Suchttherapie 2010; 11(3): 116-120
DOI: 10.1055/s-0030-1261915
Schwerpunktthema

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Stigma, Ethik und das Recht auf Opioidsubstitution

Stigma, Ethics, and the Right for Opioid SubstitutionR. Hämmig1
  • 1Funktionsbereich Sucht, Universität und Poliklinik für Psychiatrie (UPD) Bern
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
11. August 2010 (online)

Zusammenfassung

Drogenabhängigkeit ist mit Stigma und entsprechenden Diskriminierungen verbunden. Dies hat negative gesundheitliche Folgen. Stereotype verhindern immer noch, dass Sucht in der Gesellschaft als Krankheit angesehen wird, obschon sie in den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM IV-TR als solche angesehen wird. Einer der Gründe liegt darin, dass heute Sucht nach wie vor schlecht konzeptualisiert ist. Gemäß dem psychoanalytischen Modell von Rado (1926) werden durch Drogen die Ich-Funktionen verändert, was mit neueren neurowissenschaftlichen und psychologischen Konzepten kompatibel ist. Das unterschiedliche Ausmaß dieser Beeinträchtigungen im Verlauf gestattet auch den Süchtigen, ein informiertes Einverständnis zu einer Behandlung, die den Anforderungen einer modernen Bioethik entsprechen muss, zu erteilen. Substitutionsbehandlungen haben sich bei Heroinabhängigkeit als wirksam erwiesen. Unter Menschenrechtsaspekten ist das Recht auf bestmögliche Gesundheit ein Grundrecht und allen Menschen steht ein Recht auf Behandlung und soziale Unterstützung zu. Die Staaten sind verpflichtet, dies umzusetzen. Heroinabhängige haben also ein Recht auf Substitution. Auch Gefangenen steht dieses Recht gemäß UN-Beschluss zu.

Abstract

Drug addicts are stigmatised and consecutively discriminated. This has a negative impact on their health. Societal stereotypes still hinder that society recognises addiction as a disease, despite the fact it is classified in ICD-10 and DSM IV-TR. One of the reasons is that addiction as a bio-psycho-social condition is still lacking a proper conceptualisation. According to the psychoanalytical model of Rado (1926) drugs change the Ego functions and the Ego gets under the influence of the Id. This concept is consistent with the newer findings from neuro-sciences and psychology. These findings show that self-control is impaired and that the Ego undergoes “Ego-depletion”. These changes vary over time, thus addicts are able to give an informed consent to a treatment, which has to fulfil the conditions of a modern bio-ethic (respect for autonomy, beneficence, non-maleficence, and justice of distribution). Opioid substitution treatment has proven to be an effective measure in heroin addiction. The constitution of the WHO declares “the enjoyment of the highest attainable standard of health is one of the fundamental rights of every human being”, the Universal Declaration of Human Rights adds a right for treatment and social support, further specified by the International Covenant on Economic, Social, and Cultural Rights. From this derives the obligation of the state to take positive steps to realise the right for health. Heroin addicts have thus a right for substitution. The same applies to prisoners according to the resolution of the UN General Assembly 45/111.

Literatur

Impact Factor

0,326

Mehr als 3 Jahre hat es gedauert, nun ist es geschafft: Die Suchttherapie hat erstmals einen Impact Factor. Damit haben wir einen wichtigen Schritt getan, der das wissenschaftliche Renommee der Suchttherapie weiter stärken wird.

Bis hierhin war es ein langer Weg. Mit Heft 1/2007 wurde die Suchttherapie in den Social Science Citation Index Expanded von Thomson Scientific in Philadelphia, USA, aufgenommen – die Datenbank für die Errechnung des Impact Factors. Seitdem wurden Publikationen gesammelt, Zitate gezählt und Berechnungen erstellt. Jetzt, im Juni 2010, wurde der erste Impact Factor der Suchttherapie veröffentlicht. Sein Name: Impact Factor 2009. Sein Wert: 0,326.

Der Impact Factor ist ein numerischer Wert für die Zitationshäufigkeit einer Zeitschrift. Er beschreibt, wie oft die Publikationen einer bestimmten Zeitschrift in einem bestimmten Zeitraum durchschnittlich zitiert werden. Dabei bezieht er sich immer auf ein Jahr und auf eine Zeitschrift.

Für unsere deutschsprachige Zeitschrift mit klar umrissenem Fokus ist ein Impact Factor von 0,326 ein guter Wert. Er belegt, dass die Suchttherapie in der Fachwelt wahrgenommen, diskutiert und zitiert wird – dies wird die Autoren unserer Zeitschrift freuen.

Die Rechnung hinter der „0,326“

Der Wert des Impact Factors errechnet sich aus 2 Größen:

  • aus der Anzahl an Publikationen, die in den beiden Vorjahren in der Zeitschrift veröffentlicht wurden sowie

  • aus der Häufigkeit, mit der diese Veröffentlichungen in sämtlichen gelisteten Journals im aktuellen Jahr zitiert wurden.

Das heißt für die Suchttherapie: Thompson Scientific hat gezählt, wie oft die Publikationen der Suchttherapie (Jahre 2007 und 2008) im Jahr 2009 in den verschiedensten gelisteten Journals zitiert wurden. Diese Zahl wurde durch die Gesamtzahl an Publikationen in der Suchttherapie aus den Jahren 2007 und 2008 geteilt.

Liebe Leserin, lieber Leser, der erste Schritt ist getan. Jetzt heißt es, diese Position zu stabilisieren und das Profil der Zeitschrift weiter auszubauen. Dazu kann jeder beitragen – Autoren, Gutachter und Leser: Nutzen Sie die Suchttherapie weiterhin als lebendiges Forum für die Diskussion mit Ihren Fachkollegen. Wir freuen uns darauf, den eingeschlagenen Weg mit Ihnen gemeinsam weiterzugehen.

Ihr Georg Thieme Verlag

1 Bei den internationalen Abkommen werden die englischen Fassungen referenziert. Für verschiedene dieser Abkommen bestehen auch Deutsche Übersetzungen, die sich in den systematischen Sammlungen der nationalen Gesetzgebungen finden.

Korrespondenzadresse

Dr. med. R. Hämmig

Leitender Arzt Funktionsbereich

Sucht

Universitätsklinik und Poliklinik

für Psychiatrie (UPD) Bern

Murtenstraße 21

3010 Bern

Schweiz

eMail: haemmig@spk.unibe.ch

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