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DOI: 10.1055/s-0031-1283414
Kosten der Umsetzung eines Patientenschulungsprogramms am Beispiel von „Back-to-Balance„
Einleitung/Hintergrund: Grundlage für die wirtschaftliche Entscheidung über Ressourcenallokation und Distribution eines neu entwickelten Patientenschulungsprogramms ist eine ökonomische Evaluation. Ziel des ökonomischen Teils der Back-to-Balance-Studie [1] (BtB) war die Ermittlung des Zeitaufwandes und der Kosten, die im Zusammenhang mit der Implementation des Schulungsprogramms entstanden sind. Daten/Methoden: Die Datenerhebung erfolgte mittels eines selbst entwickelten retrospektiven Fragebogens. Befragt wurden die Trainer aus 36 Kliniken (Rücklauf n=22) hinsichtlich der Entwicklung des Schulungsprogramms und der Entwicklung und Durchführung der Train-the-Trainer-Seminare sowie der Implementierung des Schulungsprogramms. Ergebnisse: Insgesamt wurde ein Zeitaufwand von einer Stunde und Kosten von 43€ pro Patient für die Entwicklung und Durchführung von BtB errechnet. Die Ergebnisse zeigten eindrücklich, dass die Kosten der Entwicklung und Einführung des Schulungsprogramms und der Trainer-Seminare mit 73% der Gesamtkosten einen wesentlichen Einfluss auf die Effizienz einer Schulungsmaßnahme hatten. Bei Variation der Ausgangsdaten (höhere Anzahl Kliniken, mehr Schulungsdurchgänge und höhere Fallzahlen) könnten die Gesamtkosten pro Patient auf gut 27€ über rund 11€ bis unter 6€ gesenkt werden. Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Aussagefähigkeit der Ergebnisse ist nur begrenzt übertragbar. Dennoch lassen sich folgende wichtige und eindeutige Aussagen ableiten: Die Höhe der Ressourcenbindung und der Kosten ist abhängig von der Anzahl der geschulten Patienten und von der Anzahl der einbezogenen Kliniken: je mehr Kliniken und je mehr Patienten rekrutiert werden können, desto kosteneffektiver ist die Einführung eines Schulungsprogramms. Die Kosten und der Zeitaufwand werden stark beeinflusst durch die Entwicklungsphase: je geringer der Ressourceneinsatz für die Entwicklung der Schulung und der Trainer-Seminare, desto geringer ist der gesamte Zeitaufwand und sind die Gesamtkosten. Die zeitlichen und finanziellen Belastungen durch die Einführung eines neuen Schulungsprogramms sind nicht unerheblich. Inwieweit der Entwicklungsaufwand reduziert werden kann, ist fraglich, daher ist die Bedeutung einer möglichst breiten Umsetzung aus ökonomischer Perspektive zu betonen. Bei der Programmentwicklung für kleinere Zielpopulationen sind kostengünstigere Verfahren zu prüfen.
Literatur:
[1] Morfeld, M., Hofreuter, K., Möller, J., Fox, M., Koch, U. (2006): Kognitiv-verhaltenstherapeutische Intervention bei Patienten nach erster Bandscheiben Operation und die Rückkehr zur Arbeit. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, 27, 3. 338–362.