Pneumologie 2010; 64(8): 461
DOI: 10.1055/s-0030-1263034
Pneumo-Fokus

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Lungenemphysem – Korrelation mit linksventrikulären Parametern nachgewiesen

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Publikationsdatum:
05. August 2010 (online)

 

Ein Cor pulmonale, das bei schwerer chronisch obstruktiver Lungenerkrankung besteht, führt neben einer Rechtsherzbelastung auch zur Reduktion des linksventrikulären Füllungsdrucks. R. G. Barr et al. haben versucht zu klären, ob dies auch bei weniger ausgeprägten Lungenerkrankungen ähnlich ist. N Engl J Med 2010; 362: 217–227

Ausmaß des Lungenemphysems und linksventrikuläre Parameter sind voneinander abhängig (Bild: Thieme Verlagsgruppe/Urspeter Knecht).

Die Autoren griffen hierzu auf Teilnehmer einer prospektiven Kohortenstudie zurück, die bei Personen unterschiedlicher Ethnizität die Prävalenz subklinischer kardiovaskulärer Erkrankungen erfasst hat. Alle Teilnehmer unterzogen sich hierzu einem Kardio-MRT, bei dem unter anderem Struktur und Funktion des linken Ventrikels (LV) erfasst wurden, also beispielsweise Herzzeitvolumen und Schlagvolumen. Außerdem wurde im Lungenfenster einer CT das Ausmaß eines Lungenemphysems bestimmt. Hierbei berechneten die Autoren den Anteil an Lungengewebe mit einer Abschwächung von weniger als -910 Hounsfield Einheiten (HU). Spirometrische Messungen komplettierten die Untersuchungen.

In die Analyse gingen 2816 Personen mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren ein, 49 % von ihnen waren Männer. 13 % der Teilnehmer waren aktive und 38 % ehemalige Raucher, 49 % hatten niemals geraucht. Die Auswertung erbrachte eine deutliche Korrelation zwischen den LV-Maßen und dem prozentualen Anteil emphysematischen Lungengewebes: In der multivariaten Analyse war ein 10 %iger Anstieg des Emphysemgewebes mit einer Abnahme des enddiastolischen LV-Volumens um 4,1 ml, des Schlagvolumens um 2,7 ml und des Herzzeitvolumens um 0,19 l/min assoziiert. Das Ausmaß der Korrelation war bei aktiven Rauchern größer als bei ehemaligen Rauchern und Nichtrauchern. So ging bspw. bei aktiven Rauchern eine Zunahme des Emphysemvolumens um 10 % mit einer Reduktion des enddiastolischen LV-Volumens um 9,2 ml einher. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich zwischen spirometrischen Messungen und den LV-Parametern: Eine 10 %ige Abnahme des Verhältnisses FEV1 : FVC war mit einer Reduktion des enddiastolischen LV-Volumens um 1,7 ml, des Schlagvolumens um 1,5 ml und des Herzzeitvolumens um 0,10 l/min assoziiert. Auch hier fand sich ein Zusammenhang mit dem Raucherstatus. Im Gegensatz dazu zeigte sich keine Korrelation zwischen Emphysemanteil und Ejektionsfraktion.

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