Pneumologie 2010; 64 - A3
DOI: 10.1055/s-0030-1267771

Kasuistiken zur Silikose-Bildgebung

A Weber 1
  • 1Bergmannsheil, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum, Institut für Diagnostische Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin, Bochum

Die radiologische Diagnose einer Silikose oder der im Ruhrgebiet weit verbreiteten Mischstaubpneumokoniose beruht auf dem Nachweis nodulärer oder retikonodulärer Herdbildungen und einer beruflich erhöhten Steinstaubexposition. Das typische nativradiologische Bild einer Silikose zeigt sich in der symmetrischen Verteilung der Herdbildungen. Bezüglich der Lokalisation besteht eine deutliche Bevorzugung der mittleren Abschnitte der Lungen. Dabei entwickeln sich die Knötchen am häufigsten in den unteren Anteil der Lungenoberlappen und oberen Anteilen der Lungenunterlappen. Die dorsalen Lungenanteile sind gegenüber den ventralen Anteilen etwas bevorzugt. Die Lungenspitzen und die ganz basalen Anteile der Lunge sind in der Regel von der Silikose nicht betroffen. Die Herde sind zentrolobulär und subpleural gelegen. Die silikotischen Knötchen können verkalken. Bei schweren Silikosen können sich Konglomerationen der silikotischen Herdbildungen und Schwielenbildungen entwickeln, die großflächig sein können. Diese Veränderungen sind vornehmlich in den Mittel-Oberfeldern der Lunge zu finden. Kompliziert können diese Veränderungen durch ein vikariierendes Emphysem werden. Die Erstuntersuchung zur Frage einer Silikose erfolgt in der Regel durch eine digitale Nativröntgenuntersuchung der Lunge. Unter Berücksichtigung der Anamnese und bei Vorlage alter Röntgenvoruntersuchungen stellt die Beurteilung beim Vollbild einer Silikose keine Schwierigkeiten dar. Problematisch kann die Diagnosestellung aber werden, wenn sich nur sehr geringe Herdbildungen finden lassen. Das radiologische Bild einer Silikose ist nicht spezifisch und es gibt eine Vielzahl von Lungenerkrankungen, die das Bild einer Silikose imitieren. In der Differenzialdiagnose sind hier die Sarkoidose, Talkose, dissiminierte Lungenmetastasen und Lymphome zu nennen. Weiter sind als Infektionskrankheiten die Tuberkulose, Histoplasmose und die Coccidioidomycose zu erwähnen. Ebenso können die chronische Lungenstauung und das zentrolobuläre Emphysem eine Silikose vortäuschen. Letzteres Krankheitsbild stellt heute die häufigste Differenzialdiagnose dar. Als notwendige Folgeuntersuchung ist die Computertomografie der Thoraxorgane obligat. Dabei sind die heute technisch Verfahren auszunutzen. Es sollte eine Multi-Slice-CT mit hochauflösenden Schichten in drei Dimensionen (axial, koronar und sagittal) und in MIP-Technik (Maximum Intensitity Projection) erfolgen. Bei Vorlage dieses umfangreichen Materials können im Gegensatz zur alleinigen Nativröntgenuntersuchung zuverlässige Aussagen über die Lage der einzelnen Herdbildungen in den Lungenlappen und im sog. sekundären Lobulus gemacht werden. Silikotische Herde sind bezüglich ihrer Größe und Lage über Jahre relativ stabil. Die silikotischen Herdbildungen sind in beiden Lungen annähernd symmetrisch verteilt und uniform. Durch fehlende narbige Begleitzeichen ist es oft möglich eine Differenzierung zu entzündlichen Veränderungen vorzunehmen. Es sollten aber nicht nur die Lunge isoliert, sondern auch die Pleura und das Mediastinum mitbeurteilt werden. Pleura und Lunge sind ein miteinander interagierendes System. Hier spielen die zur Pleura hinziehenden Lymphwege für Silikose eine besonders wichtige Rolle. In diesen Zusammenhang ist auch die Beurteilung der mediastinalen Lymphknoten von Bedeutung. Eierschalenlymphknoten weisen auf eine Steinstaubexposition hin. Vollständig verkalkte Lymphknoten sprechen für eine entzündliche, oft spezifische Genese. Auch kann aus der hilären Lage der Lymphknoten auf die drainierte Region in der Lunge geschlossen werden. Entzündliche Veränderungen der Lunge sind je nach Lage auch mit Pleuraveränderungen assoziiert. Unter Einbeziehung des subpleuralen Fettgewebes in der Beurteilung können Hinweise auf den Verlauf bzw. die Chronizität abgeleitet werden. Ohne differenzierte anamnestische Angaben und Voruntersuchungen kann eine Beurteilung schwierig sein, wenn Mischbilder einer Silikose mit anderen nodulären Erkrankungen oder einem Lungengerüstprozess vorliegen. Grundsätzlich zeigt jedoch die Silikose ein relativ einfaches morphologisches Bild. In Kenntnis des Krankheitsverlaufes und des pathologisch-anatomischen Verhaltens kann in der Regel mit radiologischen Verfahren eine sichere Diagnose gestellt werden.