Inf Orthod Kieferorthop 2010; 42(3): 159-180
DOI: 10.1055/s-0030-1262558
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Mythen und Legenden der Kieferorthopädie

Myths and Legends in Orthodontics[1] F. P. G. M. van der Linden1
  • 1Radboud Universität Nymegen, Niederlande
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Publication Date:
30 September 2010 (online)

Zusammenfassung

In diesem Artikel werden fachliche Meinungen und Verfahren besprochen, die sich hartnäckig halten, obwohl sie falsch oder nicht valide sind. Ausgewählt wurden 8 nur selten kritisierte Themenbereiche, die für die kieferorthopädische Theorie und Praxis bedeutsam sind. Erstens wird Stellung zu dem Grundgedanken genommen, dass alle Menschen eine Okklusion mit Kontakt aller okkludierenden Zähne haben oder erreichen können. Zweitens wird verdeutlicht, welche Interessen und Vorlieben Herausgeber und Gutachter bei der Zulassung von Manuskripten haben, und warum veröffentlichte Informationen ignoriert werden. Drittens wird erörtert, wie verlässlich die Auswertung von Fernröntgenseitenaufnahmen hinsichtlich der korrekten Auswahl der üblichen knöchernen Bezugspunkte ist. Viertens wird die Interpretation der Wachstumsdaten unter Berücksichtigung der visuellen Auswertung, des Standardfehlers und der Reliabilität von kephalometrischen Daten erörtert. Fünftens wird auf den diagnostischen Bedarf an Fernröntgenseitenaufnahmen und der neu entwickelten digitalen Techniken eingegangen. Sechstens wird die Validität der Gesichtsorthopädie betrachtet, insbesondere ihr angeblicher Beitrag zur Verbesserung des Gesichtsharmonie und der Schönheit. Siebtens geht es um die Vorstellung, dass eine Vergrößerung der Eckzahnbreite im Unterkiefer nach therapeutischer Ausrichtung zu Stellungsänderungen der unteren Schneidezähne führt. Achtens wird der Nutzen der herkömmlichen herausnehmbaren Retainer, wie dem Hawley- und dem Wrap-around-Retainer, hinterfragt und ein Ansatz vorgestellt, der dem Umdenken vom Banding auf das Bonding mit festsitzenden Apparaturen Rechnung trägt.

Abstract

Opinions and procedures, which are incorrect or invalid but continue to exist, are discussed. Eight seldomly criticised subjects have been selected which are relevant for the theory and practice oforthodontics. First, the idea that all individuals have or can reach an occlusion with contact between all opposing teeth is commented upon. Second, interest and preferences of editors and referees in the acceptance of manuscripts is clarified and the neglecting of published information explained. Third, the reliability of conclusions drawn from lateral roentgenocephalograms is reviewed in regard of the accuracy of commonly used bony landmarks. Fourth, the interpretation of growth data concerning visual interpretation, error of the method and reliability of conclusions based on cephalometric data, is treated. Fifth, the need of lateral roentgenocephalograms and recently developed digital techniques for diagnostic purposes is evaluated. Sixth, the validity of facial orthopedics, and particularly its supposed contribution to the improvement of facial configuration and beauty is analysed. Seventh, the idea that the increase of mandibular intercanine width is the cause of the occurrence of mandibular incisor irregularities after alignment by treatment is challenged. Eighth, the usefulness of traditional removable retainers as the Hawley and “wrap-around” appliance, is questioned and an approach and design, adapted to the change from banding to bonding of fixed appliances, is presented. 

1 Der Artikel wurde im Original veröffentlicht im European Journal of Orthodontics 2008; 30: 449–468, Oxford University Press im Namen der European Orthodontic Society.