Fortschr Neurol Psychiatr 2011; 79(4): 251-255
DOI: 10.1055/s-0031-1273322
Mitteilungen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mitteilungen der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft

Nr. 27 (2011) Verantwortlich: Heinz Schott, Bonn1
  • 1Redaktion: Rainer-M. E. Jacobi, Bonn
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. April 2011 (online)

 

Reiner Wiehl* 14. November 1929 † 30. Dezember 2010

Als Mitglied des Beirats und seit Bestehen der Schriftenreihe „Beiträge zur Medizinischen Anthropologie” als einer von deren Herausgebern, gehörte der Heidelberger Philosoph Reiner Wiehl zum Kreis derer, die von Anbeginn das Geschick der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft maßgeblich mitbestimmten. Wenn auch nicht immer und von jedem bemerkt, war er in seiner Nachdenklichkeit und noblen Zurückhaltung gleichwohl der klügste und weitsichtigste Ratgeber in nahezu allen Belangen der Arbeit unserer Gesellschaft. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie haben ebenso mit seinen Bildungswegen und Interessen wie auch mit den Formen und Schwerpunkten seines philosophischen Denkens zu tun, vor allem aber mit seiner Person, den sehr besonderen biographischen Umständen und nicht zuletzt mit dem hohen Gut der Freundschaft. Insoweit Reiner Wiehls Philosophieren unter der Maßgabe stand, dass sich die „Lebensspuren der einzelnen lebendigen Menschen” in den philosophischen Gedanken entdecken lassen müssen, also das Allgemeine der Philosophie seine Bewährung erst im „einzelnen unverwechselbaren Leben” findet, mag es auch der Autor dieser Zeilen nicht verleugnen, wenn eigene Erfahrungen freundschaftlicher Nähe in das Bild der Erinnerung einfließen.[1]

Reiner Wiehls Herkunft war von jener über lange Jahrhunderte gewachsenen Familienzugehörigkeit geprägt, in der „Judentum und Deutschtum, Christentum und Judentum selbstverständliche Zusammengehörigkeiten geworden waren.” Das Judentum blieb eine „Selbstverständlichkeit der Selbstidentifikation, ungeachtet der weitgehend vergessenen jüdischen Tradition.”[2] So wuchs Reiner Wiehl als Kind einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters, den Konventionen christlicher Lebensführung folgend, im geistigen Horizont einer sehr bestimmten jüdischen Familienzugehörigkeit auf. Hier sei lediglich an Ludwig Edinger, den Begründer der Neuropathologie, an Elisabeth Sommer, die – wie es Franz Rosenzweig berichtet – Vorlesungen des Jüdischen Lehrhauses besuchte, und an Hans Ehrenberg erinnert, der als südwestdeutscher Neukantianer nach dem ersten Weltkrieg von einem säkularisierten Judentum zu einem existenziell orientierten Christentum überging und Mitglied der Bekennenden Kirche wurde. Hans Friedrich Fulda, der spätere Kollege und Freund am Heidelberger Philosophischen Seminar, sprach in seiner bewegenden Trauerrede von einer „ungeheuren denkerischen wie existentiellen Herausforderung”, die den frühen Lebensweg Reiner Wiehls kennzeichnete.[3] Hierzu gehörte der philosophische und poetische Kosmos Goethes ebenso wie der vom Vater her geprägte kunsthistorische Sinn und eine große Liebe zur Musik, wie sie in der lange gepflegten pianistischen Begabung großartigen Ausdruck fand. Dann natürlich auch der „klassische Text des jüdischen Selbstverständnisses” seiner Familie: Lessings Nathan der Weise, als eine „Bewährungstheorie der Wahrheit” im Sinne „universaler Humanität eines liberalen Weltbürgertums.” Im Hintergrund all dessen stand freilich „der große Religionsdisput zwischen den Ehrenbergs, Franz Rosenzweig und Rosenstock-Huessy, der die Familie aus ihrem dogmatischen Schlummer weckte.”[4]

