manuelletherapie 2011; 15(5): 190-191
DOI: 10.1055/s-0031-1281920
Leserbriefantwort

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Leserbriefantwort

J. Schomacher
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
19. Dezember 2011 (online)

Vorsicht Sinnestäuschung!

Was Sie auf den Bildern und an den Messwerten sehen, stimmt (vielleicht?) nicht! Dieser Kommentar von Prof. von Piekartz zeigt, dass meine Versuchsbeobachtung (es ist keine Fallstudie!) ihr Ziel erreicht hat, denn solche Beschreibungen eines Phänomens sollen ja zu weiterem Erforschen anregen!

Erlauben Sie mir einige Anmerkungen, die ich aus Platzmangel kurz halten muss:

Eine kurze Literatursuche am 27.10. 2011 mit den vorgeschlagenen Suchbegriffen ergab keine wesentliche Ergänzung zur Traktionstechnik im Kiefergelenk. Ziel des Versuchs war es herauszufinden, ob die Selbsttraktion eine Separation der Gelenkflächen ergibt. Eine Analyse möglicher Wirkungsweisen der Traktion war nicht Gegenstand des Beitrags. Entsprechende Erwähnungen sind mit Literaturquellen versehen, die gerne diskutiert werden können. Die zitierte Schulterstudie wurde mit Röntgenbildern beantwortet, die eine deutliche Separation der glenohumeralen Gelenkflächen zeigen 2. Aktuelle Bilder sind vorhanden, und die entsprechende Publikation ist in Vorbereitung. Die sogenannten „Fehler“ bei der CT-Untersuchung (es sind keine MRT-Aufnahmen!) ergaben sich durch die Untersuchungsbedingungen, da das Gerät keine Aufnahmen im Sitzen erlaubt. Das klinisch hypermobile Kiefergelenk wurde für die Untersuchung gewählt, um einen möglichen Effekt überhaupt nachweisen zu können. Der Begriff hypermobil wurde als erhöhtes rotatorisches und translatorisches Bewegungsausmaß mit eher laxem Endgefühl verstanden 1. Die Situation Mund geschlossen bedeutete den normalen gewohnten Zahnschluss des Probanden. Die Unterschiede in den Sagittalaufnahmen sind durch die verschiedenen Unterkieferbewegungen der 3 Aufnahmen bedingt, die trotz Fixation kleine Veränderungen in der Kopfposition verursachten. Die 2. Messung versucht, diese Verzerrung zu minimieren. Eine Vorverlagerung im Sinne der Protraktion ist durch den gleich gebliebenen Kontakt zwischen den Backenzähnen und der Korkenscheibe unwahrscheinlich und in der 3-D-Rekontruktion nicht erkennbar. Klärung kann erst ein radiologischer Vergleich der Protraktions- und Traktionsstellung schaffen. Vergleichbare Studien wurden nicht gefunden, an denen die bemängelte „fehlende Standardisierung und Vergleichbarkeit“ hätte orientiert werden können. Die (Selbst-)Traktion können meiner Ansicht nach auch „nicht spezialisierte (Manual-)Therapeuten“ nach funktionellen Gesichtspunkten durchführen, wie die Bilder zeigen!

Prof. von Piekartz ist sicherlich bestens geeignet, die geforderte Literaturstudie und eine „bessere“ experimentelle Untersuchung zur Traktion im Kiefergelenk durchzuführen. Letztendlich wollen wir ja alle nur erfahren, wie es wirklich ist.

Literatur

  • 1 Kaltenborn F M. Manuelle Therapie nach Kaltenborn – Untersuchung und Mobilisation der Gelenke. Teil II: Wirbelsäule. Oslo: Norli; 2004
  • 2 Schomacher J. What do we feel – if we feel? Letter to the Editor in Response to: Gokeler A et al. Quantitative Analysis of Traction in the Glenohumeral Joint in Vivo Radiographic Measurements (Manual Therapy 2003; 2: 97 – 102).  Manual Therapy. 2004;  9 116-117

Jochen Schomacher

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Schweiz

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