Zeitschrift für Palliativmedizin 2010; 11(2): 55
DOI: 10.1055/s-0030-1253125
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Publication Date:
25 March 2010 (online)

 

Autonomie, Würde, Patientenverfügung.

Die Medizin am Lebensende im Spiegel der Gesellschaft

Marie-Christin Hahnen, 2009, 125 Seiten, 24,80 € (D) - 25,50 € (A), Hospiz-Verlag, Wuppertal, ISBN: 978-3-941251-32-8

Zur Weiterentwicklung einer Kultur des Lebens und des Sterbens und zum gesellschaftlichen Ausbau der Hospiz- und Palliativeinrichtungen will der Hospiz-Verlag einen Beitrag leisten. Zahlreiche (Fach-) Bücher, der Bundes-Hospiz-anzeiger und Die Hospiz-Zeitschrift zeugen davon. Aktuell erweitert wird der Publikationsreigen durch die "Schriftenreihe des wissenschaftlichen Beirats im DHPV e. V.", dessen Band 1 jetzt vorliegt. "Autonomie, Würde, Patientenverfügung. Die Medizin am Lebensende im Spiegel der Gesellschaft" betitelt Marie-Christin Hahnen das Buch, dessen Grundlage ihre medizinische Dissertation an der RWTH Aachen bildet.

Mit dem Ziel, Entscheidungsträgern im medizinischen oder politischen Bereich adäquater zu ermöglichen, auf Forderungen und Wünsche von Patienten und Angehörigen eingehen zu können, aber auch um Menschen, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen mit schwierigen Entscheidungen am Lebensende konfrontiert werden, Orientierungshilfen zu bieten, untersucht die Autorin die Berichterstattung ausgewählter deutscher Zeitungen im Hinblick auf die Darstellung von Palliativmedizin und Konfliktfeldern am Lebensende. Mit Hilfe der "qualitativen Inhaltsanalyse", einer sozialwissenschaftlichen Methode, die ohne Repräsentativitätsanspruch systemische und intersubjektive Textanalysen ermöglicht, werden folgende Fragestellungen durchgeführt:

"Wie wird Palliativmedizin in der Presse definiert und welches Bild wird von der Palliativmedizin erzeugt? Wie wird die Diskussion um die Legalisierung von Tötung auf Verlangen und assistiertem Suizid geführt? Welche Argumente werden hierzu aufgezeigt? Wie werden Ärzte und ärztliches Handeln dargestellt und wie stellen sie sich selbst in Interviews und Leserbriefen dar? Wie konkret wird das Mittel der Patientenverfügung vorgestellt?"

Die Autorin untersuchte über einen Zeitraum von 2 Jahren (2006/07) Beiträge eines Magazins, einer Wochenzeitung und aus 4 Tageszeitungen. Die Medien waren von überwiegend überregionaler Bedeutung. Methodenkritisch wird konstatiert, dass sowohl die Auswahl der Printmedien, bestimmt durch kostengünstige Verfügbarkeit der Archive, als auch der Ausschluss anderer Medien wie TV oder Hörfunk die empirische Basis schmälern. Dadurch verringert sich indes nicht der Wert der Ergebnisse, die zeigen, dass die Diskussion um Autonomie und Würde von Ängsten und Unsicherheiten geprägt ist. Die Palliativmedizin wird weitgehend übereinstimmend als Alternative zur Sterbehilfe gesehen, so sie denn weiter ausgebaut werde. Eher als Bedrohung erscheint die Intensivmedizin. Eine weitere wichtige Erkenntnis besteht darin, dass in der öffentlich geführten Debatte Dissens über Termini am Lebensende herrscht.

Sinnfällig und umfangreich ist die Einbindung der Recherche-Daten in die Literatur. 105 Literaturstellen werden genannt. Damit werden dem Leser umfangreiche, weiterführend verknüpfende Verbindungen mit dem Thema ermöglicht. Ob die Ergebnisse der Studie medizinischen oder politischen Entscheidungsträgern - so wie intendiert - hilfreich sind, muss offen bleiben. Lesen sollten diese das Buch allemal. Auch Menschen, die unterhalb von Entscheidungsebenen leben und agieren, bekommen Anregungen zur Selbstreflektion und Argumentationshilfen für Diskussionen. Und dem DHPV e.V. sei dafür gedankt, dass mit Hilfe dieser neuen Schriftenreihe die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit kenntlich gemacht werden können.

Manfred Gaspar, St. Peter-Ording

  • 01 Marie-Christin Hahnen . Autonomie, Würde, Patientenverfügung. Die Medizin am Lebensende im Spiegel der Gesellschaft. Wuppertal: Hospiz-Verlag; 2009. 125 S. 24,80 € (D) - 25,50 € (A). ISBN: 978-3-941251-32-8
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