Aber etwas anderes, ungeahnt Schreckliches kommt hinzu. Hans Friedrich Fulda fand es geboten, auch davon zu sprechen, sofern man angesichts der „Trauer um den Verlust eines solchen Menschen wieder zum Frieden mit sich selbst kommen und mit dem eigenen Leben vor dem des Toten gerechtfertigt sein will.”[5] Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten kam es zunächst zum Berufsverbot des Vaters, des Architekten Karl Wiehl, dann zum Schulverbot für Reiner Wiehl kurz nach dessen Eintritt in das humanistische Lessing-Gymnasium Frankfurt und schließlich zur Deportation der Mutter in das KZ Theresienstadt sowie seiner eigenen Verschleppung kurz vor Kriegsende in ein Lager im Harz. Es sei, wie Wiehl einmal berichtete, ein Zufall gewesen, dass er und seine Mutter überlebten. Dies im Gegensatz zu seiner geliebten Tante, in der Reiner Wiehl „den Zusammenhang von Judentum und Deutschtum, von Christentum und Judentum in einer Person verbunden” fand.[6]

Elisabeth Sommer kam auf grauenhafte Weise in einem Massaker zu Tode, bei dem – wie erst sehr spät bekannt wurde – 2000 Männer, Frauen und Kinder auf dem Wege der „Evakuierung” in das Ghetto von Riga in Litauen ermordet wurden.

Bislang wussten nur sehr wenige und diese zumeist nur bruchstückhaft von der anderen, der furchtbaren und dunklen Seite im Leben Reiner Wiehls. Vielleicht aber gelingt von dort her ein neuer Zugang zum Verständnis seines philosophischen Werkes, das sich durch mancherlei Besonderheit auszeichnet. Schon der Weg dahin war ein besonderer. So studiert Reiner Wiehl zunächst in seiner Heimatstadt Frankfurt/M. und in Pisa Mathematik, Physik und romanische Philologie. In der Mathematik fand er die nächstliegende Verbindung von Wissenschaft und Kunst, den beiden Eigentümlichkeiten menschlicher Kultur, die er von früh an schätzen und zu pflegen lernte. Die Philosophie kam erst später hinzu. Nach Stipendien an den Universitäten Nancy und Genua wurde er 1959 bei Wolfgang Cramer in Frankfurt mit einer Arbeit zur Prozessphilosophie Alfred North Whiteheads promoviert. Sein wichtigster Lehrer wurde alsdann Hans-Georg Gadamer, bei dem er sich 1966 mit Untersuchungen zum dialektischen Wissenschaftsbegriff bei Platon und Hegel habilitierte. 1969 folgte er einem Ruf an die Universität Hamburg, wo es zur anregenden Zusammenarbeit mit dem Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker kam. Dem Bemühen von Gadamer und Dieter Henrich folgend, kehrte er 1977 als Nachfolger Ernst Tugendhats nach Heidelberg zurück.[7]

Neben den klassischen Themen der antiken Philosophie, des Deutschen Idealismus und der philosophischen Hermeneutik blieben Alfred North Whitehead und Baruch de Spinoza die zentralen Leitsterne seines eigenen Denkens.[8] Dies vor allem zweier großer Fragestellungen wegen, die Reiner Wiehls philosophische Arbeit maßgeblich bestimmten: nämlich die nach den Verhältnissen von Metaphysik und Erfahrung bzw. Subjektivität und Zeit. Gegen die „modisch gewordene Frage nach dem Ende der Metaphysik” interessierten Wiehl die vielfältigen Formen, in denen sich dem modernen Menschen metaphysische Gegebenheiten auf neue Weise zeigen.[9] Damit erhält der „philosophische Umgang mit der Metaphysik … den Charakter der Suche.” Diese Suche freilich ist von der Art, dass man „des Gefundenen niemals endgültig sicher sein” kann, zumal das Gesuchte immer auch einen Teil des Suchenden selbst ausmacht. Dem menschlichen Wissen wird „etwas von seiner Selbstgewissheit und dem menschlichen Tun etwas von seiner Selbstgerechtigkeit” genommen.[10] Darin genau kommt für Reiner Wiehl die ethische Dimension moderner Metaphysik zum Vorschein. Es ist diese philosophische Haltung, die ihn bei Martin Heidegger wie auch bei seinem Lehrer Hans-Georg Gadamer eine letztlich unaufgeklärte „Flucht in die Sprache” vermuten ließ. Es bedürfe stattdessen eines Denkens „über den natürlichen Sprachraum hinaus auf das Gedachte und Denkende hin.”[11]

