Inf Orthod Kieferorthop 2011; 43(1): 1
DOI: 10.1055/s-0031-1271414
Editorial

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Editorial

N. Schepp1
  • 1Kieferorthopädische Praxis in Aalen
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Publication Date:
15 March 2011 (online)

Sehr geehrte Leserinnen und Leser! 

Die vorliegende Ausgabe der Informationen aus Orthodontie und Kieferorthopädie beinhaltet mehrere Artikel rund um das Thema Eckzahnverlagerung. 

Den Anfang macht eine Arbeit von Tiziano Baccetti. Er beschreibt Frühindikatoren für das Auftreten von Durchbruchsstörungen bei Eckzähnen. Die Kenntnis dieser Frühzeichen macht Sinn, denn bei rechtzeitiger Erkennung einer beginnenden Verlagerung kann man durch geeignete interzeptive Maßnahmen die klinische Manifestation der Verlagerung verhindern und dem Patienten aufwändigere Behandlungsprozeduren ersparen. 

Nachdem sich eine Verlagerung klinisch manifestiert hat, ist meist die Freilegung des Zahns notwendig um ihn kieferorthopädisch einzustellen. Dann hat die Wahl des richtigen Freilegungsverfahrens einen großen Einfluss auf den Behandlungserfolg, der modernerweise nach ästhetischen und parodontalen Gesichtspunkten beurteilt wird. Grundsätzlich muss man zwischen vestibulärer und palatinaler Verlagerung unterscheiden: 

Vincent Kokich thematisiert das Freilegungsverfahren für palatinal verlagerte Zähne. Er favorisiert hier die Freilegung des Zahns noch vor kieferorthopädischer Behandlung, mit dem Ziel des Spontandurchbruchs des Zahns. In seiner Arbeit illustriert er das Behandlungsvorgehen anhand von klinischen Fällen und schildert die Vorteile im Rahmen einer evidenzbasierten Diskussion. 

Der Artikel von R. Vanarsdall beschäftigt sich mit den Freilegungsverfahren für vestibulär verlagerte Zähne. Bei vestibulärer Lokalisation des ektopischen Zahns favorisiert Vanarsdall die Freilegung mithilfe eines apikalen Verschiebelappens. Er vergleicht dieses Verfahren im Hinblick auf Komplikationen während der Behandlung und Parodontalbefund am Behandlungsende mit dem geschlossenen Verfahren, bei dem der präparierte Lappen nach Freilegung vollständig über den Zahn reponiert wird und dem offenen Verfahren, bei dem lediglich das Gewebe über dem verlagerten Zahn exzidiert wird. 

Björn Ludwig thematisiert ebenfalls die verschiedenen Freilegungstechniken für verlagerte Eckzähne. Er vergleicht in einer retrospektiven Auswertung das offene Verfahren (Gingivektomie) mit dem geschlossenen Verfahren (vollständige Reponierung des präparierten Lappens) in Abhängigkeit von der Lokalisation der Zahnverlagerung (palatinal, vestibulär) in Hinblick auf die Ästhetik der Behandlungsergebnisse. 

Was ist, wenn der verlagerte Zahn die Wurzeln von Nachbarzähnen beschädigt, d. h. resorbiert hat? Dieser Frage gehen B. Falahat und Mitarbeiter nach. In einer Langzeitstudie haben sie das Schicksal von Schneidezähnen mit Wurzelresorptionen nachuntersucht. Die ermutigenden Ergebnisse können Sie in deren Artikel nachlesen. 

Schließlich folgen Fallberichte: Andrea Foltin und Hans-Peter Bantleon berichten u. a. von einem Fall, bei dem der Eckzahn durch Transplantation eingestellt wurde, und der Heftherausgeber zeigt Fälle, bei denen der verlagerte Eckzahn abgestützt an einer skelettalen Verankerung eingestellt wurde und diskutiert die Behandlungsergebnisse. Anschließend thematisiert R. Meyer die Ursachen von kieferorthopädischen Misserfolgen und beschreibt sein Vorgehen bei der Zweitbehandlung. 

Die Redaktion wünscht Ihnen viele neue Erkenntnisse und Denkanstöße bei der Lektüre des vorliegenden Heftes.