Pneumologie 2010; 64 - A12
DOI: 10.1055/s-0030-1267753

Risikostratifizierung in einer kardiologischen Rehabilitationsklinik bezüglich SBAS – Wertigkeit einer telemedizinischen Befunderstellung

N Böhning 1, W Böhning 2, M Wrenger 3
  • 1Potsdam
  • 2Bad Lippspringe
  • 3Bad Driburg

Einleitung: SBAS sind ein unabhängiger Risikofaktor für CVD. Wie ist eine effektive Risikostratifizierung im Sinne der Sekundärprävention möglich?

Methodik: In einer Machbarkeitsstudie wurde eine telemedizinische Befund-erstellung nachgewiesen (Journal of Telemedicine and Telecare 2009). Die exzellente Spezifität der manuell erstellten telemedizinischen Befunde im Vergleich mit den automatischen Befunderstellungen von ODI und SaO2min wurde in Synchronmessungen mit der PSG für behandlungsbedürfte SBAS nachgewiesen (zur Veröffentlichung eingereicht). Zwischen 7/07 und 12/09 wurden konsekutiv 1025 Patienten in einer kardiologischen Rehabilitationsklinik untersucht. Die klinischen Diagnosen wurden zusammen mit BMI, ESS, Schnarchen und Tagesmüdigkeit hinsichtlich mittelschwerer und schwerer SBAS statistisch ausgewertet. Klinische Diagnosen: KHK (1-, 2-, 3-Gefäßerkrankung) mit und ohne Infarkt, Hypertonus, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Apoplex, Diabetes, Adipositas, Depression.

Ergebnisse: 53% hatten mittelschwere und schwere Befunde, 32% leichte Befunde und nur 15% waren ohne jeden Befund. Ca. 10% sehr schwere SBAS wurden unmittelbar aus dem Reha-Verfahren zur Therapieeinstellung verlegt. In allen Fällen wurde der Schweregrad bestätigt. Hinsichtlich ESS fand sich kein Unterschied in den drei Schweregradgruppen (7.69, 7.96 bzw. 7.73). Für 250 Patienten wurden umfangreiche Korrelationsberechnungen auf der Basis Koeffizient Cramers V hinsichtlich signifikanter Zusammenhänge vorgenommen. 25% aller Patienten klagten über Tagesmüdigkeit, ohne Korrelation mit ESS. Bei schwerer SBAS klagen nur 12% über Müdigkeit, in den anderen Gruppen ca. 30%. Schnarchen ist am stärksten ausgeprägt bei schwerer SBAS mit 62%, ca. 50% bei mittlerem und leichten Schweregrad, 43% bei unauffälligem Befund. Der BMI war in den Gruppen mittelschwer – schwer deutlich erhöht mit 29.5 bzw. 31.5 vs. 27 bzw. 28. Hinsichtlich KHK und BMI finden sich bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Kein Krankheitsbild allein zeigt eine auffällige Korrelation mit behandlungsbedürftiger SBAS. Auch die 2-fach, 3-fach oder 4-fach Kombination der berücksichtigten Krankheitsbilder erhöht zwar den Korrelationskoeffizienten leicht, wobei aber trotzdem nur sehr schwache oder schwache Korrelationen hergestellt werden können.

Schlussfolgerung: Bei allen untersuchten Krankheitsbildern findet sich ein hoher Anteil behandlungsbedürftiger, d.h., mittelschwerer und schwerer SBAS. Die Kombination verschiedener Krankheitsbilder erhöht zwar die Inzidenz für SBAS, ohne dass sich jedoch eine definitive Risikostratifizierung ergibt. Bei der großen Häufung der SBAS in diesem Kollektiv sind einfache routinemäßig mögliche Screeningmessungen auf telemedizinischer Basis geeignet, die notwendige Abklärung einzuleiten.