Im Zeichen dieser Haltung, die weniger der begrifflichen Erschließung einzelner Sachverhalte gilt als vielmehr den Zusammenhängen zwischen solchen Sachverhalten, also dem Niemandsland des Zwischen-Seins, stehen zwei weitere Schwerpunkte der philosophischen Arbeit Reiner Wiehls. Beide sind Früchte einer Freundschaft. Werner Marx, der nach Wiehls Auffassung die Kühnheit hatte, das Angebot der Übernahme des Freiburger Lehrstuhls von Martin Heidegger anzunehmen, war es, der ihn zu einer Vortragseinladung für den ersten Franz Rosenzweig Kongress 1980 in Jerusalem verhalf. Auf Wiehls Einwand, dass er noch keine Zeile von Rosenzweig gelesen hätte, habe Marx nur geantwortet, dass es dafür nun höchste Zeit wäre. In Franz Rosenzweigs „neuem Denken” entdeckte Wiehl neben dem englischen Naturphilosophen Whitehead nunmehr den zweiten großen Versuch der neueren Philosophie zur Vermittlung von Metaphysik und Zeit, von Ungeschichtlichkeit und Geschichtlichkeit.[12] Das hohe Gut der Freundschaft kommt nochmals, nun aber auf gleichsam doppelte Weise zum Vorschein. War es einerseits die Freundschaft zu dem Heidelberger Pathologen und Sozialmediziner Wolfgang Jacob, die Reiner Wiehl seit den 70er-Jahren zur intensiven Lektüre der Schriften Viktor von Weizsäckers führte, so kam alsbald dessen Freundschaft zu Franz Rosenzweig in den Blick. Neben dieser faszinierenden Konstellation des frühen 20. Jahrhunderts wurde Weizsäckers Medizinische Anthropologie wie übrigens auch die Philosophie der Grenzsituationen bei Karl Jaspers für Wiehl zu einem weiteren Bewährungsfeld seiner Vermittlungsversuche zwischen Metaphysik und Erfahrung bzw. Subjektivität und Zeit.[13]

Es ist überraschend zu sehen, wie im Horizont dieser überaus ambitionierten Vermittlungsversuche Metaphysik und empirische Wissenschaften entgegen alten und neuen Vorurteilen in ein sich gegenseitig kritisch reflektierendes Verhältnis geraten. Maßgebend hierbei ist für Reiner Wiehl die Frage nach dem Menschen. Nicht nur als „Kernproblem aller neuzeitlichen Metaphysik”, sondern als „die Eine Frage nach dem Menschen als Menschen, unabhängig von der unterschiedlichen Form der Fragestellung und den entsprechenden Antworten.” Damit aber kommt es zum „philosophischen Primat der Frage vor der Antwort.”[14] Dies umso mehr, als dieser Primat angesichts der technischen Innovationen moderner Medizin und eines epochalen Wandels im Verständnis von Gesundheit und Krankheit, von Leben und Tod, zum sittlichen Gebot schlechthin wird.[15]

