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DOI: 10.1055/s-0030-1252079
Das Auftreten von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen: Einschätzung versus Realität – eine Erhebung über 6 Behandlungszyklen mit besonderem Augenmerk auf die antiemetische Prävention mit 5-HT3-Antagonisten
Fragestellung: Ziel der Erhebung war es, das Auftreten von akuter sowie verzögerter Übelkeit und Erbrechen nach moderat o. hoch emetogener Chemotherapie bei Gabe von entsprechender antiemetischer Therapie zu dokumentieren; außerdem zu evaluieren, mit welcher Genauigkeit Arzt und Pflegepersonal Übelkeit und Erbrechen im Voraus einschätzen können.
Methode: Die Erhebung über 6 Behandlungszyklen beinhaltet Daten von Patientinnen, die eine moderat o. hoch emetogene Chemotherapie erhielten. Nach dem Patientengespräch und vor Verabreichung der Chemotherapie wurde das mögliche Auftreten von akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen von Arzt und Krankenschwester eingeschätzt. Die Patientientinnen erhielten ein Tagebuch, in dem sie das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen an den Tagen 1 bis 5 und die eventuelle Einnahme einer Rescue-Medikation aufzeichneten.
Ergebnisse: Auswertbare Daten für 48 Patientinnen (Median 59J) im Zeitraum von Mai 2008 bis Oktober 2009. 54,2% der Patientinnen erhielten Palonosetron (5 HT3 Antagonist der 2. Generation), 31,3% erhielten ausschließlich 5 HT3 Antagonisten der 1. Generation und bei 14,6% war ein Wechsel von 1. zur 2. Generation (Palonosetron) notwendig. Während der 6 Zyklen (Tag 1–5) erzielte die beste Complete Responserate (=keine Übelkeit und keine Rescue-Medikation) Palonosetron (81,4%), 45,2% konnte durch einen Therapiewechsel und 38,9% mit 5 HT3 Antagonisten der 1. Generation erreicht werden. Die akute Übelkeit der Patientinnen (P) wurde von Ärzten (Ä) und Krankenschwestern (K) unterschätzt: Ä 15%, K 7%, P 27% (Ärzte sagten voraus, dass 15% der Patientinnen an einer akuten Übelkeit leiden werden und die Krankenschwestern 7%. Tatsächlich trat bei 27% der Patientinnen eine akute Übelkeit ein). Die Prognose der verzögerten Übelkeit hat das tatsächliche Auftreten gut widergespiegelt: Ä 63%, K 53%, P 59%. Das akute Erbrechen der Patientinnen wurde von Ärzten und Krankenschwestern sehr gut vorausgesagt: Ä 1%, K 0%, P 2%. Das verzögerte Erbrechen wurde von Ärzten (Ä) und Krankenschwestern (K) unterschätzt: Ä 5%, K 5%, P 12%.
Schlussfolgerung: Die antiemetische Therapie stellt einen wichtigen Stellenwert in der Onkologie dar, denn wir mussten feststellen, dass rund 30% der Patientinnen an akuter Übelkeit und rund 60% an verzögerter Übelkeit litten. Die Complete Response Ergebnisse bewogen uns dazu, von nun an Palonosetron bei allen Anthrazyklin- und Platin-hältigen Chemotherapieschemata vom ersten Zyklus an prophylaktisch einzusetzen – dies in Übereinstimmung mit den aktuellen MASCC und NCCN Antiemetika Guidlines. Verzögerte Übelkeit und akutes Erbrechen konnten gut vorausgesagt werden. Akute Übelkeit und verzögertes Erbrechens traten häufiger auf, als wir angenommen hatten.