Pneumologie 2010; 64 - A5
DOI: 10.1055/s-0030-1267773

Quarz und COPD

K Ulm 1
  • 1Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie (IMSE) der Technischen Universität München

Die COPD ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Morbidität und stellt weltweit die vierthäufigste Todesursache dar, mit steigender Tendenz. Die Prävalenz einer COPD mit Schweregrad II oder höher nach der GOLD-Definition (FEV1/FVC <0.70 und FEV1 <50%) liegt in Deutschland bei knapp 6%. Die Dunkelziffer an nicht erkannten Fällen dürften bei über 60% liegen. Das Mortalitätsrisiko hängt stark vom Schweregrad der COPD ab. So steigt das Risiko, innerhalb von 10 Jahren zu versterben von 5% bei normaler Lungenfunktion auf ca. 35% bei COPD mit Schweregrad 3 oder 4. Viele Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass Rauchen der wesentlichste Risikofaktor ist. Ca. 75% aller Patienten mit COPD waren Exraucher oder sind noch aktive Raucher. Die restlichen 25% aller Erkrankungen sind überwiegend beruflich bedingt. Hierbei spielen Arbeitsplätze mit einer sog. VGDF-Exposition (VGDF – vapour, gas, dust, fumes) eine besondere Rolle. Arbeiter an diesen Arbeitsplätzen haben ein doppelt so hohes Risiko, an einer COPD zu erkranken im Vergleich zu nicht-exponierten Arbeitern. Eine Exposition gegenüber Staub und Quarzstaub führt dabei zu einem deutlich erhöhten COPD-Risiko. Die vorliegenden Daten lassen nicht erkennen, ob die Exposition gegenüber Quarz einen zusätzlichen Effekt zur Staubexposition hat. Der Verlust der Lungenfunktion ist mit dem Schweregrad der Silikose assoziiert, was auf Grund der höheren Exposition bei Arbeitern mit einer Silikose nicht verwundert. Auch beim Fehlen einer Silikose kann die Quarzexposition zu einer COPD führen. Die verschiedenen Studien zeigen, dass eine Exposition zwischen 0,1–0,2mg Quarz-Feinstaub/m3 bereits einen Verlust der Lungenfunktion bewirken kann. Die Anerkennung der COPD als Berufskrankheit durch inorganische Stäube außerhalb des Steinkohlenbergbaus sollte intensiv diskutiert werden. Angesichts der begrenzten therapeutischen Möglichkeiten sind präventive Maßnahmen dringend erforderlich. Neben einer Verringerung der Exposition und der Verstärkung von Schutzmaßnahmen sind Früherkennungsprogramme und vor allem ein Rauchverbot am Arbeitsplatz zu diskutieren.