Radiologie up2date 2011; 11(3): 203-228
DOI: 10.1055/s-0030-1256589
Urogenitale Radiologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Tumoren der Nieren und oberen Harnwege

Tumors of the kidney and the upper urinary tractM.  Galanski, K.  Hüper, J.  Weidemann
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
05. September 2011 (online)

Zusammenfassung

Die Arbeit behandelt häufige Tumoren der Nieren und der oberen Harnwege einschließlich Metastasen, Lymphomen und Pseudotumoren. Häufig handelt es sich dabei um Zufallsbefunde in der Sonografie. Eine definitive Artdiagnose mittels Bildgebung ist nur in wenigen Fällen möglich (typische Zysten, Angiomyolipom und Lymphom). In den anderen Fällen dient die Bildgebung der Dignitätseinschätzung und damit der Entscheidung zur Operation, dem präoperativen Staging und dem Follow-up. Methode der Wahl für Diagnostik und Staging ist aus praktischen Erwägungen die Computertomografie (CT), alternativ die Magnetresonanztomografie (MRT). Die Sonografie hilft bei der Verlaufskontrolle und kann als kontrastmittelverstärkte Sonografie (CEUS) Aussagen zur Tumorvaskularisation machen.

Abstract

This article deals with common tumors of the kidney and the upper urinary tract tumors including metastases, lymphomas and pseudotumors. Most tumors are found incidentally at ultrasound examinations because of other indication. A definitive pathological diagnosis with imaging is possible in only few cases, e. g. typical cyst, angiomyolipoma and lymphoma. In other cases the main task of imaging is to define surgical and non-surgical lesions. Modality of choice for diagnosis and staging is computed tomography (CT). Magnet resonance tomography (MRT) is equally suitable for imaging. Contrast enhanced ultrasonography (CEUS) depicts vascularity.

Kernaussagen

Bildgebende Modalitäten

  • Die CT als Mehrphasenuntersuchung mit geringer Schichtkollimation ist Methode der Wahl zur Abklärung herdförmiger Nierenläsionen.

  • Die MRT ist der CT nahezu gleichwertig, allerdings aufwendiger und anspruchsvoller, sodass ihr Einsatz auf Patienten mit erhöhtem Risiko für Röntgenkontrastmittel und auf spezielle Fragestellungen beschränkt werden kann.

  • Die Sonografie ist meist primärdiagnostisches Verfahren, erfordert aber in der Regel eine komplementäre Schnittbilddiagnostik (CT oder MRT). Bei gering vaskularisierten Tumoren kann die kontrastmittelgestützte Sonografie als komplementäres Verfahren hilfreich sein, da sie eine Perfusion sehr sensitiv anzeigt.

  • Die perkutane Biopsie ist indiziert vor einer Tumorablation und vor einer systemischen Therapie ohne vorausgegangene Histopathologie.

  • Bei der Dignitätseinschätzung komplexer Zysten kommt dem Kontrastmittelverhalten und Weichteilkomponenten die größte Bedeutung zu.

Aufgaben der Bildgebung

  • Nierenzysten ≥ Klasse III der Bosniak-Klassifikation sind eine Operationsindikation.

  • Mit Ausnahme der Angiomyolipome sind die Nierentumoren mittels Bildgebung artdiagnostisch nicht sicher zuzuordnen. Dies gilt nicht nur für die Subtypen des NCC, sondern auch für die Abgrenzung seltener Tumoren vom NCC.

  • Urotheltumoren können sich als wandständige Füllungsdefekte mit oder ohne Obstruktion, als Kelch- oder Hauptkelchamputation oder als umschriebene Wandverdickung manifestieren. Bei einer Infiltration des Nierenparenchyms bleibt die Nierenform meist erhalten. Lymphknotenmetastasen sind häufig, treten früh auf und sind relativ groß. Dies und die seltene Venenbeteiligung sind hilfreiche Abgrenzungskriterien gegenüber dem NCC.

  • Manifestationsformen eines Lymphombefalls der Nieren sind in der Reihenfolge abnehmender Häufigkeit: multiple Herde > von retroperitonealen Lymphomen ausgehende Infiltration > solitärer Herd > diffuse Parenchyminfiltration > perirenales Infiltrat. Die Kontrastmittelaufnahme ist minimal – Gefäße werden verlagert aber nicht verschlossen.

  • Methode der Wahl zur Verifizierung eines tumorverdächtigen Befundes als Pseudotumor ist die biphasische CT mit der kortikomedullären Phase.

Staging

Das Staging von NCC beinhaltet obligat

  • CT des Abdomens und des Thorax

Optionale diagnostische Maßnahmen abhängig von Symptomen und/oder Laborbefunden:

  • Skelettszintigrafie

  • Schädel-CT oder –MRT

  • Isotopennephrogramm

Die PET/PET-CT ist derzeit kein Standardverfahren.

Literatur

Dr. med. Jürgen Weidemann

Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Carl-Neuberg-Str. 1
39625 Hannover

Telefon: 0511/532-3421

Fax: 0511/532-3885

eMail: weidemann.juergen@mh-hannover.de

    >