Reiner Wiehls über mehr als drei Jahrzehnte währende Beschäftigung mit dem Werk Viktor von Weizsäckers stand, dem philosophischen Primat der Frage vor der Antwort folgend, unter dem Anspruch von Ethik und Kritik. Sie galt der Suche nach den zumeist verborgenen philosophischen Prämissen ebenso wie den Brüchen und Übergängen im Gefüge der von Weizsäcker mitunter eigenwillig gewählten Begrifflichkeiten. Die noch immer weithin zu beobachtende Unsicherheit und Ungenauigkeit im Umgang mit den Leitbegriffen des Weizsäckerschen Denkens, sei es die Einführung des Subjekts, das Pathische oder die Antilogik, erweckt den Eindruck, als ob Reiner Wiehls große Studien zum Impossibilitätstheorem und zum Gestaltkreis, zu denen er sich gern einladen ließ, noch nicht die ihnen gebührende Lektüre gefunden hätten.[16] Was diese und andere Texte auszeichnet, ist die Hellhörigkeit für die sprachlichen Nuancen, die Heterogenitäten und absichtsvollen Unentschiedenheiten in den Denkbewegungen Weizsäckers. Hier scheint jene „Depotenzierung” des neuzeitlichen Subjekts wiederzukehren, die Wiehl auch selber immer wieder beschäftigt hat. Es geht um ein Subjekt, das in seinem Wesen bestimmt ist „durch Endlichkeit und durch Mangel an Machtfülle, in seinem Erkennen und Wissen durch Vorläufigkeit und Unsicherheit.”[17] Aber Reiner Wiehls Vermittlung von Subjektivität und Zeit hilft nicht nur, den innersten Gedankengängen bei Weizsäcker gewahr zu werden, mehr noch kommt etwas von jener „Weisheit” in den Blick, wie sie das ärztliche Denken Weizsäckers mit dem neuen Denken Rosenzweigs verbindet. Für Franz Rosenzweig lehrt diese Weisheit das „Verstehen zur rechten Zeit”.[18] Er fand hierfür ein Wort Goethes aus dem West-östlichen Divan, das auch für Reiner Wiehl „schöner und überzeugender als alle anderen Texte”, von denen er wisse, „das Wesen der Wahrheit umschreibt.”[19] So soll mit diesem Wort Goethes auch etwas von der behutsamen Denkungsart und großen Menschenfreundlichkeit Reiner Wiehls in Erinnerung gebracht werden.

„Warum ist Wahrheit fern und weit?
Birgt sich hinab in tiefste Gründe?”
Niemand verstehet zur rechten Zeit!
Wenn man zur rechten Zeit verstünde;
So wäre Wahrheit nah und breit,
Und wäre lieblich und gelinde.

Rainer-M. E. Jacobi, Bonn

Danksagung:

Für guten Rat und freundliche Ermutigung danke ich Dieter Janz (Berlin), Dominic Kaegi (Luzern), Hartwig Wiedebach (Zürich) und Undine Wobus (Heidelberg).

1 Hier wird aus der noch unveröffentlichten Festrede zitiert, die Reiner Wiehl am 30.6.2007 anlässlich der Verleihung der Hermann-Cohen-Medaille für jüdische Kulturphilosophie in Arnoldshain hielt, und dem Verfasser zum persönlichen Gebrauch überlassen hatte (Ms., S. 1). Vgl. hierzu den Bericht in den „Mitteilungen” Nr. 22 (2008), in: Fortschr Neurol Psychiat 2008; 76: 625 – 634, hier S. 627 f.

2 Ebd., Ms., S. 2.

3 Hans Friedrich Fulda, Rede zur Trauerfeier für Reiner Wiehl am 11.1.2011 auf dem Friedhof Neckargemünd. Diese Trauerrede ist vorgesehen zum Druck in der Zeitschrift „TrumaH” der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Hans Friedrich Fulda sei an dieser Stelle sehr herzlich dafür gedankt, aus dem Manuskript zitieren zu dürfen (hier Ms., S. 5). Vgl. auch den Nachruf von Stascha Rohmer, So wäre Wahrheit nah und breit. Erneuerung der Metaphysik aus Mitleidenschaft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.1.2011, Nr. 6, S. 34.

4 Reiner Wiehl, Festrede (Anm. 1), Ms., S. 2 f. Zum „Religionsdisput” vgl. den von Eugen Rosenstock-Huessy besorgten Anhang mit Briefen zwischen ihm und Franz Rosenzweig aus dem Jahr 1916, in: Edith Rosenzweig (Hrsg.), Franz Rosenzweig. Briefe. Schocken Verlag, Berlin 1935, S. 637 – 720.

5 Hans Friedrich Fulda, Rede zur Trauerfeier, Ms., S. 5.

6 Reiner Wiehl, Festrede (Anm. 1), Ms., S. 3.

7 Vgl. auch die Würdigung zu Reiner Wiehls 70. Geburtstag von Dominic Kaegi in den „Mitteilungen” Nr. 7 (1999), in: Fortschr Neurol Psychiat 1999; 67: A 33-A40, hier A38 f.

