Geburtshilfe Frauenheilkd 2010; 70 - A12
DOI: 10.1055/s-0030-1252083

Ist eine Differenzierung der Tumornachsorge uteriner Sarkome angebracht?

D Ulrich 1, E Petru 1, S Gramm 1, O Reich 1
  • 1Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Medizinische Universität Graz

Fragestellung: Wesentliches Ziel der Tumornachsorge ist die Früherkennung des Rezidivs. Die Rezidivdiagnostik uteriner Sarkome erfolgt derzeit zumeist durch eine schematisierte und einheitliche Abfolge verschiedener diagnostischer Verfahren. Aufgrund der differenten biologischen Wertigkeit der einzelnen Entitäten uteriner Sarkome steht die Frage, ob eine Differenzierung der Tumornachsorge begründet ist.

Methode: Wir untersuchten retrospektiv die Zeitintervalle zwischen Primäroperation und Rezidiv sowie die Lokalisation von Metastasen von 8 niedrig-malignen endometrialen Stromasarkomen (ESS), 16 Leiomyosarkomen (LMS) und 22 malignen Müller'schen Mischtumoren (MMM) des Uterus.

Ergebnisse: Von 8 primär operierten Patientinnen mit ESS hatten 4 Frauen Rezidive. Bei 2 Frauen fanden sich pelvine bzw. paraortale Lymphknotenmetastasen nach 25 bzw. 38 Monaten. 2 weitere Frauen hatten Lokalrezidive nach 96 bzw. 104 Monaten. Zum Rezidiv kam es bei LMS im Mittel nach 8,3 (2–24) Monaten und bei MMM nach 14,5 (3–48) Monaten.

Die Lokalisation der Rezidive differierte nicht wesentlich zwischen den einzelnen Entitäten. Am häufigsten traten Rezidive lokal im Bereich des Beckens sowie am Scheidengrund auf.

Schlussfolgerung: In Übereinstimmung mit den Angaben in der Literatur ist das biologische Verhalten uteriner Sarkome nach Primäroperation different. Während die Rezidivdiagnostik von MMM und LMS vom zeitlichen Aspekt her auf die ersten 2 postoperativen Jahre fokussiert werden sollte, erscheint die Konzentration von Maßnahmen der Nachsorge für R-0 resezierte ESS erst ab 2 Jahren nach Operation begründet. Ausgesprochene Spätrezidive können bei ESS vorkommen. Eine Individualisierung der Nachsorge uteriner Sarkome erscheint angebracht und könnte neben medizinökonomischen Aspekten auch wichtige psychoonkologische Implikationen haben.