Pneumologie 2010; 64 - A20
DOI: 10.1055/s-0030-1267761

Nächtliche Interventionen bei Patienten in einem stationären Schlaflabor

W Galetke 1, M Treml 1, N Funke 1, W Randerath 1
  • 1Institut für Pneumologie der Universität Witten/Herdecke, Klinik Bethanien

Hintergrund: Der Stellenwert einer überwachten Polysomnografie (PSG) bei der Diagnosestellung und Therapieeinleitung eines Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) wird insbesondere von Kostenträgern immer häufiger in Frage gestellt. Als Alternative wird eine unüberwachte Messung, möglicherweise sogar in der häuslichen Umgebung, zur Diskussion gestellt. Wir wollten daher überprüfen, wie häufig und aus welchen Gründen eine Intervention der Nachtwache im Rahmen einer überwachten PSG bei SBAS-Patienten erforderlich ist.

Methodik: Die Untersuchung wurde im Schlaflabor des Krankenhauses Bethanien (Solingen), einem stationären Schlaflabor mit 11 Betten, durchgeführt. Innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten wurde von den Nachtwachen jede Intervention, die ein Aufsuchen des Patienten in seinem Zimmer erforderlich machte, dokumentiert.

Ergebnisse: Es wurden 713 polysomnographische Messungen analysiert, davon 341 diagnostische Polysomnografien, 200 Messungen mit manueller Titration und 172 Kontrollmessungen. Insgesamt war bei 392 Messungen (55% aller Messungen) mindestens eine Intervention erforderlich, im Durchschnitt 2,0±1,4 Interventionen pro Messung. Bei Diagnosemessungen ergaben sich 171 Messungen mit Intervention (50%; 1,7±1,1 Interventionen pro Messung), bei der Titration 106 Messungen (53%; 1,9±1,2 Interventionen) und bei Kontrollen 115 Messungen (67%; 2,4±1,8 Interventionen). 35% der Interventionen waren Zimmerkontrollen bei Schnarchsignalen, in 29% waren technische Probleme maßgeblich, in 19% patientenbezogene Interventionen (Blutgasanalysen, Blutdruckmessungen, körperliche Beschwerden). Maskenprobleme waren in 14% der Interventionen vordergründig, sonstige Probleme in 3%.

Schlussfolgerung: Bei mehr als 50% aller Polysomnografien in einem stationären Schlaflabor ist mindestens eine Intervention am Patienten durch die Nachtwache erforderlich, bei Therapiekontrollen sogar in 67% der Fälle. Dies macht den Stellenwert einer überwachten Polysomnografie bei der Therapieeinleitung und -kontrolle schlafbezogener Atmungsstörungen deutlich.