8 Vgl. hierzu Reiner Wiehl, Einleitung in die Philosophie A. N. Whiteheads, in: Alfred North Whitehead, Abenteuer der Ideen. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1971, S. 7 – 71; ders., Die Vernunft in der menschlichen Unvernunft. Das Problem der Rationalität in Spinozas Affektenlehre. Berichte der Joachim Jungius-Gesellschaft, Jg. 1, 1982/83, Heft 4. Hamburg 1983. Weiterführend auch das Schriftenverzeichnis in der Festschrift für Reiner Wiehl zum 70. Geburtstag. Stefan Hübsch, Dominic Kaegi (Hrsg.), Affekte. Philosophische Beiträge zur Theorie der Emotionen. Winter, Heidelberg 1999, S. 211 – 221.

9 Reiner Wiehl, Einleitung: Die ewige Wiederkehr des Ungleichen – zwischen Metaphysik und Erfahrung, in: ders., Metaphysik und Erfahrung, S. 9 – 38. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1996, S. 10.

10 Ebd., S. 37 f.

11 Reiner Wiehl, Festrede (Anm. 1), Ms., S. 5 f.

12 Vgl. Reiner Wiehl, Einleitung (Anm. 9), hier S. 20, aber auch ders., Zeit und Zeitlosigkeit in der Philosophie A. N. Whiteheads, in: Natur und Geschichte. Karl Löwith zum 70. Geburtstag, S. 373 – 405. Metzler, Stuttgart 1967. Ergebnis dieser beginnenden Beschäftigung mit Franz Rosenzweig ist ein Aufsatz, den Wiehl seinem Freund Werner Marx in „freundschaftlichem Gedenken” widmet. Reiner Wiehl, Die Erfahrung im neuen Denken von Franz Rosenzweig. Phil Jahrb 1982; 89: 269 – 290. Hier findet auch Viktor von Weizsäcker eine erste beziehungsreiche Erwähnung (vgl. S. 275 ff.).

13 Ein frühes Echo der Freundschaft mit Wolfgang Jacob gibt dessen Buch „Kranksein und Krankheit. Anthropologische Grundlagen einer Theorie der Medizin” (Fischer, Heidelberg 1978). Wiehls besondere Beziehung zu Werk und Person von Karl Jaspers kommt in seiner langjährigen Präsidentschaft der Karl-Jaspers-Stiftung Basel zum Ausdruck. Im Mittelpunkt standen hierbei immer wieder die Philosophie und Phänomenologie der Grenzsituationen. Vgl. hierzu Anton Hügli, Dominic Kaegi, Bernd Weidmann (Hrsg.), Existenz und Sinn. Karl Jaspers im Kontext. Festschrift für Reiner Wiehl. Winter, Heidelberg 2009. Zum Versuch einer Verbindung mit Weizsäcker vgl. Reiner Wiehl, Grenzsituation und pathische Existenz, in: Wessel KF, Förster W, Jacobi RME. (Hrsg.), Herkunft, Krise und Wandlung der modernen Medizin, S. 206 – 220. Kleine Verlag, Bielefeld 1994.

14 Reiner Wiehl, Metaphysik und Erfahrung. Überlegungen im Anschluß an Spinoza und Whitehead, in: ders., Metaphysik und Erfahrung, a. a. O. (Anm. 9), S. 375 – 397, hier S. 394; ders., Subjektivität und System. Einleitung, in: ders., Subjektivität und System, S. 8 – 45. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2000, S. 44 f.

15 An dieser Stelle sei des großen Engagements von Reiner Wiehl im Arbeitskreis „Ethik in der Medizinischen Anthropologie” der Viktor von Weizsäcker Gesellschaft gedacht. Vgl. Reiner Wiehl, Menschenwürde in Grenzsituationen, in: Gahl K, Achilles P, Jacobi RME (Hrsg.), Gegenseitigkeit. Grundfragen medizinischer Ethik, S. 373 – 390. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008.

16 Vgl. Reiner Wiehl, Die Verwirklichung des Unmöglichen. Zum Realitätsproblem in der Pathosophie Viktor von Weizsäckers, in: Jacobi RME (Hrsg.), Zwischen Kultur und Natur. Neue Konturen medizinischen Denkens, S. 71 – 87. Duncker & Humblot, Berlin 1997; ders., Form und Gestalt im „Gestaltkreis”. Zur philosophischen Begriffssprache in Viktor von Weizsäckers Medizinischer Anthropologie, in: Jacobi RME, Janz D (Hrsg.), Zur Aktualität Viktor von Weizsäckers, S. 167 – 194. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007.

