichen Behandlung einer schwangeren Patientin mit einem in der 18. SSW neu diagnostizierten Zervixkarzinom. Die Diagnose ist mit einer Probebiopsie gesichert worden. Die klinische Untersuchung hat das Stadium Ib1 ergeben.

Methode: In der 22. SSW ist eine Stagingoperation mittels einer laparaskopischen pelviner Lymphonodektomie [pN0 (O/16)] und einer subtotalen Zervixamputation durchgeführt worden. Die histologische Aufarbeitung hat ein niedrig differenziertes, invasives Plattenepithelkarzinom der Zervix mit dem Stadium pT1b1 N0 (35mm) und einer Lymphgefäßinvasion ergeben. Anschließend hat die Patientin eine Chemotherapie mit drei Zyklen Cisplatin erhalten. In der 32. SSW haben wir uns zu einer Entbindung mittels Kaiserschnitt entschlossen. In der selben OP wurde eine radikalen Hysterektomie nach Piver II durchgeführt und mit einer paraaortalen Lymphonodektomie komplettiert.

Ergebnisse: Die histologische Aufarbeitung hat keine weitere Progression des Karzinoms ergeben. Beim Neugeborenen ist eine kardiochirurgische Intervention wegen eines persistierenden Ductus arteriosus notwendig gewesen.

Schlussfolgerung: Die Behandlung eines invasiven Zervixkarzinoms im zweiten Trimester mit Kinderwunsch stellt eine große Herausforderung für Arzt und Patientin dar. Es gibt keine durch randomisierte Studien gesicherten Standards. Das Warten mit der Entbindung und einer radikalen Hysterektomie bis zur 32. SSW im Stadium FIGO Ib1 scheint onkologisch und perinatologisch sicher zu sein.