17 Reiner Wiehl, Subjektivität und System, a. a. O. (Anm. 14), S. 11.

18 Franz Rosenzweig, Das neue Denken. Einige nachträgliche Bemerkungen zum „Stern der Erlösung” (1925), in: Franz Rosenzweig, Kleinere Schriften, S. 373 – 398. Schocken, Berlin 1937, S. 384.

19 Reiner Wiehl, Zur philosophischen Bedeutung von Dietrich Ritschls theologischem Konzept der „Impliziten Axiome”, in: Huber W, Petzold E, Sundermeier T (Hrsg.), Implizite Axiome. Tiefenstrukturen des Denkens und Handelns, S. 127 – 139. Kaiser, München 1990, S. 131.

20 Peter Hahn, Methodologie und Methodenwechsel in der Medizin, in: Jacobi RME, Janz D (Hrsg.), Zur Aktualität Viktor von Weizsäckers, S. 127 – 144. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003.

21 Peter Hahn, Ärztliche Propädeutik. Gespräch, Anamnese, Interview. Einführung in die anthropologische Medizin – wissenschaftstheoretische und praktische Grundlagen. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1988.

22 Peter Hahn, Andreas Werner et al. (Hrsg.), Modell und Methode in der Psychosomatik. Eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger psychosomatischer Forschungs- und Arbeitsansätze. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1994.

23 Marcus Schiltenwolf, Wolfgang Herzog (Hrsg.), Die Schmerzen. Beiträge zur Medizinischen Anthropologie, Bd. 7. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011. Eine öffentliche Vorstellung dieses Bandes erfolgt am 25.5.2011 im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) Heidelberg.

24 Rainer-M. E. Jacobi (Hrsg.), Schmerz und Sprache. Zur medizinischen Anthropologie Viktor von Weizsäckers. Winter, Heidelberg 2011.

25 Sebastian Kleinschmidt, Matthias Weichelt, Souveränität ist, nichts für Zufall zu halten. Gespräch mit Dieter Janz. Sinn und Form 63 (2011) 184 – 204.

26 Ebd., S. 187.

27 Ebd., S. 195.

28 Ebd.

29 Peter Wapnewski, Mit dem anderen Auge. Erinnerungen 1922 – 2000. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2007, S. 433. Zur Bestimmung der Medizinischen Anthropologie vgl. Viktor von Weizsäcker, Randbemerkungen über Aufgabe und Begriff der Nervenheilkunde (1925). Gesammelte Schriften (hrsg. von Peter Achilles, Dieter Janz, Martin Schrenk, Carl Friedrich von Weizsäcker), Bd. 3, S. 301 – 323. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1990, hier S. 320 ff. Vgl. auch im Gespräch mit Dieter Janz (Anm. 25), S. 187 f.

30 Dies trifft vorzugsweise für die Epileptologie zu, hier konnte Dieter Janz mit seinem Lebenswerk einer frühen Anregung von Paul Vogel zu klinischer Wirksamkeit verhelfen. Im Gespräch wird es sehr anschaulich am „Fall Dostojewski” vorgeführt (Anm. 25), S. 196 ff. Zu dem dort genannten „interdisziplinären Projekt” vgl. Martin Schöndienst, Konversationsanalytische Zugänge zu Gesprächen über Anfälle, in: Jacobi RME, Claussen PC, Wolf P (Hrsg.), Die Wahrheit der Begegnung. Anthropologische Perspektiven der Neurologie. Festschrift für Dieter Janz, S. 73 – 84. Königshausen & Neumann, Würzburg 2001. Im Anschluss an das Gespräch kommt eine Predigt zum Abdruck, die Dieter Janz am 6.10.1996 zum „Tag der Epilepsie” in der Peterskirche zu Heidelberg gehalten hat. Dieter Janz, Jesu Begegnung mit einem Vater und seinem epileptischen Sohn. Eine Predigt über Markus 9,14-29. Sinn und Form 63 (2011) 205 – 210.

31 Philippe Grimbert, Ein Geheimnis. Suhrkamp, Franktfurt/M. 2005.

Rainer-M. E. Jacobi

Medizinhistorisches Institut der Universität Bonn

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